11.11.2011

„Unter den Studienanfängern haben wir in diesem Jahr einen Frauenanteil von rund 56%“

Studium. Das 2009 gegründete Zentralinstitut für Medizintechnik (ZIMT) an der Universität Erlangen-Nürnberg bietet Bachelor- und Masterstudiengänge mit verschiedenen Schwerpunkten an. Geschäftsführer Kurt Höller erläutert, was das Besondere an der Ausbildung ist. Der Ingenieur promovierte nach dem Diplom in Elektrotechnik in Informatik sowie Medizintechnik.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 11. 11, jul

VDI Nachrichten: An der Universität Erlangen-Nürnberg bildet die Medizintechnik traditionell einen wichtigen Schwerpunkt. Im Jahr 2009 kam das Zentralinstitut für Medizintechnik hinzu. War denn ein zusätzliches Institut überhaupt notwendig?

Höller: Die Gründung des Instituts war überfällig. Die Medizintechnik hat hier traditionell einen hohen Stellenwert, der jedoch noch ausbaufähig war. Mit dem neuen Zentralinstitut wird das auch deutlicher nach außen hin sichtbar. Das ZIMT wurde von der Universitätsleitung initiiert und ist ihr direkt unterstellt. Die 40 Lehrstuhlinhaber der Universität, die sich mit Medizintechnik in Forschung und Lehre beschäftigen, unterstützen das Konzept. Es gibt sehr enge, interdisziplinäre Verknüpfungen innerhalb der Universität und der Industrie in der Region. Wir können jetzt ganz anders nach außen hin auftreten. Die neuen Studiengänge sind für Bewerber aus ganz Deutschland attraktiv, auch für Forschungsprojekte hilft uns das Zentralinstitut.

Kommen Ihre Studenten aus der näheren Umgebung?

Unsere Studenten kommen aus ganz Deutschland. Ungefähr ein Drittel der Bewerber kommt aus Baden-Württemberg, obwohl es dort auch Ausbildungsmöglichkeiten gibt. Auch aus Norddeutschland lockt das ZIMT viele Bewerber an. Unter den Studienanfängern haben wir in diesem Jahr einen Frauenanteil von rund 56 %. Damit ist Medizintechnik gerade für Frauen ein äußerst attraktives Studienfach.

Bewerben sich aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs und der Aussetzung der Wehrpflicht mehr Abiturienten um einen Studienplatz?

Wir haben in diesem Jahr ausnahmsweise den Studienbeginn zum Sommer- und Wintersemester ermöglicht und es haben sich jeweils 160 Studienanfänger eingeschrieben. Für das Eignungsfeststellungsverfahren hatten wir in diesem Jahr rund 450 Bewerber, das waren deutlich mehr als die 300 unbeschränkten Einschreibungen im Vorjahr.

In einer Studie des Branchenverbandes BVmed gaben Unternehmen an, dass sie sich in der Medizintechnik hervorragend ausgebildete Ingenieure wünschen, die gleichzeitig sozial kompetent sind und interdisziplinäre Erfahrung mitbringen sollen. Wie bereiten Sie die Studierenden auf das spätere Berufsleben vor?

Wir bieten zunächst eine sehr anspruchsvolle Ingenieurausbildung an, kein Schmalspurstudium. Die Studieninhalte konzentrieren sich zu 95 % auf Grundlagen und Anwendung technischer Fächer wie E-Technik, Mathematik, Physik, Informatik und Maschinenbau. Nur gut 5 % des Curriculums widmen sich explizit der Medizin. Manche Studenten wundern sich über das hohe Niveau in Mathematik und Physik, manche haben in diesen Fächern Lücken. Wir bieten deshalb ein Repetitorium zu Semesterbeginn an. Die Anforderungen sind hoch, doch wer engagiert und fleißig ist, sollte das Pensum mit der entsprechenden Begabung schaffen.

Interdisziplinäre Seminare, Praktika im Krankenhaus und ein reger Austausch mit Experten aus Klinik und der medizinischen Forschung bereiten die Studenten auf das spätere Arbeitsfeld vor. Auch regelmäßige Vorträge von Praktikern aus Wirtschaft und Industrie an der Universität bieten den Studenten viele Möglichkeiten, sich je nach persönlichem Interesse ganz vielschichtig mit dem Thema Medizintechnik zu beschäftigen.

Sind alle Studenten den hohen Anforderungen gewachsen?

Von den 180 Studienanfängern aus dem Jahr 2009 sind noch gut 80 immatrikuliert, 60 von ihnen werden wohl den Abschluss schaffen. Viele hatten sich das Studium einfacher vorgestellt. Mit einem zum Wintersemester erstmals angewandten Eignungsfeststellungsverfahren beugen wir zukünftig solchen Enttäuschungen vor.

Reicht ein Bachelor-Abschluss aus, um einen Job in der Medizintechnik zu finden?

Mit einem Bachelor-Abschluss kann man ins Berufsleben eintreten, doch unserer Meinung nach reicht es nicht für eine erfolgreiche Karriere in der Medizintechnik aus. Wir empfehlen auf jeden Fall den Master, denn viele Firmen in der Medizintechnik widmen sich intensiv der Forschung und suchen deshalb gut ausgebildete Mitarbeiter, die über ein umfangreiches theoretisches Wissen verfügen und wissenschaftlich arbeiten können. Diese breite Qualifikation bringen Master-Absolventen mit. An unserem Zentralinstitut gibt es keine beschränkte Zahl an Studienplätzen, allerdings muss sich jeder für einen Master-Studienplatz bewerben und erneut an einem Qualifikationsfeststellungsverfahren teilnehmen.

  I. WEIDNER

www.zimt.uni-erlangen.de

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