VDI nachrichten Logo
   

 

Pelletbranche erhöht 2010 ihre Kapazitäten  

Biomasse: Bislang galten Holzpelletheizungen in Deutschland noch als eher exotische Variante. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn die Heizölpreise wieder ansteigen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 2. 10, swe

Deutschlandweit heizen etwa 100 000 private Haushalte inzwischen mit Pelletheizungen oder -öfen, weiß der Deutsche Energie-Pellet-Verband (DEPV) in Berlin. Hinzu kommen Industriefeuerungen. Zwar wurden 2008 nach Angaben des Bundesverbandes Erneuerbare Energien nur 9,5 % des deutschen Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt, davon ein Bruchteil durch Pellets. Doch der gesetzlich gebotene Einsatz erneuerbarer Energien bei Sanierung und Neubau von Gebäuden, die steigenden Anforderungen an Hausfeuerungsanlagen sowie erneut und längerfristig steigende Ölpreise könnten das bald ändern.

Über den möglichen Zuwachs für die Holzpelletbranche gehen die Meinungen auseinander. Das Bremer Marktforschungsunternemen Trendresearch prognostiziert für 2020 zwischen 310 000 und etwa 500 000 Pelletheizungen in Privathäusern. Mehr verhindern die Konkurrenz um den Rohstoff Holz durch andere Nutzungen und ein dadurch zu erwartender Preisanstieg.

Das ist Martin Bentele, dem Geschäftsführer des DEPV, zu pessimistisch. Rund 1 Mio. Pelletfeuerungen in Deutschland, davon neun Zehntel private, seien 2020 möglich. "Zellstoff-, Möbel- und Papierindustrie werden andere Holzqualitäten verwenden als wir", meint er.

Der Handel verzeichnet zumindest ein lebhaftes Nachfragewachstum. So bietet z. B. die Berliner Hans Engelke Energie OHG als einer von bundesweit etwa 300 Pellethändlern das Material seit 2001 neben Öl an. Während der Ölabsatz rückläufig sei, wachse die Pelletnachfrage jährlich um 30 %, heißt es aus dem Unternehmen. "Das ist das Geschäft der Zukunft", meint Geschäftsführer Frithjof Engelke. Die Pelletpreise schwanken derzeit um 225 €/t, wobei 2 kg Pellets etwa denselben Heizwert hätten wie 1 l Öl.

Im vergangenen Jahr war die Lage allerdings mau. Das Fachblatt "Pellets" spricht für 2009 von 2 Mio. t deutscher Produktion durch knapp 50 Werke und rund 60 Erzeuger, der Fachverband DEPV von rund 1,6 Mio. erzeugten Tonnen. Den Absatz gibt der DEPV mit 1,1 Mio. t an private Verbraucher an. Der Rest wanderte ins Ausland.

Weil die Sägewerke in der Wirtschaftskrise weniger arbeiteten, wurden 2009 weniger Späne, der wichtigste Rohstoff für Pellets, erzeugt, und Pelletwerke mussten auf anderes, teureres Material zurückgreifen, heißt es beim DEPV. Trotzdem entstehen in Deutschland 2010 laut "Pellets"-Magazin sieben neue Werke mit 585 000 t Kapazität.

Überschüsse der deutschen Pelletproduktion werden derzeit exportiert

Hersteller German Pellets, mit einem Marktanteil von 40 % führend in Deutschland, stockt seine deutschen Kapazitäten von 800 000 t jährlich um 100 000 t auf. Gemeinsam mit der RWE-Tochter RWE Innogy Cogen errichteten die Experten aus Wismar ein neues Werk in Erndtebrück im Siegerland. "Vor allem im Privatwald steht jede Menge Reserven, wodurch die Nachfrage gedeckt werden kann", meint German-Pellets-Pressesprecher Michael Walewski. Bauherrin ist die NRW Pellets GmbH mit Sitz in Erndtebrück, die zu 90 % RWE und zu 10 % German Pellets gehört.

Der Wismarer Hersteller vertreibt über möglichst erzeugungsnahe Händler und an die Industrie. Um die Abhängigkeit von Sägespänen zu verringern, verarbeitet das Unternehmen auch gezielt Stämme und Hackschnitzel.

