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Die Ergebnisse des Business Angels Panel

Kasse ist halb voll

Business Angels Panel: Erste Runde der Marktstudie abgeschlossen - Engel geben sich optimistisch - Medizintechnik gefragt

VDI nachrichten, 24.5.2002
Trotz zuletzt enttäuschender Rückflüsse wollen die Teilnehmer des Business Angels Panel auch zukünftig Start-ups unterstützen. Kapital ist ausreichend vorhanden. Erst knapp die Hälfte der zweckgebundenen Mittel ist investiert.


Business Angels sind wie ihre himmlischen Verwandten. Sie möchten helfen. Das jedenfalls ergab das Business Angels Panel. 24 der 28 befragten Privatinvestoren schwingen Ihre Flügel, um junge Unternehmen zu unterstützen. Ganz selbstlos ist dieser Kraftakt freilich nicht. 18 Teilnehmer begründen Ihr Engagement auch damit, Spaß und hohe Renditen haben zu wollen. Das sei ihnen gegönnt - kommen doch so vielleicht weitere Gründer in den Genuss ihrer Obhut: 62 % der zuletzt investierten Mittel stammen aus Exits früherer Beteiligungen. 77 % der Befragten gaben an, Gelder aus dem Verkauf der eigenen Firma jungen Gründern anzuvertrauen. Beides unterstreicht die Erfahrung der Panel-Teilnehmer: Sie sind geübte Investoren und nicht selten gestandene Unternehmer.

Im Durchschnitt halten die Panelteilnehmer sechs Beteiligungen. "Das zeigt deutlich die Professionalisierungstendenzen bei Business Angels auf", so Malte Brettel vom Lehrstuhl für internationales Management an der Handelshochschule in Leipzig. "Der Erfolg eines Portfolios lässt sich durch gemeinsames Investieren, das sogenannte Syndizieren, deutlich steigern. Business Angels können von der Erfahrung anderer Angels lernen und ihr Risiko reduzieren. Hier hat die Steuerreform mit ihrer eigentlich unverständlichen Senkung der Wesentlichkeitsgrenze auf 1 % sogar einen positiven Beitrag geleistet. Nun sind die einzig Leidtragenden die jungen Unternehmen, die mit der höheren Komplexität in der Eigentümerstruktur umgehen müssen."

Zu Luftsprüngen ist den Kapitalgebern derzeit zwar nicht zu Mute. 43 % mussten in den letzten drei Monaten Beteiligungen komplett abschreiben, Hauptgrund war das Scheitern der Anschlussfinanzierung. Entmutigt sind sie aber nicht. 26 % beurteilen die derzeitige Geschäftslage für Business Angels als sehr gut, nur 7 % bezeichnen sie als sehr schlecht. Und das Klima bessert sich nach Einschätzung der Experten zusehends: Knapp 60 % bewerten die Geschäftsaussichten mit sehr gut. Verschwindend gering der Anteil der Pessimisten: Nur ein einziger Teilnehmer scheint den Kopf in den Sand stecken zu wollen: Er bezeichnet die Aussichten als sehr schlecht. Dazu BAND-Vorsitzende Ute Günther: "Der verbreitete Optimismus ist nicht verwunderlich. Die deutsche BA-Kultur steckt erst in den Anfängen. Der Markt ist längst nicht gesättigt." Noch sei der Konkurrenzkampf um die besten Deals nicht ausgebrochen. Engel fänden weiter innovative Ideen und Top-Teams. "Voraussetzung aber ist, dass sie nicht jedem Trend folgen, sich qualifizieren und ihr Netzwerk pflegen. Pessimistisch ist nur, wer wenig risikobereit ist und keine Leidenschaft für die Arbeit in jungen Unternehmen mitbringt, also eigentlich gar kein Business Angel ist."

Entsprechend rührig sind die wahren Business Angels bei der Sichtung neuer Ideen. Von den durchschnittlich im ersten Quartal eingegangenen 39 Businessplänen hat sich jeder Engel rund sieben näher angesehen. Immerhin vier Gründer wurden zu einem Beteiligungsgespräch geladen. In barer Münze ausgezahlt hat es sich allerdings nur für wenige. Rein rechnerisch gingen die Panel-Teilnehmer nur 0,7 neue Beteiligungen ein. Drei neue Investments reichten schon, um den Thron des Investitionskönigs besteigen zu dürfen.

Gescheitert sind die Annäherungsversuche der Gründer vor allem am aus Sicht der Engel zu hohen Risiko. Nicht ausreichend kalkulierbar sei der Return on Investment. Andere Möchtegernunternehmer zeichneten ein wenig attraktives Geschäftsmodell, legten unrealistische Business-Pläne vor, stellten ihren hohen Kapitalforderungen ein nicht ausreichend großes Angebot an Unternehmensanteilen gegenüber oder genügten schlicht nicht den Qualifikationsvorstellungen der Engel. Einige Unterstützungsgesuche scheiterten auch am Zeit- oder Geldmangel der himmlischen Investoren. "Bin zu 105 % investiert", lautet der Kommentar eines Panel-Teilnehmers. Das ist aber - erfreulich aus Sicht der Gründer - die Ausnahme: Im Durchschnitt haben die Engel erst 48 % ihres insgesamt für Angelinvestments vorgesehenen Kapitals gebunden.

Die einzelnen Finanzspritzen sind sehr unterschiedlich dimensioniert. Die Mehrzahl der Engel (57 %) hat im ersten Quartal weniger als 50 000 " auf Start-up-Konten überwiesen. Gleichzeitig gaben 21 % an, über 200 000 " locker gemacht zu haben. Völlig aus dem Rahmen fällt ein Investment über 2 Mio. Euro. Im Durchschnitt stellten die Engel 189 000 " in den Dienst von Unternehmensgründungen.

Ganz oben auf der Einkaufsliste der Engel steht derzeit die Medizintechnik. Gerne genommen werden auch Anteile von Unternehmen aus dem Bereich Neue Materialien und Biotechnologie. Auf wenig Interesse stoßen Anbieter von EDV-Hardware. Die Nachfrage wird offensichtlich beeinflusst von den Ergebnissen zurückliegender Investments. Jedenfalls entwickelten sich Medizintechnik und Neue Materialien aus Sicht der Investoren sehr zufrieden stellend. Auch an Investments im Bereich Industrie-Automation hatten Kapitalgeber zuletzt große Freude. Von Anbieterseite auf den Markt geworfen werden aber leider noch immer vor allem Internet-Services- und Software-Schmieden.

STEFAN ASCHE

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