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Behördendaten für jedermann zugänglich und auszuwerten  

Informationstechnologie: Öffentlich verfügbare Daten von Behörden können für neue Anwendungen in Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft genutzt werden. Darauf setzen nicht nur Google, sondern auch Initiativen und Projekte in Deutschland. Doch das vorliegende Material muss für das Internet aufbereitet werden, was gerade bei unstrukturierten Daten wie PDF-Dateien schwierig ist. VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 11. 09, pek

Die vielen Statistiken, die von Behörden wie dem Bundesamt für Statistik und Eurostat oder großen Organisationen wie den Vereinten Nationen über Jahre aufgebaut und gepflegt werden, sind für den Schweden Ola Rosling einfach nur "wunderbar".

Rosling hat mit Gapminder eine Visualisierungssoftware entwickelt, mit der er die Daten der Weltgesundheitsbehörde so aufbereitete, dass allgemein verbreitete Ansichten ins Wanken kamen. So etwa die, dass die Höhe der Lebenserwartung direkt mit der Höhe des Bruttoinlandsprodukts zusammenhängt, Doch China oder Kuba können in puncto Lebenserwartung mit den reichsten Industrieländern mithalten.

Google fand Roslings Gapminder sogar so überzeugend, dass er die Software samt Rosling vor zwei Jahren übernahm. Rosling hat sie seither weiterentwickelt. Heute steht sie jedem kostenlos zur Verfügung - und Rosling wartet darauf, dass Nutzer nun mit allerlei Statistiken zu spielen anfangen, um neue, spannende Erkenntnisse zu gewinnen. Eurostat hält er deswegen für "wunderbar", da die Behörde ihre Zahlen ganz trocken in einem schier endlosen Tabellenwerk präsentiert.

Die Zahlen scheinen darauf zu warten, dass endlich jemand kommt und ihnen neue, interessante politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Zusammenhänge entlockt. Dabei könnten die Zahlen mit Gapminder nicht nur visualisiert, sie könnten damit auch in eigene Websites eingebaut werden. Rosling hat damit dem Schlagwort "Open Data" Leben eingehaucht.

Der Nutzung von "Open Data" widmet sich auch der vor kurzem in Berlin gegründete zivilgesellschaftliche Verein "Open Data Network". Er widmet sich Projekten, in denen es darum geht, öffentlich verfügbare Daten für Webanwendungen systematisch auszuwerten und darzustellen.

Daniel Dietrich, Gründer von "Open Data Network" meint, dass die Öffnung im Bereich der Öffentlichen Verwaltung hin zu mehr Transparenz "nicht nur einen Nutzen für den Bürger bringen kann, sondern auch durch die damit verbundenen Innovationen dazu beitragen kann, die Verwaltung offen, effizient und bürgernah zu gestalten".

Zwar stellen viele Einrichtungen und Behörden inzwischen Daten zur Verfügung, doch oftmals in Datenformaten wie PDF, die nur automatisch nicht weiterverarbeitet werden können, weil sie nicht strukturiert aufgearbeitet sind.

Für Daniel Dietrich steht fest: "Insgesamt ist PDF besser als gar nichts, aber die Forderung geht klar in Richtung von Datenformaten wie XML, CSV, RSS, SQL und TXT." Da viele Daten etwa als nur schwer automatisch auswertbare PDF-Dateien veröffentlicht werden, ist dazu gerade auch ein neuer Standard beim Internet-Standardisierungsgremium W3C in Arbeit. Wann er letztlich verabschiedet wird, ist fraglich.

Daniel Dietrichs Lieblingsprojekt ist "Apps4Democracy Deutschland", das er nächstes Jahr starten will - ganz nach dem Vorbild von "Apps4Democracy" in den USA. Dabei handelt es sich um einen kollaborativen Ideen-Wettbewerb für interessante Internetanwendungen für mehr Bürgernähe und Transparenz. Solche Projekte werden oftmals von einzelnen Engagierten betrieben, es gibt aber auch große Projekte wie das BMBF-Forschungsprojekt "iGreen", das Daten zur lokalen Bodenqualität, zum aktuellen Zustand der Pflanzen oder Schädlingsbefall aus öffentlichen und privaten Wissensquellen aufbereiten und per Handy bereitstellen will. Manchen Bauer auf dem Feld wird das freuen.

Wesentlich kleiner sind hingegen Projekte wie Bundestagger.de. Das Projekt versucht die Plenarprotokolle des Deutschen Bundestags inhaltlich zu erschließen. Verfügbar sind sie über den Server des Bundestags als PDF-Datei.

Doch um gezielt Themen zu finden, muss man genau wissen, welches Thema wann in welchem Protokoll angesprochen wurde. Stefan Wehrmeyer hat daher alle Projekte in einen leicht durchsuchbaren XML-Text umgewandelt, der mit Stichwörtern, sogenannten Tags, versehen werden kann. Ein Klick auf ein Stichwort soll künftig genügen, um alle einschlägigen Fundstellen zu finden. Dafür sucht er noch ein paar Mitstreiter, die die Protokolle verschlagworten.

C. SCHULZKI-HADDOUTI

http://opendata-network.org


iGreen  

 

-Das Projekt wird bis 2012 mit über 14 Mio. € gefördert und vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz geleitet.

-Die Daten sollen Landwirte direkt in der Landmaschinenkabine über GPS-gestützte Bordrechner oder internetfähige Mobiltelefone auf dem Feld abrufen können.

-Dazu gehören z. B. die neuesten Erkenntnisse beim Pflanzenanbau und eine entsprechende Beratung.

-Für Düngemaßnahmen kann der Landwirt auf staatliche Geodaten über die Bodenqualität seines Feldes zugreifen.

-Dabei werden alle Umweltschutzregeln berücksichtigt. csh

 

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