Medien: Hollywood ruft einen neuen Trend aus und setzt auf Digital 3D. Doch Filme wie "Monsters vs. Aliens" können bei uns nur in wenigen Kinos als Digitalprojektion gezeigt werden. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 4. 09, jdb
Die amerikanische Filmindustrie investiert gegenwärtig Millionen-Dollar-Beträge in die Etablierung des digitalen 3-D-Kinos. Nach ersten Anläufen in den 1950er bzw. 1980er Jahren soll nun die Digitaltechnologie dem 3-D-Kino zum Durchbruch verhelfen. Allein für dieses Jahr sind sechzehn Filmstarts in 3 -D angekündigt, weitere sechzig US-Produktionen befinden sich in Vorbereitung. Mit Animationsfilmen wie "Monsters vs. Aliens", dem Disney-Trickfilm "Bolt" oder mit Spielfilmen wie "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" bläst Hollywood zum Sturm auf die dritte Dimension.
"Endlich funktioniert 3-D richtig gut, weil es digital geworden ist", sagte Steve Schklair, Gründer der Produktionsfirma 3ality Digital, kürzlich auf der Fachkonferenz InsightOut an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Schklair hatte 2007 eine der ersten digitalen 3-D-Dokumentationen mit der Rockband U2 produziert. Mehrere stereoskopische Kamerasysteme haben das Bühnengeschehen auf Konzerten in Lateinamerika eingefangen. Bis zu vier Inch (10 cm) liegen die beiden Kameralinsen auseinander. Je näher die Kamera den Objekten auf den Leib rückt, desto größer der dreidimensionale Effekt. So ragt der Gitarrenhals von U2-Gitarrist The Edge in manchen Szenen weit in den Zuschauerraum hinein.
Mit der Digitaltechnologie ist es möglich, eine exakte "Depth Control" vorzunehmen und die fokussierten Objekte in der Tiefe anzuordnen. Bildet ein Gitarrenhals den Fluchtpunkt, würde normalerweise der gesamte Hintergrund kaum dreidimensional erscheinen. Mit den mannigfachen Manipulationsmöglichkeiten des digitalen Films kann nun ein wogendes Publikumsmeer zusätzlich ins Bild montiert werden. Das steigert die Spannung beim Gitarrensolo. Gleichzeitig basieren 3-D-Filme auf bestimmten Wahrnehmungskonventionen. So müssen Personen und Objekte, die vor der Leinwand im Kinoraum erscheinen, komplett gezeigt und nicht nur "angeschnitten" werden, um den Zuschauer nicht zu irritieren.
Produziert wurde der Konzertfilm in Dolby 3D Digital Cinema, einem von gegenwärtig vier konkurrierenden digitalen Verfahren. Für alle sind weiterhin spezielle Brillen notwendig. Beim Dolby-System wird das stereoskopische Bild von einem Projektor mit Interferenz-Farbrad auf eine normale Leinwand projiziert. Eine Brille mit Interferenzfilter stellt den dreidimensionalen Effekt her. Beim XpanD-Verfahren wird eine batteriebetriebene Shutter-Brille per Infrarot mit dem Projektionssystem synchronisiert. IMAX 3D verwendet ebenfalls Shutter-Brillen, die abwechselnd ein linkes und ein rechtes Halbbild zeigen, setzt aber zwei Projektoren ein. Beim derzeitigen Marktführer RealD läuft das Licht durch einen aktiven Polarisationsfilter und wird auf eine silbrige Leinwand geworfen. Polfilterbrillen empfangen dann Informationen jeweils für das linke und das rechte Auge.
3-D-Filme sollen die Digitalisierung der Kinos weiter voranbringen
Veränderte Polarisationstechniken verhindern die gefürchteten Geisterbilder, die früher auftraten. So kann der Zuschauer heute beliebig seinen Kopf seitlich neigen, ohne dass der 3-D-Effekt Schaden nimmt. Auch Kopfschmerzen sind nicht mehr zu befürchten. Denn die Synchronisation der beiden Filmbilder geschieht bei Digitalsystemen absolut stabil. Die Aufrüstung eines Projektors kostet etwa 30 000 €.
Die Filmindustrie hofft, dass 3-D-Filme zum Publikumsmagneten werden und insgesamt dem digitalen Kino auf die Sprünge helfen: Weder lassen sie sich raubkopieren noch können sie zu Hause auf dem TV-Display dargestellt werden. 3-D gibt es nur im Kino.
Doch längst sitzen Forscher des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts an der Entwicklung von autostereoskopischen Fernsehbildschirmen, für die keine Brillen mehr notwendig sind. Winzige Linsen vor dem Display lenken die Bildinformationen in unterschiedliche Richtungen. Der Zuschauer sieht immer zwei benachbarte Strahlen, wodurch sich ein dreidimensionaler Raumeindruck ergibt. HELMUT MERSCHMANN
3-D in Deutschland:
Digitale 3-D-Filme sind gegenwärtig nur in etwa vierzig deutschen Kinosälen zu sehen. Darunter: „Astor Filmlounge“ Berlin (RealD), „Cinemagnum“ Dresden (Doppelprojektion), „UCI Kinowelt“ Hamburg Mundsburg (Re-alD), „Atelier-Kino im Savoy“ Düsseldorf (Dolby Digital 3D), „Berger Kinos“ Frankfurt (XpanD), „Gloria“ Stuttgart (RealD), „Cinema“ München (RealD) und „Cinecittá“ Nürnberg (Imax 3D). hm