02.12.2011
Vor dem IT-Gipfel: Internet sorgt für Geschäftserfolg
Internet: Der Erfolg deutscher Unternehmen basiert auf dem Internet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Doch nur für knapp die Hälfte der Befragten gilt das Netz als entscheidender Treiber für Produkte und Geschäftsmodelle.
VDI nachrichten, Berlin, 2. 12. 11, rb
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für den IT-Gipfel am kommenden Dienstag in München noch einmal neue Argumente dafür parat, warum sie ITK zur Chefsache gemacht hat: Die Informations- und Kommunikationswirtschaft (ITK) ist nicht nur weiterhin Treiber der zurzeit positiven Wirtschaftslage, sondern Basis für die Unternehmensentwicklung. Das steht auch in der Studie, die diese Woche IW-Direktor Michael Hüther in Berlin vorstellte. Tenor: die erfolgreichsten Geschäftsmodelle sind internetbasiert.
Die Umfrage unter 2500 Unternehmen zeigt, dass erfolgreiche Firmen internetabhängig sind. Für 18 % spielt das weltweite Netz die "zentrale Rolle" für die Entwicklung von neuen Produkten oder Geschäftsmodellen. Diese Firmen investieren zudem mehr in Forschung und Entwicklung und haben den höchsten Akademikeranteil unter ihren Beschäftigten. Zwei entscheidende Kriterien für den Erfolg am Markt, glaubt Hüther.
Laut Studie ist für 32 % ist das Internet "wichtig", für weitere 32 % spielt es eine "untergeordnete Rolle" und für 18 % meldet das IW den Status "offline". Überwiegend handele es sich dabei um die Branchen Land- und Forstwirtschaft sowie Gastgewerbe.
Die IW-Zahlen, die im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom erhoben wurden, bieten auch Argumente für die Forderungen der Wirtschaft an Politiker.
Im Vorfeld des 6. IT-Gipfels erneuert Bitkom-Präsident Dieter Kempf bekannte Wünsche in Richtung Bundesregierung. Allen voran: mehr Tempo beim Breitbandausbau, bessere Bildungskonzepte in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und - nicht zuletzt - die seit Jahren geforderte steuerliche Förderung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Eine Steuergutschrift auf diese Ausgaben würde - so der Bitkom - zu einer 14 %igen Steigerung dieser Investitionen führen.
Der Aufbau intelligenter Netze gehört für Kempf zu den entscheidenden Rahmenbedingungen.
Der Bitkom wünscht sich einen "Nationalen Infrastrukturrat" als "zentrale Kommunikationsplattform". Eine solche Institution könnte die Probleme lösen, die zum Teil durch die stark zersplitterten Zuständigkeitsbereiche auftreten. Schließlich sind für den Bereich Infrastruktur nicht nur mehrere Bundesministerien zuständig. Darüber hinaus haben auch Länder und Kommunen Mitspracherechte. Eine Struktur, die nach Ansicht des Verbandes manchen Erfolg verhindert.
Beim Breitbandausbau sind nicht nur Wirtschafts- und Innenminister gefragt. Die Mittel hierfür laufen teils über das Landwirtschaftsministerium, für die gesetzlichen Vorgaben trägt das Justizministerium die Verantwortung.
Es gehört zur Tradition der IT-Gipfeltreffen, dass neben der Kanzlerin mindestens drei bis fünf Minister anwesend sind. In diesem Jahr sind es Wirtschaftsminister Philipp Rösler, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger.
Weitere Wünsche und kritische Anregungen möchte jedoch der Bitkom-Chef der Kanzlerin am nächsten Dienstag "in aller gebotenen Höflichkeit" während des Münchener Gipfels mitteilen. BIRGIT BÖHRET