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Logistikbranche stemmt sich mit Automation und Energieeffizienz gegen die Wirtschaftskrise  

Intralogistik: Auch die Anbieter von Logistiksystemen rund um Materialfluss, Lagerhaltung, Förder- und Hebetechnik bleiben von der Nachfrageflaute nicht verschont. Für 2010 rechnen Branchenexperten mit einem weiteren Auftragsminus um 17 % auf 14,2 Mrd. €. Allerdings: In der zweiten Jahreshälfte 2009 zogen die Orders wieder leicht an. Die Messe "Logimat 2010" vom 2. bis zum 4. März in Stuttgart wird erste Aufschlüsse bringen, ob die Branche im Jahr 2010 die Talsohle erreicht und dann langsam wieder wächst. VDI nachrichten, Frankfurt, 26. 2. 10, kip

"Die weltweite Wirtschaftskrise hat voll auf die Intralogistik durchgeschlagen", so Christoph Hahn-WoernIe, Chef von Viastore Systems in Stuttgart und Sprecher des Forums Intralogistik im Frankfurter Verband Deutscher Maschinenbau (VDMA). Der Branchenexperte warnte vergangenen Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz des Forums in Frankfurt vor verfrühtem Optimismus, was die Überwindung der Wirtschaftskrise betrifft. Nach dem Umsatzrückgang 2009 um 21 % auf 17,1 Mrd. € prognostizierte er: "In absoluten Zahlen ausgedrückt wird die Intralogistik 2010 nach heutiger Einschätzung einen Umsatz von 14,2 Mrd. € erreichen."Das bedeute einen spürbaren Rückgang um weitere 17 %.

Allerdings gibt es auch einen schmalen Silberstreifen am Branchenhorizont: "Wir beobachten seit der zweiten Jahreshälfte 2009 den vorsichtigen Trend, dass der Auftragseingang gegenüber den Vormonaten wieder geringfügig ansteigt", ergänzte Hahn-Woernle. Doch geschehe dies auf einem sehr niedrigen Niveau - und zu sehr schwierigen Marktbedingungen.

Nicht nur konjunkturelle Probleme, sondern auch strukturelle Ursachen sieht der Viastore-Chef als Auslöser für diese Entwicklung: "Lager- und Transportkapazitäten sind in hohem Maße vorhanden. Es zeigt sich, dass dieser Markt einer Sättigung entgegenstrebt." Jetzt zähle die Verbesserung der Systeme durch Rationalisierung und Optimierung, also Automatisierung sowie ökologische und ökonomische Effizienz.

Diese Sichtweise unterstützte Wolfgang Albrecht, Geschäftsführer von PSI Logistics in Hamburg: "Die wesentlichen Megatrends, welche Einfluss auf die Intralogistik haben, sind Ressourceneffizienz, Globalisierung, Innovation." Sei es in der Vergangenheit das Hauptanliegen der Unternehmen gewesen, Logistikprozesse kosten- und zeitoptimal zu gestalten, zeige heute die Popularität des Begriffes "Green Logistics", dass es weitere Optimierungsdimensionen in der Intralogistik gibt.

Innovatives Energiemanagement wird deshalb eines der wichtigsten Themen auf der diesjährigen Logimat sein. Denn Energieeinsparung rechnet sich für Unternehmen gleich doppelt: Sie können dadurch Kosten senken, was angesichts der akuten Wirtschaftskrise absolut notwendig ist, und tun gleichzeitig etwas für den Umweltschutz.

Achim Aberle, Geschäftsführer von Aberle Automation, Leingarten, hat dies erkannt: "Die Wirtschaftlichkeit von Anlagen in der Intralogistik muss verbessert werden. Die Anlagenbetreiber wollen Kosten sparen und die Effizienz ihrer Anlagen und Prozesse steigern." Aberle hat daher in die Entwicklung eines Energiemanagementsystems investiert. Daraus resultierte das Modul PMS-E. Es soll aufzeigen, wie Prozesse mit dem Ziel der Energieeinsparung verbessert bzw. optimiert werden können.

Bei der Siemens-Division Industry Solutions hat man klare Vorstellungen davon, wo das größte Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz steckt. Klaus Knischewski, Leiter des Intralogistikge-schäfts, meinte dazu: "Ob Neubau, Modernisierung oder Erweiterung von Intralogistikanlagen - eine hohe Energieeffizienz erreicht man vor allem durch den Einsatz von geregelten Antrieben, automatischen Regalbediengeräten mit Energierückspeisung oder intelligenten Steuerungen." Dass solche Chancen derzeit verstärkt wahrgenommen werden, unterstrich Reinhard Bösl, im Vorstand der Sick AG, Waldkirch, verantwortlich für die Logistikautomation: "Wir stellen fest, dass die Nachfrage zur Ausrüstung von Großprojekten im Bereich Intralogistik seit Ende letzten Jahres insgesamt wieder zunimmt."

Optimierte Umschlaglogistik heißt aber auch: Steigerung der Entladekontinuität, Reduzierung der Lastspiele und Reduzierung von Spitzenlasten. Verbesserungspotenzial bietet einerseits die Standardisierung der Prozesse, andererseits eine durchgängig automatisierte Prozesskette. "Die Produkte, die unser Haus verlassen, richten sich nach den neuesten verfügbaren Standards", erklärte Carsten Rasch, bei ThyssenKrupp Krause in Bremen verantwortlich für den Bereich Robotic Logistics. Daher sei es selbstverständlich, dass der "Paketroboter" des Unternehmens überwiegend energieeffiziente Technologien nutze. An erster Stelle stehe der Einsatz von rückspeisender Antriebstechnologie. Und die Greifsysteme mit hochpräzisen vakuumerzeugenden Elementen würden exakt für den Bedarfsfall ausgelegt sowie - wo es technisch möglich ist - durch pneumatikfreie Systeme ersetzt.

In der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage ist die Modernisierung allerdings ganz wesentlich auch eine Frage des Finanzierens. Dazu äußerte Christian Baerwolff, Marketingleiter bei Still, Hamburg: "Viele Unternehmen modernisieren ihre Intralogistikprozesse, um sich für den Aufschwung vorzubereiten. Um Investitionen überschaubar zu halten und auf der anderen Seite gleichzeitig Einsparungen mitzunehmen, gibt es mehrere Ansätze der Finanzierung: Kurzfrist- bzw. Langfristmiete, Leasing und Mietkauf." Immer mehr Kunden entscheiden sich laut Baerwolff für Miete und Leasing in Verbindung mit einem Full-Service.

Einen anderen Aspekt der Modernisierung griff Ralf Pfisterer, Product Marketing Manager beim Sensorenhersteller Balluff, auf: "Um Lean Production zu gewährleisten, wird es in Zukunft noch wichtiger werden, die Transparenz im innerbetrieblichen Materialfluss zu verbessern." Denn nur so Weise sei es möglich, die Verfügbarkeit und die Durchlaufzeit zu optimieren, gleichzeitig kundengerecht zu fertigen, Umlaufbestände zu reduzieren und Prozesse zu stabilisieren. U. SCHAMARI/D. KIPPELS

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