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Open Innovation: Auch deutsche Firmen nutzen neue Wege im Innovationsmanagement

König Kunde greift dem Ingenieur unter die Arme  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 12. 06, cha - Forschung und Entwicklung, da denkt jeder an Geheimniskrämerei in Laboren. Das Modell Open Innovation ersetzt diese Vorgehensweise durch eine offene Ausschreibung: Kunden und Anwender entwickeln mit. Das stellt Manager und Ingenieure vor neue Herausforderungen.

Die Innovationsstärke vieler Unternehmen wird heute immer noch nach der Größe ihrer Forschungslabors bewertet. In diesem Sinne müssten die Nutzer von Innocentive ganz oben in den Forschungsrankings stehen. Denn ihr Forschungslabor ist die Welt. Innocentive ist ein amerikanischer Vermittler, der gegen Gebühr sozusagen Probleme mit externen Problemlösern zusammen bringt. Das Geschäftsprinzip ist einfach: Eine Firma sucht nach einer Lösung für ein Problem, das ihre Entwicklungsabteilung allein nicht effizient lösen kann. Sie stellt gegen eine Gebühr diese Frage auf der Website von Innocentive dar und lobt ein Preisgeld aus, in der Regel zwischen 10 000 Dollar und 100 000 Dollar. Das Preisgeld bekommt der Problemlöser, der die Aufgabe innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens am besten löst. Mehr als 100 000 Experten haben sich seit der Gründung im Jahr 2001 bei Innocentive registriert. Heute nutzen z. B. BASF, Eli Lilly, Novartis, Nestlé oder Procter & Gamble dieses Suchprinzip.

Innocentive bedeutet eine Abkehr von klassischen Wertschöpfungsprinzipien in der Innovation. Die Suche nach Lösungen wird durch eine offene Ausschreibung des Problems ersetzt. Dieses Modell wird auch als Open Innovation bezeichnet. Anders als bei einer klassischen Forschungskooperation oder der Vergabe von Entwicklungsaufträgen an Ingenieurdienstleister wird eine Entwicklungsaufgabe nicht an den "besten" bekannten internen oder externen Entwickler vergeben, sondern das Problem selbst wird in einem undefinierten Netzwerk in Form eines offenen Aufrufs zur Mitwirkung ausgeschrieben. Potenzielle externe Problemlöser entscheiden dann durch Selbstselektion, ob sie mitwirken oder nicht. Die Erstellung dieser Aufgabe erfolgt dabei oft kollaborativ zwischen mehreren Nutzern, in anderen Fällen aber auch durch einen Akteur allein.

Eine Evaluierung der Erfolgsquoten von Innocentive zeigt, dass dieses offene Prinzip hocheffizient ist: Mehr als die Hälfte aller Probleme werden schnell gelöst, obwohl in vielen Fällen die internen Abteilungen an der Lösung zunächst gescheitert waren. Denn der offene Innovationsprozess erlaubt die effiziente Wiederverwertung vorhandenen Wissens. Viele Gewinner hatten bereits in einer anderen Domäne eine Lösung für ein ähnliches Problem und können diese dann auf die neue Domäne übertragen.

Damit wird ein wesentliches Problem klassischer technischer Problemlösung im Unternehmen überwunden: die "lokale" Suche nach Lösungen. Klassischerweise kann ein Unternehmen nur in den Bereichen nach Lösungen suchen, die es kennt bzw. nur solche Lösungen finden, die im Kompetenzbereich seiner Entwickler sind. Innocentive überwindet die Schranken lokaler Suche.


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