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Start-up: Gründer profitieren von fachlicher und finanzieller Unterstützung gestandener Unternehmer

Etablierte Firmen geben Starthilfe  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 7. 08, sta - Konzerne wie Siemens, BASF oder die Deutsche Telekom haben eigene Venture Capital-Abteilungen, die sich mit Kapital und Know-how an Start-ups beteiligen. Auch Bosch hat jüngst einen 200 Mio. €-Fonds zu diesem Zweck aufgelegt. Im Stillen beteiligt sich aber auch so mancher Mittelständler an jungen Unternehmen.

Der Gedanke leuchtet ein: Etablierte Unternehmen nehmen Technologiegründer unter ihre Fittiche, statten sie mit Startkapital aus, binden sie möglicherweise sogar an ihr Vertriebsnetz an, helfen mit Expertise und Infrastruktur - und behalten dabei ein Ohr an technologischen Neuerungen, die interessant für sie werden könnten. Ganz nebenbei zahlt sich die Beteiligung aus, wenn sich Markterfolg einstellt.

Diverse Konzerne haben derartige Starthilfe institutionalisiert und beteiligen sich mit Corporate Venture Capital (CVC) an Start-ups. Das Spektrum erstreckt sich über fast alle Branchen und reicht von Medien und Telekommunikation über Chemie und Pharma bis hin zu Maschinen- und Anlagenbauern. Bekannte Beispiele sind etwa die Verlage Holtzbrinck, Springer und Burda, die Deutsche Telekom und BASF, Henkel und Novartis. Auch die Schott AG, die Freudenberg Gruppe und die Robert Bosch GmbH strecken ihre Fühler nach interessanten Start-ups aus.

Bosch hat laut Firmensprecher Andreas Kempf im Herbst 2007 einen 200 Mio. € Risikokapitalfonds aufgelegt, um sich an jungen Unternehmen zu beteiligen. "Wir wollen risikobehaftete Technologiegründungen unterstützen, deren Entwicklungen nicht direkt in unsere Geschäftsfelder fallen, aber interessant werden könnten", so Kempf. Allerdings werbe Bosch Corporate Venture Capital vorerst nicht aktiv um Start-ups, sondern sondiere den Markt und gehe von selbst auf Gründer und Jungunternehmer zu.

Das hat Bosch auch in der Vergangenheit schon getan. So hat der weltgrößte Autozulieferer bereits mehr als die Hälfte des Solar-Unternehmens Ersol gekauft. Frühestens 2009 sollen die Thüringer sogar ganz übernommen werden.

Bosch hat sich außerdem im Juni 2007 gemeinsam mit der CVC-Abteilung von BASF am Dresdener Solar-Start-up Heliatek beteiligt. Die im Jahr zuvor gegründete Firma entwickelt organische Dünnschichtsolarzellen und bekam dafür von beiden Investoren je 1,6 Mio. € Starthilfe. Auch Wellington Partners und der Hightech-Gründerfonds waren in der Finanzierungsrunde dabei. Bosch und BASF bringen jedoch neben Geld auch ihr Know-how ein. BASF will seine Erfahrung in Design, Synthese und Produktion der komplexen organischen Verbindungen beisteuern. Und Bosch wird gerade in produktionstechnischer Hinsicht helfen, schnell eine industrielle Fertigung auf die Beine zu stellen. Strategisches Ziel: Nach Windradgetrieben und solarthermischen Anlagen ein drittes Standbein im Bereich der prosperierenden Erneuerbaren Energien.

Bosch ist praktisch doppelt an Heliatek beteiligt: Zum einen direkt, zum anderen als einer von sechs privaten Investoren des Hightech-Gründerfonds. Auch als Gründungsmitglied der "Wissensfabrik Deutschland" engagiert sich das Unternehmen für Existenzgründer und Jungunternehmer.

"Wir vermitteln Gründern kostenlos Mentoren", sagt Dr. Mario Kröninger von der Wissensfabrik. In der Regel handele es sich um aktive oder ehemalige Manager aus einem der 63 Mitgliedsunternehmen. Sie seien bestens vernetzt und könnten den Gründern so wertvolle Kontakte vermitteln. "Wir sind aber keine Auftragsbörse und schließen auch aus, dass über unser Mentorenprogramm Beteiligungen zustande kommen", stellt er klar. Doch natürlich stünden die Mentoren den Gründern bei Finanzierungsfragen mit Rat und Tat zur Seite. Ziel sei es ja gerade, Gründer an der praktischen Erfahrung der Manager teilhaben zu lassen und ihnen so Starthilfe zu geben.

Fünf der neun Gründer der Wissensfabrik haben ihre Wurzeln im Maschinen- und Anlagenbau. Und viele weitere Mitgliedsunternehmen kommen aus dieser mittelständisch geprägten Erfolgsbranche. Prof. Heinz Klandt, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship an der European Business School Östrich-Winkel, ist sicher, dass so mancher erfolgreiche Mittelständer nicht bei ideeller Gründerförderung á la Wissensfabrik stehen bleibt, sondern sich auch finanziell an Start-ups beteiligt. Immer wieder mal höre er von solchen Kooperationen. "Wir bekommen aber nur die Spitze des Eisbergs mit, weil gerade die familiengeführten Mittelständer solche Aktivitäten nicht an die große Glocke hängen", sagt er. Sie hätten aber den Apparat und auch die finanziellen Mittel, um Start-ups und ihre Technologien zu fördern.

