03.08.2012
Sponsor Wilo fährt im Deutschlandachter mit
Sportsponsoring: Während der Olympischen Spiele müssen die meisten Geldgeber ihre Logos und Schriftzüge von Kleidung und Sportgeräten entfernen. Das Sponsoring rechnet sich dennoch, meint man beim Dortmunder Pumpenhersteller Wilo, der den in London siegreichen Deutschlandachter unterstützt.
VDI nachrichten, Dortmund, 3. 8. 12, ws
„Keiner bewegt sich effizienter auf dem Wasser als der amtierende Ruderweltmeister – und keiner bewegt Wasser effizienter als der Entwickler der effizientesten Heizungspumpe der Welt.“ Kay Hoffmann ist nicht verlegen, wenn es um einen knackigen Vergleich des Deutschlandachters mit dem Hauptsponsor Wilo geht. Der Director Corporate Communications des Dortmunder Pumpenherstellers weiß, was das Unternehmen an seinem achtköpfigen Werbeträger hat und wie weit die Popularität der deutschen Vorzeigeruderer reicht. „Die Ruderwettbewerbe sind eher nebensächlich. Der Deutschlandachter ist durch seinen Erfolg eine Marke für sich. Das Paradeboot ist bekannt – nicht nur unter Ruderfachleuten.“ Mit dem Olympiasieg in London hat der Achter dieser Marke neuen Glanz verliehen.
Als der Deutschlandachter seine Rennen bestritt, schaute bei den Olympischen Spielen nicht nur der Fachmann genau hin. Das Boot hat vor allem seit den 60er und 70er-Jahren unter „Ruderprofessor“ Karl Adam, der wegen seiner zahlreichen Erfolge in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde, einen legendären Ruf.
Der Schriftzug „Wilo“ war aber während der Spiele auf Boot, Rudern und Kleidung der Athleten nicht zu sehen. Während der heißen Olympia-Periode vom 18. Juli bis zum 15. August ist Werbung für Wilo wie für die meisten anderen Geldgeber der Olympioniken tabu, ausgenommen sind Sponsoren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Zudem gilt: „Nur die Top Partner des IOC, die Partner der Deutschen Olympiamannschaft und die Sportartikelhersteller, die einen Teilnehmer ausrüsten und Mitglied der WFSGI (World Federation of the Sporting Goods Industry) sind, dürfen Bilder von Mitgliedern der Olympiamannschaft für Glückwunschanzeigen oder Imageanzeigen veröffentlichen“, heißt es im Leitfaden des Deutsche Olympische Sportbunds (DOSB) für den Umgang mit Werbung und PR. Zum Pool der offiziellen „Olympia-Partner“, „Co-Partner“ und „Ausrüster“ gehören u.a. Audi, Vattenfall, Telekom, Lufthansa und DB Schenker.
Das ist natürlich bitter für all jene Unternehmen, die ihre Logos zu Olympia von Sportgeräten und Sportlerkleidung entfernen müssen. Bei Wilo, das mehrfach als „Arbeitgeber für Ingenieure“ ausgezeichnet wurde, setze man eh auf eine „nachhaltige, gelebte Partnerschaft“, wie Kay Hoffmann erklärt.
Lebendes Beispiel dafür ist Mathias Flach, der bei den Olympischen Spielen 2008 im Deutschlandachter saß. Der Student im Bereich Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an der Ruhr-Universität Bochum arbeitet derzeit bei Wilo als Werksstudent in der Abteilung Group Research & Technology Center.
Dem hohen Anspruch ökologisch nachhaltiger Olympischer Spiele werden die Organisatoren nicht gerecht, mahnen kritische Stimmen. Einige „Top Partner“ stünden keineswegs für diesen hehren Ansatz. Die Hauptsponsoren Coca Cola und McDonalds verkörperten nicht gerade das, was man allgemein unter „sportlicher“ Nahrung verstünde, wird Terence Stephenson von der britischen Vereinigung der Medizinlehranstalten in der „taz“ zitiert. Auch der Ölkonzern BP und das französische Energieunternehmen EDF seien keineswegs für ihre Nachhaltigkeit bekannt, sagt Simon Lewis von der Naturschutzorganisation WWF.
Dem US-amerikanischen Chemiekonzern Dow Chemicals wird wegen des Chemieunglücks von Bhopal 1984 die Glaubwürdigkeit abgesprochen, der multinationalen Bergbaugesellschaft Rio Tinto, die die Olympiamedaillen sponsert, wegen dessen hoher Luftverschmutzung.
Die Olympischen Spiele seien zum „Zirkus der großen Konzerne“ geworden, meint Kerry-Ann Mendoza von der Our Olymics Gruppe, die eng mit der Occupy-Bewegung verbandelt ist. ws
Einen weiteren Beitrag zum Thema „Sportsponsoring“ finden Sie auf S. 23.