In Norddeutschland experimentiert das Unternehmen zusammen mit dem Biomass-to-Liquid(BTL)-Spezialsten Choren mit Holz aus Kurzumtriebsplantagen. Das sind Pflanzungen schnell wachsender Hölzer wie Pappeln, die schon nach wenigen Jahren erntereif sind.

Einen anderen Weg geht die Öko-Pellets AG aus dem österreichischen Reichraming mit einem patentierten Verfahren. Damit erschließt das Unternehmen ausgeforstetes Jungholz aus Primärdurchforstungen für die Produktion hochwertiger Hausfeuerungspellets. Das verringert die Abhängigkeit von anderen Holzqualitäten durch Rückgriff auf vorhandenes, aber bisher meist nutzloses Material.

Die ausgeforsteten Stämme wandern unsortiert mit der Rinde in den Produktionskreislauf. Sie werden zerkleinert, mechanisch entrindet, getrocknet, zerfasert und zu Pellets gepresst. Die Rinde wird verbrannt und heizt die Trocknung, weshalb der Energiebedarf der Werke geringer sei als üblich, heißt es bei Öko-Pellets. Außerdem sei kein Bindemittel nötig, es falle bei Verbrennung oder Transport kein Feinstaub an und der Brennwert der Holzpellets soll gegenüber anderen Produktionsverfahren um 1 % bis 2 % höher sein.

ARIANE RÜDIGER

http://depi.de/download/broschueren/DEPI_Foerderfibel2010.pdf


Holzpellets – fordern und fördern in Deutschland  

 

- Verschärfte Richtwerte: Nach der 2010 novellierten Bundesimmissionsschutzverordnung dürfen neue Holzpelletöfen und -kessel je nach Technik nur noch Staub zwischen 0,02 g/m3 Luft und 0,06 g/m3 Luft emittieren (bisher: 0,175 g). Für Kohlenmonoxid (CO) sind es zwischen 0,4 g/m3 Luft und 0,8 g/m3 Luft. In Stufe 2 (Neuanlagen ab 2015) steigen die Ansprüche weiter.

- Norm Biobrennstoffe: Die EN14961–2 definiert Standards für Brennstoffe, darunter Holzpellets, und löst nationale Regeln ab. Sie definiert drei Pelletklassen, an Industriepellets (Klasse B) werden die geringsten Anforderungen gestellt.

- Marktanreizprogramm des Bundes: Für neue Pelletheizungen gibt es gestaffelt nach Neu- und Altbau, technischem Standard und Kapazität des Kessels Fördergelder. Sie schwanken zwischen 375 € bis 750 € Basisförderung für den Kessel, dazu 27 €/kW bis 72 €/kW, mindestens aber 1500 € bis 5000 € für die gesamte Heizanlage. Manche Bundesländer fördern zusätzlich. ar

Zulieferer steigt in Holzpelletmarkt ein  

- Auch immer mehr Zulieferer holzverarbeitender Firmen steigen inzwischen in den Pelletmarkt ein. Dieffenbacher etwa, spezialisiert auf Maschinen für Spanplattenwerke, verkauft nun international auch komplette Pelletanlagen. „Wir bauen auf ein ausgefeiltes Anlagenkonzept mit allen Komponenten plus Finanzierung, das dann auch ohne Schnittstellenprobleme läuft“, erklärt Günter Natus, Vertriebsleiter Biomasseanlagen.

 

- Schließlich habe man mit allen Schritten außer der Pressung schon viele Jahre Erfahrung. Eine eigene Presse, über die Natus noch nicht viel sagen will, steht vor der Fertigstellung, eine komplette Presse wird bereits aufgebaut. Dieffenbacher plant, in zwei bis drei Jahren ein gutes Viertel des Umsatzes mit Pelletanlagen zu erwirtschaften. ar

 

Artikelbewertung

lesenswert 1 2 3 4 5 6 nicht lesenswert

Gerne können Sie der VDI nachrichten Redaktion auch Ihr Feedback zu diesem Artikel mitteilen. Ihre Meinung

Top Ten
 
Copyright © 2010 VDI Verlag GmbH | Impressum