10.06.2011

Stromer fahren um die Welt – mit an Bord erzeugtem Strom

Automobil: Brennstoffzellenautos sind alltagstauglich. Das stellte Mercedes-Benz letztendlich mit dem „F-Cell World Drive“ unter Beweis. Nun soll die Produktion der Elektroautos mit bordeigener Stromerzeugung schon 2014 statt 2015 in Serie gehen. Darüber hinaus wollen Daimler und die Linde Group bis 2014 auf eigene Kosten 20 Wasserstoff-Tankstellen errichten.

VDI nachrichten, Stuttgart, 10. 6. 11, wop

Die erste Weltumrundung mit Brennstoffzellenautos endete am 1. Juni erfolgreich vor dem Mercedes Museum in Stuttgart. Nach mehr als 30 000 km Fahrt fuhren drei Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell mit lokal emissionsfreiem Antrieb über die Ziellinie, wo sie von Daimler-Chef Dieter Zetsche und Andreas Opfermann, Leiter Saubere Energie und Innovation der Linde AG, erwartet wurden.

Die wasserstoffbetriebenen Pkw und ihre Begleitfahrzeuge waren am 29. Januar anlässlich des offiziellen 125. Geburtstags des Autos in Stuttgart gestartet und durchquerten auf ihrer Reise 14 Länder auf vier Kontinenten: problemlos, teilweise über 400 km mit einer Tankfüllung und begleitet von Transportern, mit denen die Linde AG als Lieferant des Wasserstoffs (H2) die Kraftstoffversorgung sicherte. Denn weltweit gab es an öffentlichen Tankstellen nur in Stuttgart und Los Angeles Nachschub.

„Die Welttour ist ein Meilenstein im Rennen um Elektromobilität“ sagte Zetsche vor der Presse nach der Zieleinfahrt. „Mit dem F-Cell World Drive haben wir gezeigt: Die Zeit ist reif für Elektroautos mit Brennstoffzellen. Jetzt muss das Thema Infrastruktur Fahrt aufnehmen.“

Zetsche, Daimler-Vorstandsvorsitzender und Leiter Mercedes-Benz Cars, rückte Ziele in den Vordergrund: 2014 statt 2015 würde nun die Serienproduktion von Mercedes F-Cell-Autos gestartet. Daimler und Linde errichten in den kommenden drei Jahren gemeinsam 20 öffentliche Wasserstofftankstellen in Deutschland, damit F-Cell-Autos problemlos zwischen den großen Ballungsräumen verkehren können. Investition insgesamt etwa 20 Mio. €.

„Denn nur mit einer ausreichenden Zahl an Wasserstofftankstellen können Autofahrer von den Vorteilen der Technologie profitieren“, so Zetsche, das heiße Reichweiten von rund 400 km, Tankzeiten von 3 min sowie null Emissionen.

Die Initiative von Daimler und Linde bilde einen Brückenschlag zu den bestehenden Infrastrukturprojekten Clean Energy Partnership und H2-Mobility, die über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie gefördert werden, erklärte Opfermann. Damit hat Deutschland bei der H2-Infrastruktur im internationalen Vergleich die Spitzenposition.

Durch die Initiative von Linde und Daimler werde sich die Zahl der öffentlichen H2-Tankstellen von heute sieben in Deutschland fast vervierfachen. Die neuen Tankstationen sollen in den bestehenden H2-Regionen Berlin, Hamburg und Stuttgart sowie entlang einer neuen durchgängigen Verbindung Hamburg-München und Berlin-Düsseldorf entstehen.

Ziel ist es laut Opfermann, verkehrstechnisch günstig gelegene, bestehende Standorte unterschiedlicher Mineralölfirmen zu nutzen. Damit würden erstmals alle Orte in Deutschland mit einem Brennstoffzellenfahrzeug erreichbar sein. Die Initiative von Daimler und Linde stehe weiteren Industriepartnern, etwa aus der Mineralöl, Energie- oder Autoindustrie, offen.   W. PESTER


H2-Tankstellen-Infrastruktur entscheidend 

–Für die erfolgreiche Einführung von Brennstoffzellenautos ist eine öffentliche Wasserstoff(H2)-Infrastruktur entscheidend.

–Von den derzeit knapp 30 H2-Tankstellen in Deutschland sind sieben in einem öffentlichen Tankstellenbetrieb integriert.

–Deutschland ist laut Daimler und Linde damit klarer Vorreiter in Europa. Bereits fünf bis zehn Tankstellen sind für eine kundenfreundliche erste Abdeckung einer Großstadt ausreichend.

–Die Verbindung urbaner Zentren – wie etwa Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und München – mit H2-Tankstellen auf den Hauptverkehrsadern ist ein wesentlicher Schritt für den flächendeckenden Ausbau einer öffentlichen H2-Infrastruktur. WOP

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