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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel - 4. Runde

Business Angels Panel: Erste Anzeichen einer Konjunkturbelebung - Qualität der Businesspläne gestiegen - weniger "Pommesbuden"

"Es kann nur aufwärts gehen"

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 02. 03
Das Geschäftsklima für private Wagniskapitalgeber hat sich Ende 2002 etwas aufgeheitert. Sowohl die Anzahl der neuen Deals als auch die Zufriedenheit mit bestehenden Beteiligungen sind leicht gestiegen. Der Blick in die Zukunft fällt verhalten optimistisch aus.


Nach neun zunehmend verregneten Monaten in 2002 war im letzten Quartal des Jahres erstmals ein Silberstreif am Horizont zu erkennen. Die Geschäftslage beurteilten die Teilnehmer des Business Angels Panel auf einer Skala von 0 (=sehr schlecht) bis 6 (=sehr gut) durchschnittlich mit einer 3. Zuletzt lag dieser Wert bei nur 2,2. Positiver schätzen sie die Zukunft ein - der Wert der Geschäftsaussichten: 4,5. Im Vorquartal reichte es nur zu einer 3,5.

Immerhin 11 % sind sogar sehr optimistisch. "Das hat einen ganz simplen Grund", erklärt etwa Wolfgang Seidelmann. "Die Finanzmärkte erleben seit jeher Auf- und Abwärtsbewegungen in Form einer Sinuskurve. Da wir momentan ganz unten sind, kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Außerdem sind die Preisvorstellungen der Gründer nach der fortgeschrittenen Marktbereinigung wieder auf ein akzeptables Maß gefallen." Investments würden sich also eher wieder rentieren.

7 % der Befragten sehen das anders - sie sehen schwarz. Clemens van den Berg will seine Flügel ganz an den Nagel hängen. "Von 1000 angepriesenen Ideen eigen sich nach genauerem Hinsehen vielleicht noch fünf, um darauf ein Unternehmen zu gründen. Die Urheber haben aber leider eine falsche Einstellung. Ich habe es oft erlebt, dass sie zwar mein Geld wollen, gut gemeinte Ratschläge aber kategorisch ablehnen." Eine gedeihliche Zusammenarbeit sei so unmöglich. "In Bei- oder Aufsichträten älterer Unternehmen ist die Arbeit viel konstruktiver."

Die überwiegende Mehrheit (82 %) ist noch unentschieden, in welche Richtung das Erfolgspendel künftig ausschlägt. Sie stufen die Geschäftsaussichten als mittelmäßig ein.

Die Gründer erwachen unterdessen scheinbar aus ihrer Depression. Die Anzahl der verschickten Business Pläne stieg erstmals leicht, nachdem sie in den drei Vorquartalen kontinuierlich gefallen war (siehe Grafik). Jeder Engel fand zuletzt im Durchschnitt 19 Geschäftsideen in seinem Postkasten. Knapp jede vierte wurde tiefer gehend analysiert. Im Vorquartal nahmen die Engel nur knapp 20 % genau unter die Lupe. "Die Qualität der Pläne ist gestiegen", erklärt dazu Franco Rizzo, Vorsitzender des Business Angels Netzwerk Ostwestfalen. Aussagen etwa zu möglichen Kunden und geplanten Umsätzen seien besser begründet und leichter nachzuvollziehen als in der Vergangenheit. "Die Zeiten angeblich Markt beherrschender Pommesbuden sind zum Glück vorbei."

Entsprechend gestiegen ist die Anzahl der Beteiligungsgespräche. Laut Panel traf sich jeder Engel mit acht Gründern, um über ein mögliches Engagement zu sprechen. Damit haben sich die Eintragungen im Terminkalender der Engel im Vergleich zum Vorquartal vervierfacht (siehe Grafik). Dieser Sprung ist jedoch vor allem verursacht durch den Einsatz eines einzelnen Engels, der sich täglich mit Gründern trifft. Um diesen "Ausreißer" bereinigt, ergeben sich immer noch durchschnittlich drei Treffen pro Engel.

Ebenfalls gestiegen ist die Anzahl neu eingegangener Beteiligungen. Sie war zuletzt mit durchschnittlich 0,08 verschwindend gering. Im vierten Quartal kletterte sie auf 1,43. Immerhin drei Panel-Teilnehmer stellten sich gleich in den Dienst zweier Start-ups.

Die Beträge, die den Gründern zur Verfügung gestellt werden, sinken allerdings weiter. Im 2. Quartal investierte jeder Engel noch durchschnittlich 222.000 Euro, in den darauf folgenden drei Monaten waren es 135.000 Euro. Im Oktober, November und Dezember überwies ein Panel-Teilnehmer im Schnitt nur noch rund 65.000 Euro. Erfreulich aus Gründersicht ist der gestiegene Anteil an Erstinvestments. Nur jeder fünfte Euro kam bereits bestehenden Beteiligungen zu Gute.

An der durchschnittlichen Portfoliogröße hat sich allerdings nichts geändert. Nach wie vor betreut ein Engel rund fünf Beteiligungen. Wenn sich trotz Neuzugängen an der Bestandsgröße nichts ändert, müssen Exits realisiert worden sein. In der Praxis war es meist die blutige Variante: Knapp 60 % der Panel-Teilnehmer mussten mindestens ein Unternehmen komplett abschreiben. 29 % übertrugen ihren Anteil zurück an die Gründer, 6 % veräußerten an Unternehmen, ebenso viele an andere Finanzinvestoren.

Sprunghaft angestiegen ist der Anteil der Mehrheitsbeteiligungen. Bei jedem vierten Engagement sind die Gründer nicht mehr Herren im eigenen Haus. Zuletzt waren davon nur 3 % betroffen. "Engel konzentrieren sich verstärkt auf einige wenige Deals, statt ihr Kapital breit zu streuen", erklärt der Dortmunder Business Angel Daniel Kluting. "Sie möchten mehr Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Entsprechend größer sind ihre Anteile."

Mit ihren bestehenden Beteiligungen sind die Engel deutlich glücklicher als noch im Vorquartal. 22 % äußerten sich sehr zufrieden. Im 3. Quartal machten nur 13 % eine entsprechende Aussage.

Gefragt nach den derzeit attraktivsten Branchen verwiesen 28 % der Panel-Teilnehmer auf die Nanotechnologie. Fast genauso begehrt sind Deals aus den Bereichen Umwelt-, und Medizintechnik.

STEFAN ASCHE

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