16.8.2011 - Auch deutsche Publikumsmedien haben mittlerweile die Bedeutung der Internetwirtschaft erkannt. Der Fokus ihrer Berichterstattung liegt aber auf den führenden US-Anbietern. Gegenüber deutschen Start-ups herrscht noch immer ein ausgewachsenes Desinteresse. Das jedenfalls behauptet der freie PR-Berater Theodossios Theodoridis in einem Gastbeitrag auf netzwertig.com.
Hier Auszüge seines Artikels: „Auf eines kann man sich in Deutschland verlassen: Es wird einem nicht nur bei der Gründung eines Start-ups möglichst viel schwer gemacht – nein, auch danach. Wenn die ersten Erfolge da sind und man den Weg in die Öffentlichkeit mittels PR-Arbeit sucht, kann man einiges erleben. Zum Beispiel, dass der Satz „Die Zukunft liegt im Internet“ endlich (wenn auch einige Jahre zu spät) in den meisten Wirtschafts-, Digital-, und Technik-Redaktionen deutscher Publikumsmedien angekommen ist – jedoch kaum jemand über die zukünftigen Protagonisten berichten möchte. Zumindest nicht, wenn sie aus Deutschland kommen.
So meine Erfahrungen, die ich bei der Pressearbeit für Start-ups gesammelt habe. Um es auf den Punkt zu bringen: Man begegnet einer betonharten Skepsis und einem ausgewachsenen Desinteresse an neuen, deutschen Unternehmen. Selten habe ich das bei anderen Themen oder Produkten in dieser Form erlebt. Es kostet unglaublich viel Zeit und Ausdauer, diese Hürden zu überwinden.
Wenn man mit einzelnen Redakteuren spricht, bekommt man den Eindruck, dass nahezu jedes deutsche Start-up in die Kategorie „suspekt“ und „bald eh nicht mehr da“ fällt. Auch exponentielles Wachstum und Nutzerzahlen von mehreren Hunderttausend beeindrucken Redakteure nur wenig. Schließlich können Facebook, Google & Co. Nutzerzahlen in Millionenhöhe vorweisen. Dass aber aus den Hundertausenden eines Start-ups schnell einmal mehrere Millionen weltweite Nutzer werden, können sich nur die wenigsten Redakteure vorstellen. Schade, denn genau das passiert regelmäßig.
Im Gegensatz zur hiesigen Presselandschaft haben US-Medien offenbar weniger Probleme damit, jungen und hoffnungsvollen Unternehmen aus dem eigenen Land eine „Starthilfe“ zu geben – ganz im Gegenteil. Wenn ein Konzept begeistert, dann wird es vorgestellt. Ja, wir wissen alle: Amerikaner und US-Medien sind generell begeisterungsfähiger. Na, und? Daran ist im Falle von Start-ups nichts Verwerfliches oder übertrieben „Werbliches“. Solange man dabei journalistisch arbeitet.
Dass das geht, kann man bei einigen Online-Magazinen nachlesen – und ich spreche hier nicht von der einschlägigen Tech-Presse, sondern von der sogenannten Publikumspresse. Bestes Beispiel: Die New York Times – sie hat eine eigene Rubrik nur für Start-ups. Und auch die Los Angeles Times hat hierfür eine Rubrik, in der regelmäßig frische Start-ups vorgestellt werden.“
Laut Theodoridis vernachlässigen deutsche Zeitungen das „Tauchen nach Perlen“, also nach einheimischen Start-ups. Die VDI nachrichten, die regelmäßig Jungunternehmen vorstellen, kann er damit nicht gemeint haben.
Theodossios Theodoridis ist freier PR-Berater in Hamburg. Er ist spezialisiert auf Öffentlichkeitsarbeit und Produkt-PR in den Bereichen Entertainment, Lifestyle & Web. Zu seinen Start-up-Referenzen gehören Jimdo und Mikestar. Vor seiner Zeit als freier Berater arbeitete er auf Agentur- und Unternehmensseite. Zuletzt war er acht Jahre PR Manager beim Games Publisher Eidos/Square Enix. (sta)
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