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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel - 3. Runde

Business Angels Panel: Nach der Wahl ist die Stimmung privater Wagniskapitalgeber auf einen neuen Tiefstand gefallen

Politik lähmt die Engel

VDI nachrichten, Düsseldorf, 31. 10. 02
Von der Koalition im Stich gelassen, bleibt himmlischen Privatinvestoren oft nicht mehr als ihr Optimismus. Zum Leidwesen von Gründern kennt auch dieser Grenzen: Mit der Aussicht auf bessere Geschäfte schwindet die Zahl neuer Beteiligungen.


Momentan ist wenig Bewegung drin", sagt George L. Brenninkmeijer und spricht wohl vielen seiner Business Angels Kollegen aus der Seele. "Alle warten auf den Aufschwung an der Börse. Wer jetzt aussteigt, zahlt meist drauf." Erst wenn die Kurse wieder anziehen, könnten Depots verlustfrei liquidiert und neue Unternehmen gewinnbringend auf das Parkett geführt werden. Dann seien auch wieder mehr Mittel für Neu-Investitionen verfügbar. "Leider ist die Wende aber nicht in Sicht. Ich vermisse die richtigen Signale aus der Politik", klagt der Gründer aller C&A-Filialen in den Neuen Ländern. Was derzeit in Berlin beraten wird (siehe auch S. 1), führe in die falsche Richtung. Trotzdem sollten Gründer den Mut nicht verlieren.

Dieser Meinung sind auch andere Panel-Teilnehmer. Business Angels sind nicht auf das schnelle Geld aus. Alec Rauschenbusch, Chef der Grazia Equity GmbH, erklärt: "Investment ist wie Gartenarbeit. Natürlich will jeder irgendwann ernten." Ganz ohne Früchte gehe die Rechnung dauerhaft nicht auf. "Das Wachstum der Pflanzen ist aber auch schon toll." Und noch gingen nicht alle Triebe ein. Nur ein Privatinvestor hat die Nase voll: "Hören Sie mir auf mit Start-up-Finanzierung. Ich will davon nichts mehr hören!"

Stimmen wie diese könnten sich mehren. Die Beurteilung der Geschäftslage erreicht im 3. Quartal einen neuen Tiefstand. Auf einer Skala von 0 (=sehr schlecht) bis 6 (=sehr gut) machen die Engel ihr Kreuzchen im Durchschnitt bei 2,2. Auch die Geschäftsaussichten verdüstern sich. Optimisten und Pessimisten halten sich inzwischen die Waage, der Durchschnittswert: 3,5. Im ersten Quartal lag dieser Wert noch bei 4,4.

Auch bei den Gründern schwindet der Optimismus. Sie schreiben immer weniger Businesspläne. Nur noch 16 Ausarbeitungen fand jeder Panel-Teilnehmer im 3. Quartal durchschnittlich in seinem Briefkasten. Im zweiten Quartal brachte die Post noch 23, im ersten gar 39. Näher angesehen haben sich die Adressaten davon im Mittel nur drei. Zwischen April und Juni hatten sie noch fünf Pläne studiert, im ersten Quartal sieben. Zu Beteiligungsgesprächen lud jeder Engel zuletzt nur noch zwei Gründer ein. Die Gastfreundschaft nimmt also weiter ab: Im ersten Quartal öffneten sie vier Mal die Tür, im zweiten Quartal noch drei Mal.

Die Depression gipfelt letztlich in einer Zahl - die der neu eingegangenen Beteiligungen. Man muss schon genau hinsehen, um überhaupt welche zu finden: Rein rechnerisch unterschrieb jeder Panel-Teilnehmer im 3. Quartal ganze 0,08 Verträge. Nicht auszumalen, wie groß diese Zahl wäre, gebe es nicht den einen Engel, der seine Flügel über gleich zwei neue Start-ups spannt.

Der weitaus größte Teil besiegelter Engagements waren Follow-up-Investments. 90 % alle Gelder kamen also bereits bestehenden Beteiligungen zu Gute (2. Quartal: 54 %). Im Durchschnitt flossen pro Transaktion rund 135.000Euro - das sind 85.000 Euro weniger als im Vorquartal. "Diese Zurückhaltung kann mit der hohen Zahl der Folge-Investitionen begründet werden", so Dr.Holger Morbitzer. "Wenn sich Engel gezwungen sehen, weiteres Kapital nachzuschießen, sind sie doppelt vorsichtig." Einen generellen Zusammenhang zwischen Investitionshöhe und Investitionsrunde sieht der Inhaber der HMO Venture GmbH, Pulheim, aber nicht. "Es gibt auch Fälle, in denen die Beträge im Zeitablauf steigen."

Auffallend ist der Anstieg der Syndikate. Inzwischen steigt jeder dritte Engel nur noch in Begleitung weiterer Investoren in junge Unternehmen ein. Im 2. Quartal trauten sich noch über 75 % den Alleingang zu.

Die Anzahl bestehender Beteiligungen ist leicht rückläufig - im Durchschnitt betreuen die Engel rund fünf Start-ups (1. und 2. Quartal jeweils sechs). Wenn es überhaupt zu Exits kam, dann gingen die himmlischen Investoren meist leer aus. Nur 10 % der Antwortenden konnten Beteiligungen veräußern (Trade Sale). Alle anderen mussten abschreiben.

Das für neue Investments verfügbare Kapital je Engel hat minimal zugenommen. Im Durchschnitt sind erst 54 % investiert. Im Vorquartal waren noch 57 % gebunden. Hoffen auf die freie Kapazität dürfen am ehesten Start-ups aus dem Bereich Medizintechnik. 45 % der Panel-Teilnehmer halten diese Branche derzeit für attraktiv. Gute Karten haben auch Gründer aus dem Segment Neue Materialien (41 %) und Life Science (32 %). Einen schweren Stand haben die Spezialisten für EDV-Hardware. 70 % der Privatinvestoren stehen diesem Geschäftsfeld derzeit ablehnend gegenüber. Die meisten Beteiligungsanfragen - jeweils 16 % - stammten aus den Segmenten EDV-Software und Internet-Services.

Der größte Teil der Kapital suchenden Unternehmen ist sehr jung: 39 % befinden sich in der Seed-Phase, haben also noch nicht viel mehr als einen Businessplan zu bieten. 27 % haben zwar die konzeptionelle Unternehmensentwicklung abgeschlossen, mit der Produktion aber noch nicht begonnen (First Stage). Nur 9 % benötigen Mittel zum Ausbau vorhandener Kapazitäten (Wachstum), 3 % bereiten sich auf einen Börsengang vor (Bridge).

STEFAN ASCHE

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