09.12.2011

Walldorfer SAP investiert nachhaltig ins Cloud-Geschäft

Unternehmenssoftware: Für rund 2,5 Mrd. € (3,4 Mrd. $) will der Softwarekonzern SAP AG den US-Softwareanbieter Successfactors kaufen. Das Unternehmen bietet Human Capital Management in der Cloud an. So hofft SAP, seine eigene Cloud-Strategie zu stärken. Nach Business Objects und Sybase ist dies der dritte milliardenschwere Zukauf der Walldorfer.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 12. 11, pek

Successfactors kommt aus dem innovativen, aber nicht unumstrittenen Markt für die Messung der Leistungen des Personals. Darryl Dickens, Marketingleiter von Successfactors, verweist darauf, dass, dem Personalleiter immer noch nicht die gleiche Kompetenz wie dem Vorstand zugestanden wird, obwohl 70 % der Unternehmensausgaben auf Personal entfallen.

Diesem Missverhältnis könnte die sowohl Cloud- als auch mobilbasierte Business Execution Software des Hersteller Successfactors abhelfen. Deren Einsatz soll gewährleisten, jeden Mitarbeiter auf die Strategie des Unternehmens auszurichten. Das geschieht einerseits durch der Setzung realistischer Ziele und andererseits durch anschließende Nachverfolgung und Analyse des Fortschritts via Datenerfassung. Doch gegen solche Art der lückenlosen Kontrolle haben Betriebsräte meist einiges einzuwenden.

Siemens und Allianz setzen bereits auf Successfactors. „Siemens ist mit 420 000 Mitarbeitern die größte Cloud-Installation überhaupt“, weiß Dickens. „Wir sindmit über 15 Mio. Endnutzern der größte Enterprise-Softwareanbieter in der Cloud: “

Kein Wunder, dass die SAP auf die Vorteile des Firmenkaufs verweist, dessen Preis immerhin 52 % über dem Börsenkurs vom 2. Dezember (nämlich 40 $) liegt. „Die Lösungen von Successfactors“, so Pressesprecher Christoph Liedtke, „ergänzen SAPs bestehendes HCM-Angebot sowie SAPs starkes Cloud-Angebot: SAP Business ByDesign für den Suite-Cloud-Markt und die branchenspezifischen Cloud-Applikationen für große Unternehmen, wie etwa SAP Sales on Demand.“

Eine Überschneidung zwischen Business ByDesign und Successfactors sieht man bei SAP nicht, denn die Online-ERP-Suite adressiere ein anderes Kundensegment als Successfactors. Wie auf der Kundenkonferenz Sapphire in Madrid kürzlich zu sehen, bestehen noch Lücken in SAPs Matrix der Cloud-Angebote für Fachabteilungen. Der Successfactors-Kauf helfe also, eine große Lücke auf SAPs Human-Ressource-Seite zu schließen.

„Die Zusammenführung von Successfactors‘ Team, Fachkompetenz sowie Technologie mit der SAP wird ein echtes Schwergewicht im Cloud-Segment bilden“, sagt Bill McDermott, Vorstandssprecher der SAP. „Diese Akquisition wird uns helfen, eine Top-Priorität von Vorständen zu adressieren – nämlich Mitarbeiter und Talente erfolgreich zu führen.“

Lars Dalgaard, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Successfactors. ergänzt: „Der SAP-Deal ist eine revolutionäre Kombination aus bewährten Kompetenzen, die es Successfactors erlaubt, unsere Produkt-Roadmap um 10 Jahre zu beschleunigen.“

„Unser Ziel ist, eine Optimierung der Integration von Successfactors-Anwendungen mit dem breiteren Lösungsportfolio der SAP und somit unseren Kunden Beständigkeit unabhängig von diversen Plattformen zu bieten“, erklärt SAP-Pressevertreter Hilmar Schepp. „Wir werden das einzige Unternehmen sein, das End-to-End-Prozesse anbietet mit integrierten Cloud-Angeboten für diverse Fachbereiche – und das gekoppelt mit unseren On-Premise-Lösungen.“ „SAP Hana, unsere In-Memory-Lösung, wird in Zukunft die technische Grundlage für alle unsere Cloud-Anwendungen einschließlich der von SuccessFactors sein.“ SAP Hana beschleunigt sukzessive sämtliche Anwendungen im SAP-Portfolio.

Ob der Preis gerechtfertigt sei, fragen sich hingegen viele Experten. „Das Unternehmen machte im vergangenen Geschäftsjahr 206 Mio. $ Umsatz und schrieb einen Nettoverlust von 12 Mio. $“, betont der Berater Wolfgang Martin. „Insgesamt sind in den fünf letzten Jahren so Verluste von insgesamt nahezu 200 Mio. $ entstanden.“ Insofern sei der Kaufpreis doch recht hoch, auch wenn man für 2012 einen Umsatz von 400 Mio. $ erwartet. „Die Integration mit anderen SAP-Lösungen ist eine Riesenaufgabe, die auf die Marge drücken könnte.“

SAP-Sprecher Schepp zu den Aussichten: „Wir halten am 35 % Margenziel bis zum Jahr 2015 fest. Die Richtlinie für das Jahr 2011 ist nicht betroffen, da wir erwarten, dass die Akquisition erst Anfang 2012 geschlossen wird. Die Richtlinie für das Jahr 2012 wird erst Ende Januar 2012 veröffentlicht.“ Im Fall einer erfolgreichen Übernahme will SAP, so Schepp, „selbstverständlich die gesamten Finanzen von Successfactors übernehmen“, ergo auch dessen Schulden.

„Nach Abschluss der Übernahme wird Dalgaard das Cloud-Geschäft der SAP – zusätzlich zu seiner Aufgabe als Vorstandsvorsitzender von Successfactors – verantworten“, so Liedtke. Successfactors soll zudem, ähnlich wie Sybase, unabhängig bleiben. 

  MICHAEL MATZER


Das Unternehmen Successfactors  

SSitz in San Mateo, Kalifornien

- Knapp 1500 Mitarbeiter

- 5 Mio. Nutzer arbeiten bei 3500 Kunden in 168 Ländern.

-Umsatzwachstum von 77 % im dritten Quartal 2011 sowie ein Wachstum von 59 % in den ersten neun Monaten 2011 (jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

- Nach eigenen Angaben über 15 Mio. Cloud-Endbenutzer.

-Jahresumsatz 2010: 206 Mio. $, 12 Mio. $ Verlust.

-Gründer und CEO: Lars Dalgaard mm

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