VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 9. 07, pek - Der Umzug in die fremde Stadt steht an. Wie die richtige Gegend finden? Wie mehr über die passende Infrastruktur herausfinden? Mit speziellen Karten im Internet kann jeder das nun per Mausklick herausfinden.
Im Internet bieten die Suchriesen Google, Yahoo und Microsoft Landkarten an, die Nutzer mit beliebigen Zusatzinformationen versehen können. Nun können sie auch in Deutschland Immobilien über GoogleMaps finden. Wer beruflich oft umziehen muss, kann sich bequem im Netz informieren - Firmen können gewerbliche Objekte auf einen Blick auf die passende Infrastruktur untersuchen.
Wohnungskarte.de etwa zeigt bundesweit rund 15 000 Wohnungen - vom WG-Zimmer bis zu Wohnungen mit mehr als fünf Zimmern. Auf der Karte sieht der Wohnungssuchende auf einen Blick, wie weit eine in Frage kommende Wohnung vom Arbeitsplatz entfernt ist. Das Satellitenbild bietet weitere Informationen: Wie groß ist der Garten? Stehen Bäume vor dem Haus? Gibt es genügend Parkplätze? Mit einem Klick auf das Objekt lassen sich weitere Informationen abrufen: Preis, Konditionen und mitunter sogar die Ansichten einzelner Zimmer.
Dienste wie UndWo.de aus Berlin und MapIts.de aus München verwenden die 1,2 Mio. Datensätze des Internet-Immobilienmaklers Immobilienscout24. Alle erhalten die Daten kostenlos, verdienen nichts an der Vermittlung, sondern setzen auf Werbeeinnahmen über die eingeblendeten GoogleAds-Anzeigen. Bei 50 000 Abrufen am Tag ist aber Schluss - Google setzt hier eine klare Schranke. Für Immobilienscout24 mit seinen 1,2 Mio. Datensätzen ist GoogleMaps keine Option - außer Google gewährt interessante Nutzungsoptionen.
Während UndWo.de rund 500 000 Inserate aus dem Datenbestand auf den Karten präsentiert, reichert MapIts.de die Inserate noch mit rund 7000 Angeboten der Münchner Wohnungs-Infobörse GmbH an. Natalia Kossev, Geschäftsführerin von UndWo.de plant, das Angebot mit weiteren Daten über Schulen, Krankenhäusern oder Apotheken anzureichern. Der Wohnungssuchende kann aber auch bereits selbst über die Infrastruktur vor Ort informieren: GoogleEarth zeigt solche Informationen bereits an. Aber auch zahlreiche Spezialkarten, die bieten teilweise ungewöhnliche Zusatzinfos. So gibt es auf Basis von GoogleMaps etwa für Berlin inzwischen nicht nur eine interaktive Metrokarte, sondern auch eine Übersicht über öffentliche Tischtennisplatten.
An eine kostenbewusste Klientel wendet sich der Immobilienkompass der Zeitschrift "Capital". Er lässt auf einen Blick erkennen, ob der Preis für eine Wohnung oder ein Haus vergleichsweise günstig oder überteuert ist. Für 36 deutsche Städte stellt er Informationen zu Kauf- und Mietpreisen bereit. Dafür überlagert er die Satellitenansicht je nach Wohnlage - top, gut, mittel, einfach - mit vier verschiedenen Farben. Anwender können die Karten mit Texten und Bildern um eigene Inhalte ergänzen. Die Daten decken sich weitgehend mit den regelmäßig aktualisierten Mietspiegeln der Städte, die oftmals kostenlos verfügbar sind. Der Axel-Springer-Verlag hat in den Webdienst Immonet investiert, der ausnahmsweise nicht auf GoogleMaps, sondern auf Microsofts Virtual Earth aufsetzt. Hier sind einige Städte bereits dreidimensional zu bewundern.
Noch genauere Auskünfte über Wohngebiete sind in Deutschland noch Zukunftsmusik. In den USA zeigt eine der bekanntesten interaktiven Landkarten-Anwendungen, Chicagocrime.org, wo genau und wann welche Verbrechen in der Nachbarschaft stattfanden. Ebenfalls in den USA stellt ein Dienst die Erhebungsdaten der US-amerikanischen Volkszählung auf Landkarten dar. So lassen sich straßengenau die Einkommensunterschiede der Haushalte in jeder amerikanischen Stadt erkennen. Damit lässt sich auch erkennen, ob das Einkommensgefälle in einer Stadt etwas mit der Kriminalitätslage zu tun hat. In Deutschland sind solche Spezialkarten allerdings aus Datenschutzgründen noch nicht machbar.
"Das Netz wird lebensnäher, weil es konkrete Lebensbezüge herstellt", sagt Willi Schroll. Er hat sich für das Trendforschungsunternehmen Z-Punkt in einer Studie mit den neuen Web-Diensten wie Mashups befasst. Der Begriff ist der Popkultur entnommen: Ein Mashup ist hier ein Song, der aus den Vokal- und Instrumentaltonspuren unterschiedlichen Ursprungs entstanden ist. Das Prinzip fürs Internet: Aus verschiedenen Anwendungen werden Daten entnommen, selbst ausgewertet und als neuer, eigener Dienst auf einer Webseite präsentiert. Dafür werden verschiedene Techniken wie Javascript oder RSS genutzt.
Mashups basieren auf Daten, die über die offenen Schnittstellen von Google, eBay, Amazon, AOL, Windows Live und Yahoo zur Verfügung stehen. Über die Hälfte aller Mashups sind Kartenanwendungen. 50 % basieren auf GoogleMaps, 4 % auf YahooMaps, 4 % auf VirtualEarth. CHR. SCHULZKI
www.wohnungskarte.deSatellitenbilder geben schnellen Überblick über die Infrastruktur um das Zielobjekt