Cebit 2010: Trotz Krise haben IT-Spezialisten weiterhin gute Berufsaussichten. Denn tendenziell steigen sowohl die Anzahl der Computerfachleute als auch deren Einkommen, beides zuletzt nahezu im Einklang. Das belegt auch die neue Gehaltsanalyse der IG Metall. Im Schnitt erhielten die Beschäftigten in der ITK-Industrie demnach 2,3 % mehr Geld als 2008. VDI nachrichten, Ellwangen, 5. 3. 10, cha
"Selbst in der aktuell allgemein schwierigen Arbeitsmarktsituation sind die Perspektiven für IT-Fachkräfte vergleichsweise gut", verkündete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Vortag der Eröffnung der Computermesse CeBIT in Hannover. Die Messe endet am 6. März. Nach weiteren Informationen der Arbeitsagentur ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen beschäftigten Computerspezialisten 2009 gegenüber dem Vorjahr um 2,4 % auf rund 530 000 gestiegen. Angesichts der tendenziellen Beschäftigungsentwicklung im IT-Bereich geht die BA perspektivisch weiterhin von guten Beschäftigungsaussichten aus.
Was das in der Praxis bedeuten kann, zeigen einige Zahlen vom Verein Deutscher Ingenieure, VDI, die ebenfalls im Vorfeld der CeBIT veröffentlicht wurden: Vom Jahr 2000 an mit etwa 145 000 Informatikern ist deren Anzahl kontinuierlich bis auf über 181 000 im Jahr 2009 angestiegen. Allein 2009 gab es rund 4700 Informatiker mehr in Deutschland als 2008. "Zwar ging die Zahl der offenen Stellen im Krisenjahr um rund 14 % zurück, dennoch haben wir einen Informatikermangel", so Dieter Westerkamp, stellvertretender Leiter Technik und Wissenschaft im VDI. Derzeit gebe es rund 15 000 offene Stellen für diese Berufsgruppe.
Positives verkündete auch die IG-Metall: Die Einkommen in der Informationstechnologie (IT) sind 2009 gegenüber dem Vorjahr mit durchschnittlich 2,3 % prozentual fast ebenso gestiegen wie die Beschäftigtenzahl auch. "Den Zuwachs haben die Beschäftigten den tariflich entlohnten Mitarbeitern zu verdanken", sagt Hans-Joachim Weis, zuständig für die IT-Branche bei der IG Metall in Frankfurt am Main. Die Gewerkschaft hat für ihre Studie "Entgelt in der ITK-Branche 2010" im Oktober 2009 in über 100 Betrieben mehr als 25 000 Einkommensdaten von Beschäftigten erhoben.
Die Befragung wurde sowohl in tarifgebundenen als auch in nicht-tarifgebundenen Unternehmen durchgeführt. Daher weiß der Gewerkschaftsmann: "In nicht-tarifgebundenen Unternehmen fielen die Gehälter um etwa 2 %, in den tarifgebundenen stiegen sie um fast 5 %."
Weis schätzt, dass in etwa die Hälfte der Beschäftigten der IT-Industrie in tarifgebundenen Unternehmen arbeitet. Diese unterschiedliche Gehaltsentwicklung ist für die Gewerkschaft zwar die wichtigste Erkenntnis, aber die bereits zum zwölften Mal durchgeführte Untersuchung ist allgemein interessant, weil erneut IT-typische Tätigkeiten 16 Jobfamilien zugeordnet wurden.
Eine davon ist die Hardware-Entwicklung. Diese Jobfamilie hat den stärksten Anstieg mit über 6 % zu verzeichnen. Der erneute Gehaltsanstieg überrascht vor allem deshalb, weil seit Jahren ein Personalabbau im Bereich der Hardware stattfindet und die Produktion zunehmend ins Ausland wandert. Eine mögliche Erklärung für die Gehaltsentwicklung könnte laut Weis sein, dass die Einsteiger aus der Gruppe herausfallen, weil keine mehr gebraucht werden. Das Management aber bleibt, sie sorgen beispielsweise für die Produktion im Ausland - und werden dafür besser entlohnt.
An zweiter Stelle im Ranking der höchsten Zuwächse liegt das Marketing, das sich nach einem starken Einbruch im letzen Jahr erholt hat, die Gehälter stiegen über die gesamte Jobfamilie hinweg - vom Einsteiger über den Senior bis hin zum Leiter - um durchschnittlich 6 %. Die Erklärung von Weis in diesem Fall: "Es ist durchaus möglich, dass in der Krise die Marketing-Maßnahmen verstärkt wurden, um die Produkte an den Mann zu bringen. Dafür wurden Marketing-Spezialisten gebraucht, was die Gehälter steigen ließ." Die höchsten Einstiegsgehälter gibt es mit fast 48 000 € im Projektmanagement, mit fast 100 000 € führen Vertriebsleiter das Ranking in den Managementpositionen an.
Zwei weitere Jobfamilien sind gerade deshalb interessant, weil hier ein Zuwachs an Beschäftigung stattfindet, während in den Bereichen Hardware und Telekommunikation seit Jahren Personal abgebaut wird. Software und Service sind die Segmente in der IT-Branche, die tendenziell wachsen. Das Einstiegsgehalt im Software-Engineering liegt bei rund 40 000 € und steigt bis zum Leiter auf gut 92 000 € an.
Über die gesamte Jobfamilie stiegen die Einkommen in der Softwareentwicklung um knapp 2 %. Der Experte für die IT-Branche geht davon aus, dass der Fachkräftemangel in der IT-Industrie in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen wird und rechnet deshalb auch für 2010 mit einem leichten Anstieg der Gehälter.
Große Sprünge wird es nach Erkenntnissen des IT-Branchenverbandes Bitkom im laufenden Jahr nicht geben. Er geht von einem Umsatz mit Informationstechnik in Deutschland von 64,4 Mrd. € aus. Das wären 1,4 % mehr als 2009.
PETER ILG