02.12.2011

"Wir brauchen einen globalen Standard für die Smart-Grid-Schnittstelle"

Stromnetze: Der Begriff "Smart Grid" ist je nach Branche, aus der die Anbieter entsprechender Technologien kommen, und je nach Eigenheit des Landes, in dem über ein Smart Grid nachgedacht wird, unterschiedlich besetzt. Das Normierungsgremium des internationalen Ingenieurverbandes IEEE-SA will vor allem die Schnittstellen definieren helfen, um internationalen Wettbewerb zu ermöglichen, erklärt Direktoriumsmitglied Sam Sciacca in den VDI nachrichten.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 12. 11, swe

VDI nachrichten: Herr Sciacca, was ist ein Smart Grid?

Sciacca: Ein Smart Grid ist ein System aus Systemen, was bedeutet, dass sehr viele unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren. Wie wir diese Kommunikation von Systemen mit Systemen nutzen, wird von Staat zu Staat sehr unterschiedlich sein. Das wird von den Eigenheiten des Landes abhängen, seiner spezifischen Stromerzeugung und den sozioökonomischen Aspekten jedes Landes. Während wir also einig darin sind, wie wichtig Smart Grids sind, werden sich die wichtigen Elemente unterscheiden.

Die IEEE Standards Association hat eine Richtlinie erstellt, wie die Kommunikation innerhalb eines Smart Grid arbeiten sollte. Was möchte der IEEE-SA-Verband damit erreichen?

Mit unserer Richtlinie IEEE 2030 haben wir die Schnittstellen eines Smart Grids definiert. Das ist wichtig, weil, wenn Weltkonzerne wie Siemens, ABB oder Areva eine Smart Grid bauen wollen, dann hätten sie gerne etwas, das weltweit universell anwendbar wäre.

Das ist das Ziel von IEEE: eine Kommunikation und die entsprechenden Schnittstellen zu erzeugen, und dann jeden die Anwendungen bestimmen zu lassen, die in den jeweiligen eigenen Gebieten unterschiedlich sein würden.

Was bedeutet Smart Grid in den USA?

Das Smart Grid in den USA enthält eine Reihe von Aspekten. Sicherlich ist die Ökoenergiebewegung einer der Motivatoren eines Smart Grids - sogar in den Vereinigten Staaten wird Ökoenergie entscheidender. Das Smart Grid wird uns hoffentlich die Technologie geben, unsere Ökoenergie bei unseren Bedürfnissen zu berücksichtigen. Das ist der richtige Weg - wir können nicht länger radioaktiven Abfall in die Wüste kippen, wir können nicht länger Kohlendioxid in die Luft emittieren. Das Smart Grid gibt uns einige der Werkzeuge, um das in der Zukunft zu vermeiden.

Welche Werkzeuge?

Zum Beispiel Werkzeuge, um unseren Verbrauchern eine Rückmeldung zu geben, wie sie zu all dem beitragen. Heute sind wir alle anonyme Stromverbraucher, niemand gibt mir eine Rückmeldung, wie viel Energie oder Kohlendioxidemissionen ich zum Beispiel durch die Verwendung energieeffizienter Geräte eingespart habe.

In vielen Smart-Grid-Projekten, in denen ich arbeite, gibt es genauso viele soziale wie technologische Aspekte. Zum Beispiel Smart Meter: Der Stromanbieter versucht, ein geeignetes Bonusssystem zum Stromsparen herauszufinden. In einem Gebiet sehen sie dabei auf das Geld: Falls der Kunde Strom spart, dann erhält er Geld und bekommt einen Bonus. Dann kann der Stromanbieter sehen, wie das Bonussystem arbeitet.

Die andere Seite eines solchen Systems ist für mich von Interesse: Der Stromanbieter wird mir einen Bericht senden, in dem steht drin: Als wir Sie gebeten haben, Strom zu sparen, haben sie es soundso oft getan - und soundso oft hat Ihr Nachbar es getan. Es gibt also dabei eine soziale Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings hängt das extrem von den Eigenheiten eines Landes ab.

Ein deutsches Problem sind die vielen Solardachanlagen. Die Energieversorger müssen den Strom ins eigene Netz übernehmen. Langfristig würden sie daher gerne die Stromeinspeisung aus Photovoltaikanlagen ins Netz steuern können. Wie geht IEEE diese Sache an?

Wir beziehen uns darauf als verteilte Energiequellen. Dies ist aktuell eines der Hauptarbeitsgebiete des IEEE. The Standards IEEE 2030 and IEEE 1547 behandeln diesen Aspekt. Wichtig ist die Schnittstelle zwischen der Photovoltaik-anlage und dem Stromnetz: Wie schließe ich die Anlage an, wie lese ich Daten aus der Anlage aus, wie stelle ich sicher, dass sich im Falle eines Ausfalls die Anlage korrekt vom Netz trennt?

In den USA haben wir 200 verschiedene Stromanbieter, und wenn ich drei Anbieter frage, wie ich eine Solaranlage ans Netz anschließe, bekomme ich vier verschiedene Antworten. So bekommen wir nicht die "Economy of Scale", die Weltkonzerne wie Siemens oder ABB brauchen. Wir brauchen einen weltweiten Standard für diese Schnittstelle, genauso wie wir WLAN als globalen Standard für die Funknetzanbindung haben.

Jenseits des Standards IEEE 2030 - was muss noch getan werden?

Die Schnittstellen müssen standardisiert werden, die Protokolle, das Mapping, welche Kommunikation stattfindet, muss standardisiert werden. Und die Herstellerbranche - die GE's und Siemens' dieser Welt - müssen überzeugt werden, dass die Übernahme dieser Standards gut für die Industrie ist. Das kommt direkt von den Anwendern, also den Stromkonzernen. swe

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