16.09.2011
Solarstrombranche unter Konsolidierungsdruck
Photovoltaik: In der Solarstrombranche fordert der globale Technologie- und Preiswettbewerb Opfer. Anbieter schließen Werke oder geben auf. Auch deutsche Anbieter stehen unter starkem Druck. Den Anlagenbauern hingegen geht es blendend.
VDI nachrichten, Hamburg/Düsseldorf, 16. 9. 11, swe
Weiterhin zeigt der globale Photovoltaikmarkt beeindruckende Wachstumszahlen und bekommt allenfalls im nächsten Jahr eine kleine Wachstumsdelle - glaubt man John West vom Beratungsunternehmen VLSI Research. Er hält eine durchschnittliche Wachstumsrate bei der neu installierten Leistung von 10 % in den nächsten Jahren für möglich, sagte er in Hamburg auf der European Photovoltaic Solar Energy Conference & Exhibition (EU PVSec). 2010 waren weltweit 14,2 GW Nennleistung an Solarstromanlagen installiert.
Allerdings werden bei den zukünftigen Geschäften nicht mehr alle Anbieter dabei sein. "Die Modulpreise werden weiter sinken", prophezeite West und niemand wollte da letzte Woche auf der PVSec widersprechen. "Das führt dazu, dass Unternehmen verschwinden oder sich neu aufstellen müssen." Gemeint waren die europäischen Unternehmen und hier ganz besonders die deutschen. Sie geraten zunehmend unter Druck.
Allerdings gilt das nur für die Hersteller von Wafern, Zellen und Modulen. Sie haben es mit einer preisaggressiven Konkurrenz aus Fernost zu tun. EU-Experten schätzen zudem die globalen Überkapazitäten auf 100 % - das drückt aufs Geschäft.
Ganz anders hingegen die deutschen Anbieter von Produktionsanlagen. Dank ihrer Technologieführerschaft geht es den meisten glänzend: Im Vorfeld der EU PVSec veröffentlichte der VDMA die Geschäftszahlen der Hersteller von Produktionsanlagen für Solartechnologie des zweiten Quartals 2011. Danach legte der Umsatz deutscher Anbieter noch einmal deutlich zu und übertraf das Vergleichsquartal 2010 um 28 %. Im Gesamtjahr 2010 hatten deutsche Anbieter 2,55 Mrd. € umgesetzt.
Als Kontrast dazu schloss der deutsche Branchenprimus Solarworld sein Modulwerk in Kalifornien. Konkurrenz Conergy will in seinem Werk in Frankfurt/Oder nur noch Module bauen. Das sei profitabler, als Wafer und Zellen zu fertigen. Conergy will beide Unternehmenszweige "bis auf Weiteres" einstellen.
"Licht aus" hieß es in den vergangenen Wochen für namhafte US-Solarfirmen. Solyndra, bis vor Kurzem noch ein Flaggschiff der Solarenergiefirmen in den USA, hat seine Werkstore in Kalifornien schließen und Konkurs anmelden müssen. Schätzungsweise 1,5 Mrd. $ wird die Pleite kosten, rund 1100 Mitarbeiter verlieren den Job. Solyndra erhielt allein an Staatsgeldern 535 Mio. $.
Solyndra ist kein Einzelfall: Im August mussten die früheren US-Konkurrenten Evergreen Solar und Spectrawatt aufgeben. Dennoch meint die Marktforschungsagentur ABI Research, dass die USA mit 5 GW im Jahr 2013 Deutschland als weltweit größten Markt für jährliche Neuinstallationen von Photovoltaik-anlagen ablösen werden.
Tom Murphy, Leiter der Investments in erneuerbare Energien bei HG Capital, sieht kein Ende der Pleitewelle. Seit 2008 hätten sich viel zu viele junge Unternehmen auf den Solarstrommarkt gestürzt. Durch wachsende Konkurrenz vor allem aus China seien die Preise unter Druck geraten: In den USA koste heute 1 W Photovoltaik-Nennleistung statt 4 $ nur 1,30 $. J. IKEN/P. O./swe -Seite 14