VDI nachrichten Logo
     

 

Mehr als "Spiegelreflex ohne Spiegel"  

Fotografie: Mit den Systemkameras Olympus Pen E-P und Panasonic Lumix GF1 tritt ein neuer Kameratyp an. Die Micro-Four-Thirds-Kameras wollen die Grenzen zwischen handlichen Kompakt- und Spiegelreflexkameras durchbrechen. Neben den zwei Pionieren scheint auch die Konkurrenz die Technik ohne Spiegel zu entdecken. VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 11. 09, rb

Klein wie eine Kompakte, aber universell und scharf wie eine große Spiegelreflex, so sieht für viele die ideale Kamera aus. Dieses Ideal verfolgen die neuen "Spiegelreflexkameras ohne Spiegel", die Pen E-P1 von Olympus und die Lumix GF1 von Panasonic. Die umfassend ausgestatteten Kameras mit Wechselobjektiven bieten über Automatikkomfort, Bildstabilisierung und manuelle Einstellungen bis hin zur Aufzeichnung im professionellen RAW-Format alles, was bei Spiegelreflexkameras zum guten Bild gehört. Ihr Multimedia-Talent dank HD-Video-Aufnahmefunktion haben sie manch größerer Kamera voraus.

Um diese Multitalente aber so klein und handlich wie möglich zu halten, mussten Olympus und Panasonic neue Wege gehen. Sie entwickelten den Four-Thirds- zum Micro-Four-Thirds-Standard (siehe Kasten) weiter. Der entscheidende Schritt, bei unveränderter Sensorgröße von 17,3 mm x 13 mm noch kleinere Kameras zu realisieren, war der Verzicht auf den voluminösen klassischen Sucher mit Spiegel samt Gehäuse, Mechanik, Prisma und Mattscheibe.

Er zeigt bei Spiegelreflexkameras das von wechselnden Objektiven kommende Bild immer exakt in Ausschnitt und Schärfe. Bei den neuen Systemkameras erfolgt die Bildkontrolle über den LCD-Monitor auf der Kamerarückseite. Auf seinem sogenannten Live-View-Bild können schon vor der Aufnahme nicht nur Bildausschnitt und Scharfeinstellung wie im Spiegelsucher beurteilt werden, sondern darüber hinaus Belichtung und Farbwiedergabe.

Möglich wurde dieser Schritt erst mit reaktionsschnelleren Bildsensoren, leistungsfähigeren Bildprozessoren und entsprechenden LCD-Monitoren. Es reicht nicht mehr, das vom Sensor kommende Bild nur zu speichern es muss permanent in Echtzeit ausgelesen, verarbeitet und als Live-View-Bild scharf und ohne Artefakte dargestellt werden. Leider lassen selbst die derzeit besten LCD-Monitore Motiv und Bildausschnitt nur noch erahnen, sobald von hinten die Sonne darauf scheint.

Daher übernehmen jetzt elektronische Sucher mit Okulareinblick die Rolle des klassischen Spiegelreflex-Suchers. Panasonic bietet zur Lumix GF1 den elektronischen Sucher LVF1 optional als Zubehör an. Vergleichbares wird es bei Olympus ab Januar 2010 mit der Pen E-P2 geben. Sie ist anders als die E-P1 mit einem elektrischen Sucheranschluss am Zubehörschuh der Kamera ausgestattet.

Das Warten wird belohnt. Der E-P2- Sucher bietet mit 1,4 Mio. Bildpunkten, der Schärfe und der Qualität seines Bildes echt "großes Kino". Der - vermutlich als erstes serienmäßiges Gerät - mit dem jüngst vorgestellten Epson-LCD-Panel bestückte Sucher setzt neue Maßstäbe.

In der Praxis erweisen sich die beiden nur rund 120 mm x 70 mm x 35 mm großen Kameras - Olympus Pen E-P1 und Panasonic Lumix GF1 - und ihre Objektive als handlich. Sie passen samt drei Zooms in eine kleine Tasche von der Größe eines halben Schuhkartons. So eine kleine Ausrüstung lässt sich leicht mitführen und hält den Micro-Four-Thirds-Fotografen noch mobil, wenn der Spiegelreflex-Fotograf schon unter der Last seiner Tasche stöhnt. Eine nur mit einem der lichtstarken, flachen "Pancake"-Objektive 2,8/17mm von Olympus oder 1,7/20mm von Panasonic bestückte Kamera verschwindet sogar dezent in Sakko- oder Manteltasche.

Ein weiterer Vorzug der Micro-Four-Thirds-Kameras ist weniger technischer, denn psychologischer Natur: Beim Fotografieren von Menschen und in sensiblen Situationen wirken die Kameras wohltuend unaufdringlich und provozieren weniger abweisende Reaktionen als große Spiegelreflexkameras.

Samsung will im Frühjahr mit der NX auf den Markt kommen, einer nicht ganz so kompakten Systemkamera ohne Spiegel mit elektronischem Sucher auf Basis des gängigen APS-Sensorformates. Zudem halten sich im Internet hartnäckig Gerüchte, dass Nikon und Sony den neuen Markt nicht kampflos Olympus und Panasonic überlassen wollen. Die angekündigte Leica X1 wäre gut mit Wechselobjektiv vorstellbar. Und Ricoh - immer für originelle Lösungen gut - weist mit der kommenden GRX einen ganz neuen Weg. Bei dieser Systemkamera sind die kompletten, aus Objektiv und Bildsensor bestehenden Module austauschbar und erlauben so eine individuellere Anpassung an die Ansprüche von Motiv und Fotograf. HORST GOTTFRIED

 


 

Die Micro-Four-Thirds-Technik: Kleiner und leichter  

 

-Der Four-Thirds-Standard definiert Konstruktions- und Technik-Richtlinien für Kamera- und Wechselobjektiv-Systeme entsprechend den Anforderungen digitaler Fotografie. Zentrales Element ist ein 13 mm x 17,3 mm großer Bildsensor mit 21,6 mm Diagonale. Dieser Wert entspricht der effektiven Bilddiagonale der einstigen 4/3-Zoll-Kamerabildröhren, wie sie zu Beginn der Bildaufzeichnung genutzt werden. Daher hat das System seinen Namen, nicht etwa, wie oft angenommen, vom Seitenverhältnis des Sensors.

-Auf dem Four-Thirds-Standard basierend entwickelten Olympus und Panasonic den Micro-Four-Thirds-Standard. Er unterscheidet sich durch den Wegfall des optischen Spiegelsuchersystems und erlaubt so ein rund 50 % kürzeres Auflagemaß (Abstand von Bajonettanschluss zum Bildsensor) sowie einen um 6 mm kleineren äußeren Bajonettdurchmesser.

-Das ermöglicht die Konstruktion kleinerer und leichterer Systemkameras und Objektive. Die Erweiterung der elektrischen Kontakte zwischen Kamera und Objektiv von 9 auf 11 unterstützt neue Zusatzfunktionen etwa bei Autofokus und Video.

-Dank des flachen Auflagemaßes von Micro-Four-Thirds-Systemen lassen sich über Adapter fast alle anderen Wechselobjektive mit manueller Fokussierung und Blendenvorwahl verwenden egal, von welchem Hersteller. HoGo

www.four-thirds.org

www.forum-fourthirds.de/

www.olympus.de

www.panasonic.de

 

Artikelbewertung

lesenswert 1 2 3 4 5 6 nicht lesenswert

Gerne können Sie der VDI nachrichten Redaktion auch Ihr Feedback zu diesem Artikel mitteilen. Ihre Meinung

Top Ten
 
Copyright © 2010 VDI Verlag GmbH | Impressum