27.05.2011

Soziale Netzwerke ebnen den Weg zum Unternehmen 2.0

INFORMATIONSTECHNIK: Twitter, Facebook und Youtube sind weit mehr als ein Freizeitspaß für Jugendliche oder Internetverliebte. Denn die vielfältigen Möglichkeiten für Nutzer, im Web 2.0 eigene Inhalte zu erstellen und zu verteilen, bieten auch viele Chancen im Business-to-Business-Bereich (B2B), wie immer mehr Unternehmen erkennen.

VDI nachrichten, München, 27. 5. 11 , pek

Siemens stellt sich potenziellen Bewerbern bei Facebook vor, SAP lässt Geschäftspartner im neuen Referenzkundenblog berichten und Tangram Teleoffice GmbH verbreitet Neuigkeiten über Twitter: Social Media nimmt auch im Geschäftsleben immer breiteren Raum ein.

Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, den Kontakt zum Endkunden herzustellen und möglichst viele Facebook-Fans zu bekommen, sondern zunehmend um neue Chancen im B2B-Geschäft. „Social Media birgt viele Missverständnisse, weil es eben kein Synonym für neue Onlineplattformen wie Twitter, Facebook oder Youtube ist, auf denen die klassische Unternehmenskommunikation oder klassisches Marketing zu platzieren ist“, erklärt Jan Manz, Mitglied der Geschäftsführung der Agentur wbpr in Unterföhring bei München. „Social Media ist Kommunikation und Dialog – mit neuer Technik und neuen Regeln.“

Dabei gibt es keine allgemeingültigen Prozesse, denn jedes Unternehmen hat andere Voraussetzungen und Ziele. „Im B2B-Umfeld muss im Vorfeld genauso darüber entschieden werden, was erreicht werden soll, wie im Bereich B2C“, sagt Social-Media-Experte Manz. „Wir müssen das auch machen“ sei kein Ziel.

„Für Unternehmen ist es wichtig herauszufinden: Wo wird über uns was gesprochen und wo finden Debatten zu Themen statt, die für uns relevant sind“, sagt Manz. Denn gesprochen werde über jedes Unternehmen im Netz. „Für Unternehmen im B2B-Umfeld wäre es fatal, sich Social Media nicht zuzuwenden. Das heißt nicht, dass man aktiv kommunizieren muss, aber man sollte analysieren, ob und wo es Potenziale gibt.“

Doch was konkret können Unternehmen mit Web 2.0 erreichen, wo liegt der Nutzen? Der Bundesverband Digitale Wirtschaft hat für dieses Jahr zehn Thesen zur Zukunft von Social Media aufgestellt. Laut Verband werde die Bedeutung von sozialen Netzwerken demnach zum Beispiel beim „Employer Branding“ wachsen. „Statische Personalbereiche auf Homepages und reine Anzeigenportale waren gestern.“

„Nicht nur Kunden werden anspruchsvoller, auch Bewerber setzen auf ‚User Generated Content‘ in ihrem Entscheidungsprozess“, so der Verband. Auch werde die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen durch So-
cial Media beeinflusst. So entstehe etwa durch eine breitere Wissensbasis und schnelleres Feedback ein „Adaptive Engineering“.

Das funktioniert nicht nur extern, sondern auch intern, etwa durch sogenannte Kollaborations-Software. Diese ersetzt immer häufiger das bisherige Knowledge-Management, das meist in nicht genutzten Datenfriedhöfen endete. Ein Beispiel für ein „Social Collaboration Tool“ ist Lotus Connections von IBM. Über dieses Tool können Mitarbeiter weltweit ihr Wissen teilen, sich austauschen und Communitys bilden – und so etwa Doppelarbeiten verhindern, wie Kurt De Ruwe, CIO der Bayer Material-Science AG, auf www.cio.de berichtet.

Wer Facebook oder Xing bedienen könne, der könne auch Lotus Connections anwenden, so De Ruwe. Solche neuen und weltumspannenden Prozesse spielen wiederum für das Thema Recruiting eine Rolle, denn gut ausgebildete Nachwuchskräfte und „Digital Natives“ sind seit Jahren an Teamarbeit via Wikis, Blogs und Co gewöhnt.

Doch trotz neuer Chancen sind viele Führungskräfte noch immer skeptisch, wie eine Umfrage von Brands4friends belegt. Der Baukonzern Strabag beispielsweise zog sich Ende Februar wieder von Twitter zurück und erklärte öffentlich, dass man sich mehr Interaktion mit Kunden oder Stakeholdern erhofft hatte und dies nicht geklappt hat.

„Social Media kann nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn es als Teil der gesamten Kommunikationsstrategie verstanden wird“, erklärt Jan Manz. Diese Erfahrung hat auch Mirko Lange, Geschäftsführer der Agentur Talkabout in München,gemacht: „Social Media ist immer dann gut, wenn es eine Kombination mit anderen Maßnahmen gibt“, so Lange auf der Kongressmesse Internetworld.

„Facebook und Twitter sind kein Allheilmittel“, warnt Manz. Hauptsache sei es, die richtige Zielgruppe zu erreichen – ob Kunden, eigene Mitarbeiter oder potenzielle Auftraggeber. Dazu könne für B2B-Unternehmen ein Unternehmensblog die deutlich effizientere Basis sein, ebenso wie Special-Interest-Plattformen. Ist die richtige Basis gefunden, ließen sich beispielsweise „Kontakte pflegen, festigen und neue aufbauen sowie beispielsweise Leads für die nächste Messe anbahnen“, so Manz.

Auch die eigene Expertise und Themenführerschaften können auf der richtigen Plattform nachhaltig dargestellt und multimedial inszeniert werden. Vor allem aber, sagt Manz, sei Google die Informationsquelle Nummer eins für B2B-Entscheider: „Und Google liebt Social Media.“  SIMONE FASSE

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