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Von Ich-AG zu Gründungszuschuss: War die Reform sinnvoll?

22.2.2008 - Die Gründungsförderung in Deutschland wurde vor eineinhalb Jahren, im Herbst 2006, grundlegend reformiert. Ich-AG und Überbrückungsgeld wurden zugunsten des Gründungszuschuss abgeschafft. Jetzt haben zwei politisch einflussreiche Wissenschaftler Antworten auf die Fragen gegeben: War die Reform sinnvoll? Wie sollte der Gründungszuschuss in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden?

Die Gründungsförderung in Deutschland wurde vor eineinhalb Jahren, im Herbst 2006, grundlegend reformiert. Ich-AG und Überbrückungsgeld wurden zugunsten des Gründungszuschuss abgeschafft. Jetzt haben zwei politisch einflussreiche Wissenschaftler Antworten auf die Fragen gegeben: War die Reform sinnvoll? Wie sollte der Gründungszuschuss in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden?
Marco Caliendo und Alexander Kritikos stehen der Abschaffung von Ich-AG und Überbrückungsgeld kritisch gegenüber: „Alles hätte für die Beibehaltung des alten Instruments Überbrückungsgeld gesprochen.“ Auch die Ich-AG hätten die Autoren gerne weiter bestehen lassen und weiterentwickelt, denn mit ihr wurde – sehr erfolgreich – eine neue Zielgruppe - darunter viele Frauen und Geringverdiener – an die Gründung herangeführt. Das meldet die Informationsplattform Gründungszuschuss.de.
Die für Gründer erfreuliche, deutlich längere Bezugsdauer des Gründungszuschusses gegenüber dem Überbrückungsgeld halten die Wissenschaftler für unnötig. Viel wichtiger wäre es ihrer Meinung nach unter Anreiz-Aspekten, auf eine Verrechnung des Gründungszuschusses mit dem Arbeitslosengeld I-Anspruch zu verzichten – so wie es zuvor beim Überbrückungsgeld der Fall war.
Auch die für Arbeitsagenturen neu eingeführte Möglichkeit, vor Beginn der Gründung die Eignung feststellen zu lassen, sehen die Wissenschaftler kritisch: Es „stellt sich die Frage, inwieweit die Fachberater in den Agenturen den Beratungsbedarf potenzieller Gründer einschätzen und auf dieser Basis individuelle Entscheidungen über weitergehende Beratungen konsistent treffen können.“ Intensive Beratung benötigten insbesondere Gründer, die zuvor längere Zeit arbeitslos waren und solche, die die Branche wechseln.
Aus ähnlichen Gründen haben Caliendo und Kritikos auch wenig Sympathie für den - von konservativer Seite mehrfach geforderten und im Rahmen der Reform teilweise vollzogenen - Wechsel zurück von einem Rechtsanspruch auf Gründungsförderung zu einer Ermessensleistung. „Interviews mit verschiedenen Führungskräften der zuständigen Arbeitsagenturen haben gezeigt, dass die Agenturen selbst eine solche Änderung für suboptimal halten.“ Die Agenturen ziehen das bestehende Verfahren (Prüfung durch fachkundige Stellen) offensichtlich vor, denn sie verfügen in ihrer eigenen Wahrnehmung selbst nicht über das nötige Know-how zur Beurteilung der Erfolgsaussichten von Gründungen. (sta)

http://www.gruendungszuschuss.de

http://www.gfa-kritikos.de/publikationen.html

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