VDI nachrichten, Hannover, 2. 5. 08, Si -
Die drahtlose Vernetzung von Produktionsanlagen verspricht noch ein großes Potenzial zur Kostenreduktion und Optimierung von Industrieprozessen. Anhand eines Demonstrators präsentierten die am Forschungsprojekt "Energieautarke Aktor- und Sensorsysteme" (EnAS) beteiligten Unternehmen und Institute auf der Hannover Messe (21. bis 25. April) zum Abschluss des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekts die Möglichkeiten und Chancen der funkbasierten Datenübertragung für Automatisierungszwecke.
Bislang lassen sich die meisten Fertigungsanlagen kaum modifizieren. Eines der Haupthindernisse bei der Integration etwa von zusätzlichen Sensoren ist die Verkabelung, wie Christian Gerber auf der Hannover Messe berichtete. Denn die Verkabelung, so der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Informatik der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg (MLU), sei stets mit großem Aufwand verbunden. Eine komplexe Verdrahtung mit ihren Schaltschränken und Klemmleisten erweise sich zudem nicht selten als Ursache für Störungen und Stillstandszeiten industrieller Anlagen. Viele Unternehmen würden deshalb drahtlosen Netzwerken den Vorzug geben, weil diese solche Fehlerquellen ausschlössen und die Anpassung von Fertigungslinien an veränderte Anforderungen im Produktionsablauf erleichtern würden. Das Problem: Die Aktions- und Reaktionszeit solcher Netze reiche derzeit für die Fabrikautomatisierung noch nicht aus, denn dort sei Echtzeit gefragt.
Der Demonstrator verdeutlichte in Halle 6 der Hannover Messe die Projektergebnisse in drei zentralen Technologiefeldern: drahtlose Kommunikation (Übertragung mit geringer, definierter Reaktionszeit bzw. niedrigem Energieverbrauch und hoher Reichweite), dezentrales, flexibles Steuerungskonzept und autarke Energieversorgung für Sensoren und Aktoren.
Bei dem am Institut für Informatik der MLU erstellten dezentralen und flexibel rekonfigurierbaren Steuerungskonzept wird laut Prof. Hans-Michael Hanisch, Leiter des Lehrstuhls Automatisierungstechnik, jede mechatronische Komponente mit einer separaten Steuerungseinheit ausgestattet und arbeitet weitestgehend autonom. Hanisch: "Soll nun der Produktionsprozess abgeändert werden, kommt in der Anlage eine neue Komponente hinzu oder wird eine neue Anlage automatisiert, so kann die Master-Ebene rekonfiguriert bzw. die Task-Ebene mit Bibliothekselementen angepasst werden. Das spart Zeit und vor allem Geld." ANKE MÜLLER/Si