Logistik: Jährlich mehr als 8 Mrd. € verlieren europäische Unternehmen nach Angaben der EU allein durch den Diebstahl hochwertiger oder risikoreicher Produkte und Güter auf dem Transportweg. Mit leistungsfähigen Informationsnetzwerken setzen sich die Sicherheitsexperten der Logistikdienstleister erfolgreich zur Wehr. VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 2. 10, Si
Die organisierte Kriminalität hat zunehmend die Logistikbranche im Blick. Sattelauflieger werden aufgebrochen, Zugmaschinen entführt und sogar komplette Lastzüge gestohlen. Laut einer aktuellen Studie des EU-Parlaments beträgt der durch Frachtdiebstahl verursachte Schaden in Europa rund 8,2 Mrd. €. Dies beinhaltet die gesamten wirtschaftlichen Einbußen, einschließlich der Warenkosten und Wiederversandkosten.
"In diesem Jahr werden die Verluste nochmals deutlich steigen", warnt allerdings Thorsten Neumann, Chairman der Transported Asset Protection Association (TAPA), Amstelveen/Niederlande, angesichts der globalen Rezession. Speziell für den Logistikbereich sind daher in jüngster Zeit zahlreiche neue Sicherheitslösungen für mobile Objekte entstanden.
"Wertvolle Produkte erfordern ein durchgängiges Sicherheitskonzept in der Logistik", stellt Lorenz Sönnichsen, verantwortlich für Sicherheit und Schadenverhütung bei Kühne+Nagel, Hamburg, fest. Sein Unternehmen lässt wertvolle Fracht europaweit von der Bosch Sicherheitstechnik, Frankfurt am Main, überwachen. Dazu wurde in die Fahrzeuge ein Alarmsystem installiert, das über GSM (Global System for Mobile Communications) auf die Leitstellen des Bosch Communication Center aufgeschaltet ist. Wird ein Taster länger als 3 s gedrückt, wird ein Notruf ausgelöst und sofort erfolgt eine Ortung des Fahrzeugs über die Global-Positioning-System-Daten des Alarmsystems. Darüber hinaus könnten die Mitarbeiter der Leitstelle ins Fahrzeuginnere hineinhören, nennt Sönnichsen als zusätzliches "Plus an Sicherheit" für Fahrer, Ladung und Fahrzeug.
Entsprechende Sicherheitskonzepte hat auch der international agierende schwedische Securitas-Konzern entwickelt. Laut Martin Wiesinger, Geschäftsführer von Securitas Österreich, Wien, kann damit die zu schützende Ware vom Zeitpunkt der Verladung an jederzeit einem bestimmten Ort zugeordnet werden. Verschiedene Transportstadien, Übergaben und finale Zustellungen werden genauestens überwacht. Bei nicht genehmigten Abweichungen kann in Zusammenarbeit mit der Polizei sofort von den regional nächstgelegenen Securitas-Stellen eingegriffen werden. Zur Sicherheit von Fahrer und Fracht werden Begleitschutz und Parkplatzüberwachung, laufende Signalüberwachung (GSM/GPRS-Box), Fahrersicherheitslösungen mit Panikschaltern und E-Call angeboten.
Wird der Lkw dennoch gestohlen, ist das Auffinden des Fahrzeuges nach Angaben des Securitas-Geschäftsführers meist relativ einfach. Gemeinsam mit der Polizei könne sofort reagiert werden.
Wiesinger: "Beispielsweise wurde vor Kurzem ein gestohlener belgischer Lkw in Leonding bei Linz von unserem Alarmcenter lokalisiert. Durch exakte Positionsangaben konnten die Richtung Osten fahrenden Lkw-Diebe wenig später in Rannersdorf bei Schwechat von der Polizei gestellt werden. Die hochwertige Fracht wurde zur Gänze gesichert und ohne größeren Zeitverzug an den Kunden übergeben."
Für das spanische Logistikunternehmen Logesta/Altadis, Madrid, überwacht Securitas z. B. derzeit mehr als 400 Lkw, die jeweils Zigaretten im Wert von durchschnittlich 1,5 Mio. € in Europa transportieren. Zur Sicherheitsausrüstung gehören GSM/GPRS-Box, Antenne, Panik- und Audio-Call-Schalter, Mikrofone, Detektoren und Sirenen.
Allerdings haben diese mobilen Erfassungssysteme nach Ansicht von Kai Brüggemann noch Entwicklungsbedarf. Laut dem Abteilungsleiter Transport Risk Engineering der HDI Gerling Industrieversicherung, Hannover, kranken viele GPS-basierten Ortungssysteme daran, "dass sie zwar wichtige Daten erfassen, es aber an der geeigneten Interpretation mangelt". Die reine Beschreibung des Sendungsverlaufs reiche nicht, es müsse immer auch einen Abgleich mit den Soll-Daten, also dem gewünschten Transportverlauf, geben. Brüggemann: "Es kann nicht angehen, dass durch mangelhaften Datenabgleich auch dann Alarm ausgelöst wird, wenn der Lkw etwas länger bei der Zollabfertigung warten muss." R. MÜLLER-WONDORF