Umwelt: Der Hamburger Hafen wird gerne als Tor zur Welt angepriesen. Doch er hat auch einen dunklen Hinterausgang. Durch diesen verlässt, oft verborgen in abgewrackten Autos, Elektroschrott das Land in Richtung Asien und Afrika. VDI nachrichten, Hamburg, 21. 8. 09, rb
Eine Hamburger Kaianlage im Schatten der mächtigen Köhlbrandbrücke. Möwen stoßen kreischend ins Wasser des Hafenbeckens. Auf dem Kai stehen lange Reihen alter Autos. Papierschilder kleben auf den schmutzigen Scheiben. Mit Edding draufgekritzelt der Zielhafen: Cotonou/Benin. Altautos werden schon seit Jahren über den Hamburger Hafen nach Afrika exportiert. Zum Problem gerät aber zunehmend ihr Inhalt. Viele sind bis unter das Dach vollgepackt mit alten Fernsehern, PCs und Kühlschränken.
Der Hamburger Hafen ist neben Antwerpen und Rotterdam wichtigster europäischer Umschlagplatz für alte Elektrogeräte. Als Füllung von Gebrauchtwagen, vor allem aber in Containern, treten sie die weite Reise nach Westafrika, Indonesien oder Indien an.
Dort tauchen die Geräte dann wieder auf wilden Müllkippen auf und in sogenannten informellen Recyclingbetrieben. An diesen Orten türmen sich meterhoch zertrümmerte Bildschirme und ausgeweidete PCs. Dichter, schwarzer Rauch beißt in Nase und Augen. Ungeschützte Arbeitskräfte - unter ihnen viele Kinder - zerschlagen Gehäuse mit dem Hammer, befreien Kupferkabel über dem offenen Feuer von ihrer Ummantelung oder schmelzen wertvolle Metalle von Platinen. "Dabei werden unter anderem giftige Flammschutzmittel und Schwermetalle frei, eine hohe Gesundheitsgefährdung sowie Belastung für Luft und Boden", sagt Maria Elander von der Deutsche Umwelthilfe (DUH). Die Organisation geht davon aus, dass gefährlicher Schrott aus Deutschland in großem Stil falsch deklariert und in arme Länder entsorgt wird.
Als die DUH gemeinsam mit lokalen Behörden verdächtige Container im Hamburger Hafen öffnete, fielen defekte Bildschirme und andere ausgediente Elektro-Altgeräte heraus, bei denen häufig die Kabel fehlten. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich also nicht um Handelsware. Die grenzüberschreitende Verbringung gefährlicher Abfälle und ihre Entsorgung aber ist verboten. In Deutschland sind die Hersteller von Elektrogeräten zudem verpflichtet, für die umweltgerechte Entsorgung von Altgeräten aufzukommen.
Wie die aussieht, kann man bei der Hamburger Firma TCMG besichtigen. In der Halle von der Größe zweier Fußballfelder liegen Berge von Elektroschrott. Gabelstapler fahren randvolle Gitterboxen hin und her. Die Maschinen von TCMG trennen und zermalmen 30 000 t Elektroschrott pro Jahr zu Kunststoff- oder Metallgranulat. "Das ist kein Abfall mehr, sondern ein Produkt." Ingo Nussek greift in einen Behälter mit Aluminiumkügelchen und lässt diese klackernd wieder zurückrieseln. "Die fahren direkt in den Schmelzofen", berichtet der kaufmännische Leiter von TCMG.
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