Michaela Müller, die im Netzwerk Nordbayern als Projektleiterin für Finanzierung tätig ist, hat sich in einem Forschungsprojekt mit derartigen Aktivitäten etablierter Mittelständler befasst (siehe auch Kasten unten). Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass die Starthilfe oft unter dem Mantel der Verschwiegenheit stattfindet. Anders als Klandt, geht sie aber davon aus, dass strategische Investments in Start-ups im Mittelstand noch nicht weit verbreitet sind. "Grundsätzlich ist es so, dass Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern offener dafür sind." Für diese sei es leichter, die benötigten personellen und technischen Ressourcen freizustellen.

Ein Beispiel für erfolgreiche Starthilfe liefert die Lenze Gruppe. Der Antriebs- und Automationsspezialist hat im Zuge einer Forschungskooperation mit der Uni Bremen die Gründung der Encoway GmbH forciert und den Gründern auch das dafür nötige Startkapital bereitgestellt. Ihre Software zur Produktauswahl und -konfiguration aus großen Sortimenten hilft seither nicht nur Lenze selbst weiter, sondern ist mittlerweile bei diversen namhaften Unternehmen im Einsatz.

Laut VDMA-Pressesprecherin Marlies Schäfer gibt es in der Branche mehrere Erfolgsgeschichten wie diese. Unter anderem sei der bayrische Business Angel Horst Linn, der mit seiner Linn High Therm GmbH im Verband organisiert ist, mit diversen Maschinenbauern aus der Region eng vernetzt, um Start-ups zu fördern. Schon zehn Gründerteams hat er unter seine Fittiche genommen. Das Geld dafür sammelt er laut Schäfer unter anderem bei Freunden und Kollegen aus den Chefetagen bayrischer Maschinen- und Anlagenbauer ein. P. TRECHOW/sta


Auch Mittelstand entdeckt strategische Beteiligungen  
Große, weltweit agierende Konzerne investieren bereits seit langer Zeit mit CVC-Töchtern (Corporate Venture Capital) zielgerichtet in junge, wachstumsorientierte Unternehmen und damit in extern entwickelte Innovationen. Die Vorteile solcher Beteiligungen liegen auf der Hand: Die Konzerne halten technologisch den Anschluss und sichern sich damit ihre Marktanteile oder können diese sogar ausbauen. Vom deutschen Mittelstand wird diese Chance jedoch bisher nur selten genutzt. Eine aktuelle Befragung des Netzwerk-Nordbayern unter mittelständischen Unternehmen in Bayern zeigt jetzt, dass auch beim Mittelstand durchaus Interesse für das Thema vorhanden ist.

So messen 49 % der befragten Führungskräfte strategischen Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen eine hohe Bedeutung bei. Und auch die Zufriedenheit der Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit eine Beteiligung eingegangen sind, ist sehr hoch. Bei der Befragung gaben Dreiviertel der Unternehmen an, dass sie ihre Zielsetzung erreicht oder sogar übertroffen haben.

„Das hohe Interesse des Mittelstands an strategischen Beteiligungen hat uns überrascht“, kommentiert Arne-G. Hostrup, Geschäftsführer des Netzwerk-Nordbayern, die Ergebnisse der Studie. „Dass Interesse da ist, heißt aber natürlich nicht unbedingt, dass diese Unternehmen auch tatsächlich ein Investment eingehen.“ Die Studie hat deswegen auch die Motive erfragt, warum ein Unternehmen – trotz Interesse – keine strategische Beteiligung eingeht. So sehen viele Unternehmen, die noch nie in ein Start-up investiert haben, ein Problem darin, den richtigen Partner zu finden. Viele haben auch Bedenken gegenüber einer Beteiligung aus Gründen der Vertraulichkeit. „Interessant ist hierbei, dass die Firmen, die sich bereits an einem Start-up beteiligt haben, gerade in der Vertraulichkeit kein nennenswertes Problem sehen“, so Hostrup weiter.

Zwei Drittel der befragten Mittelständler befürworten eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung, also eine Beteiligung als Mehr- oder Minderheitsgesellschafter oder gleich den Kauf. Knapp ein Drittel möchte sich nicht so eng aneinander binden und lediglich eine Entwicklungspartnerschaft eingehen. Betrachtet man nur die Unternehmen, die bereits eine strategische Beteiligung eingegangen sind, bevorzugen diese ganz klar die gesellschaftsrechtliche Beteiligung und hier die Mehrheitsbeteiligung oder den Kauf gegenüber einer losen Entwicklungspartnerschaft. sta

@ www.netzwerk-nordbayern.de

 


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