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Start-up-Portrait: Mobota erlaubt Outdooraktivisten einen direkten Leistungsvergleich - unabhängig von der jeweiligen Trainingszeit

Echte Sportler im virtuellen Wettkampf  

VDI nachrichten, St. Augustin/München, 27. 6. 08, sta - Höher, schneller, weiter: Auch Freizeitsportler haben den Ehrgeiz, sich mit anderen zu messen. Doch die Trainingspartner haben nicht immer Zeit. Eine Ausgründung des Fraunhofer Instituts für angewandte Informationstechnik (FIT) bietet eine Lösung. Sie stellt Joggern, Radlern & Co virtuelle Wettkämpfer an die Seite. Deren Leistungen basieren auf den Daten echter Sportsfreunde. Benötigt werden nur ein GPS-fähiges Handy und eine kostenlose Software.

Seit Mai haben die Technikfreaks unter den Sportlern ein neues Spielzeug: Mobota, den mobilen Outdoor-Trainings-Assistenten. Entwickelt haben ihn Wido Wirsam und Jochen Hahnen vom Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) in St. Augustin.

Mobota kommt ohne teure Spezialgeräte aus. Die inzwischen weit verbreiteten GPS-fähigen Handys oder PDAs reichen aus. Wer durchstarten will, muss sich lediglich im Mobota-Portal registrieren und ein Softwareprogramm auf sein mobiles Endgerät laden. Das Programm wird ab Juli freigegeben. Es zeichnet über GPS die Bewegungen des Sportlers auf und überträgt sie ins Portal. Dort stehen sie optisch aufbereitet der Community zur Verfügung. Die Diagramme zeigen das Höhenprofil der Route und die Geschwindigkeitskurve des Sportlers. Jeder kann sich so mit jedem messen.

Auch das Publikum bei großen Sportveranstaltungen soll mit Mobota auf seine Kosten kommen. Jochen Hahnen ist früher mal Marathon gelaufen und weiß, dass die Zuschauer meist zwei Stunden auf ihren Sportler warten und ihn dann auch noch verpassen. Leute, die eine bestimmte Person anfeuern wollen, könnten sie mit Mobota nun genau orten: Sie erscheint auf ihrem Display wie ein rotes Pünktchen, das die Strecke entlang kriecht.

Der Sportler kann seine aktuellen Ergebnisse mit den früher gespeicherten vergleichen. Profis wollen allerdings ihre Trainingsdaten geheim halten, sagt Wirsam, damit die Konkurrenz nicht dahinter kommt. Ihnen biete das Portal interne Sicherungsmechanismen. Die Amateure würden sich eher der Web 2.0.-Komponente bedienen: Man schließt sich einer bestehenden Gruppe an oder gründet eine eigene und lädt Freunde dazu ein. Je mehr, desto besser. Denn das erhöht die Chance, neue interessante Routen zu finden. Außerdem ließen sich schnell Kontakte knüpfen zu Sportsfreunden, die zu einem passen: Ungefähr gleich alt, gleich fit und gleich erfahren. Kurzum "einen Gegner, bei dem ich weiß, dass ich ihn wirklich schlagen kann, der also für mich eine Herausforderung ist", sagt Jochen Hahnen.

Doch man muss sich nicht erst miteinander verabreden, um gemeinsam loszulaufen oder loszufahren. Mit Mobota treten die Wettstreiter an, wann sie wollen. Ihre Leistungen messen sie virtuell: Das System zeigt den Vorsprung oder Rückstand in Metern und Sekunden an. Wenn auch der Wettkampf virtuell sei, so handele es sich doch um echte Menschen auf echten Strecken, betonen die Informatiker.

Bald gehen die Informatiker an der Seite von Ex-Radprofi Raphael Schweda mit ihrer Mobota GmbH offiziell an den Start. Die Fraunhofer Venture Gruppe unterstützt die FIT-Ausgründung bis zur Marktreife und auch später bei betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen. Schon in der ersten Woche nach dem Schalten der Testversion gab es über 150 Anmeldungen - und das ohne gezielte Werbung. Bisher tummeln sich vor allem Radfahrer und Läufer auf Mobota.net, aber das System ist praktisch für jede Sportart geeignet, die auf Strecken im Freien ausgeübt wird: Nordic Walking, Wandern, Skifahren und -langlauf, Inline Skating, Segeln, Paddeln oder Rudern.

Die Mobota-Basisversion ist umsonst: Sowohl die Mitgliedschaft als auch die Software. Sie wird durch Werbung finanziert. Ab 2009 werden verschiedene kostenpflichtige Premium-Dienste aufgebaut. Geplant sind etwa detaillierte Auswertungen und Vergleiche mit anderen Sportlern oder die Unterstützung eines Coaches. "Je länger das Portal auf dem Markt ist, desto tragender wird dieses Standbein", ist Hahnen überzeugt. Auch im B2B-Bereich sehen die Gründer Wirsam, Hahnen und Schweda große Potenziale. Sportverbände und -veranstalter, Hersteller von Sportgeräten sowie bestehende Portale für Tourismus und Freiluft-Sport könnten Mobota in ihr Angebot aufnehmen. Der Sächsische Radsportbund überlege z.B., die Benutzerverwaltung über das Mobota-System abzuwickeln, so Hahnen.

Mit ihrem Vermarktungskonzept haben die Gründer bereits die Jury des NUK-Wettbewerbs überzeugt, die ihnen einen der drei Hauptpreise beschied. Zur Zeit verhandeln die drei mit Venture-Capital-Investoren. Rund 1 Mio. € haben sie für die Startphase veranschlagt. Dazu kommen ihre eigenen Ersparnisse für den GmbH-Grundstock. Auch einen Business Angel, der um die 100 000 € beisteuert, würden sie gern willkommen heißen.

In den nächsten Monaten steht der Umzug aus dem Fraunhofer Institut in Büroräume in Köln oder Leipzig an. In diesem Jahr wollen die Mobota-Gründer zwei bis drei Mitarbeiter für die Technik und später noch einmal so viele für das Marketing einstellen. Bis zu 50 sollen es im Jahr 2012 werden. Der Break-even ist schon zwei Jahre früher geplant. Noch gibt es Mobota nur für Strecken innerhalb Deutschlands, möglichst bald aber europaweit.

"Wir bleiben mit FIT in Verbindung und wollen weiterhin von der Forschung profitieren", sagt Wirsam. Es gebe vielversprechende Arbeiten im Bereich der Virtuellen Realität. Möglich wäre z.B. Einblendungen in der Sonnenbrille oder auf einem Display vor dem Schutzhelm. Diese könnten in Echtzeit zeigen, wie weit der virtuelle Gegner ist. Nur dürfe die Technik nicht zu sehr von der echten Straße ablenken. M. JORDANOVA-DUDA

www.mobota.net

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