03.02.2012

Technische Assistenzsysteme für Mitarbeiter 60+ gefordert

Seniorentechnik: Wer älter wird, braucht öfter Hilfe. Wie technische Unterstützung auch für zunehmend ältere Belegschaften in den Betrieben aussehen könnte, diskutierten Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft vergangene Woche in Berlin.

VDI nachrichten, Berlin, 3. 2. 12, ber

"Alles, was wir an Technik entwickeln, muss ausgerichtet sein auf die Bedürfnisse des Menschen. Darum bemühen wir uns", versprach VDE-Vorstandsvorsitzender Hans Heinz Zimmer zur Eröffnung des VDE-Kongresses "Ambient Assisted Living" (AAL) vergangene Woche in Berlin. Man wolle für die älter werdende Gesellschaft den Alltag komfortabler, sicherer und energieeffizienter machen. "Es geht um das Zusammenwachsen von Querschnittstechnologien", führte Zimmer aus.

Technik soll Menschen in allen Lebenssituationen unterstützen. Die Politik hat deshalb nun auch die alternden Belegschaften im Fokus. Im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung fördert das Bundesforschungsministerium (BMBF) die Entwicklung altersgerechter Assistenzsysteme.

Gerade wird dort die Fördermaßnahme "Mit 60+ mitten im Arbeitsleben" vorbereitet. Denn in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft und bei einem immer weiter nach hinten verschobenen Renteneintrittsalter wolle man auch den Menschen an seinem Arbeitsplatz entsprechend unterstützen, erklärte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF.

In diesem Monat starten zunächst in verschiedenen Städten Deutschlands sogenannte "Senioren-Werkstattgespräche", in denen das BMBF die Bedürfnisse und Erwartungen der Alten abklopfen will. Das Feedback soll dann in Maßnahmen für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer münden. "Wir werben dafür, dass sich die Unternehmen auf eine alterssensible Personalpolitik einstellen, damit sich hier ein Wandel etablieren kann", sagte Rachel.

Bereits 2035 wird Deutschland eine der ältesten Bevölkerungen weltweit haben. Damit verbunden ist ein deutliches Mehr an Pflegebedarf und Kosten. Entlastung könnten Putzroboter, Alarmsysteme oder telemedizinische Komponenten bieten.

Auch die Kommunen müssen umsteuern und altengerechte Wohnungen und Infrastrukturen anbieten - etwa Häuser und Wohnungen mit "smarten" Assistenzgeräten.

Laut Data Monitor wird der Markt für technische Assistenzsysteme allein in den USA und Europa auf bis zu 7,7 Mrd. $ im Jahr 2012 zulegen. Für Deutschland eröffnen sich beachtliche wirtschaftliche Chancen, nicht nur aufgrund der Einsparpotenziale im Gesundheitswesen.

"Die Technologien sind da", behauptete VDE-Chef Zimmer. Jetzt läge die Herausforderung in der Interoperabilität von Endgeräten. Damit sich Teilkomponenten vergleichen, kombinieren, austauschen und nachrüsten lassen, seien spezifische Normen und Standards erforderlich.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik im DIN und VDE (VDE/DKE) die Deutsche Normungs-Roadmap AAL erarbeitet - die erste ihrer Art weltweit. Diese soll die Entwicklung und Umsetzung von AAL-Anwendungen beschleunigen und Impulse für die internationale Normung geben. "Das wird die gute Standortposition Deutschlands in diesem globalen Wachstumsmarkt stärken", ist sich der VDE-Vorstandsvorsitzende Zimmer sicher. BETTINA RECKTER

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