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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel

Business Angels Panel: Gründungsfinanzierer unter Vorbehalt optimistisch - wieder mehr Kapital verfügbar - Medizintechnik gefragt

Engel hoffen auf Steuerpolitik

VDI nachrichten, Düsseldorf, 09.05.03

Erst gut jeder zweite Engel-Euro ist ausgegeben. Der Rest stünde Gründern mit neuen Ideen zur Verfügung - die Wagnisfinanzierer warten aber auf Berliner Beschlüsse für bessere Investitionsbedingungen.

Endlich scheint das Tal der Tränen durchschritten: Business Angels sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zum zweiten Mal in Folge zufriedener als im jeweiligen Vorquartal. Auf einer Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) vergaben sie für die ersten drei Monate des Jahres durchschnittlich 3,6 Punkte. Im 4. Quartal 2002 lag der Wert noch bei 3, davor gar bei einem Negativrekord von 2,2. Auch bei den Geschäftsaussichten geben sich die privaten Wagniskapitalgeber optimistischer. Im 1.Quartal 2003 reichte es für 4,7 Punkte. Zuvor waren es 4,5, im 3. Quartal 2002 nur 3,5.

Euphorisch sind die Gründungsfinanzierer damit aber nicht. "Der zaghafte Optimismus speist sich vor allem aus der Hoffnung, dass die Parteien nun bald unternehmerfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen - etwa hinsichtlich der Steuer- und Bürokratiebelastung oder beim Kündigungsschutz", erklärt der Wuppertaler Business Angel Hartmut Happich mit Blick auf aktuelle Diskussionen in Berlin.

Die Gründer haben sich von der gebesserten Laune ihrer Förderer bisher nicht anstecken lassen. Frustriert über die andauernden Schwierigkeiten, an Startkapital zu kommen, vergeht ihnen die Lust am Schreiben von Businessplänen. Von Januar bis März fand jeder Panel-Teilnehmer nur noch durchschnittlich 15 Geschäftsideen in seinem Postkasten. Damit ist der bisherige Negativrekord aus dem dritten Quartal 2002 (16) unterboten. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren es noch 39! Diese starke Verschiebung kann kaum allein auf neue Panel-Teilnehmer zurück geführt werden.

Erschwerend kommt hinzu: Die Engel lassen ihrer optimistischeren Einstellung bislang keine Taten folgen. Jeder einzelne führte in den ersten drei Monaten des Jahres durchschnittlich nur zwei Beteiligungsgespräche - nie waren es weniger. Entsprechend ernüchternd sieht es auch bei den Neuinvestments aus. Rein rechnerisch ging jeder Business Angel im ersten Quartal nur 0,1 Beteiligungen ein. Ein Jahr zuvor waren es noch sieben mal so viele.

Arg verkleinert haben sich auch die einzelnen Portfolios. Anfang 2002 versammelte jeder Engel noch durchschnittlich sechs Start-ups unter seinen Fittichen. Jetzt sind es nur noch drei. Wo die Betriebe verblieben sind, kann dem Panel nicht entnommen werden - Antworten auf die entsprechende Frage blieben weit gehend aus. Lukrative Exits in Form von Börsengänge müssen aber wohl ausgeschlossen werden. Trotzdem ist das für Angel-Investitionen verfügbare Kapital leicht angestiegen - jeder Befragte hat durchschnittlich erst 54 % seiner "himmlischen Mittel" vergeben. Drei Monate zuvor waren es noch 64 %.

Große Verschiebungen gab es abermals bei den Beteiligungsgrößen: Nur noch rund jeder zweite Gründer ist Herr im eigenen Haus und hält wenigstens 50 % vom Betrieb. Verantwortlich dafür sind die immer wieder notwendigen Folgeinvestitionen: 62 % aller vergebenen Mittel dienten Follow-up-Investments. Nur noch gut jeder dritte Euro floss in neue Beteiligungen. Das ist bedauerlich: Denn der Anteil der Küken ist gestiegen: 62 % aller Beteiligungsanfragen stammten von Firmen in der Seed-Phase. Damit bilden sie erstmals eine starke absolute Mehrheit.

Weiter gesunken ist die durchschnittlich investierte Summe pro Beteiligung. In den ersten drei Monaten des Jahres machte jeder Engel nur noch rund 60.000 Euro locker. Zuvor waren es noch 65.000 Euro, vor einem Jahr sogar mehr als das Dreifache!

Am meisten Hoffnung auf Kapital dürfen sich Medizintechniker machen. Jeder vierte Engel hält die Branche für attraktiv. Karl Klamann, Business Angel und Vorstandschef der HumanOptics AG, erklärt: "Das wichtigste im Leben ist eben das Leben. Gesundheit hat immer Konjunktur. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geben die Menschen lieber Geld aus für gesundheitsfördernde Maßnahmen als für Aktien." Größere Aussichten auf Erfolg bei der Kapital-Akquise dürfen sich weiterhin auch Nanotechniker und Entwickler Neuer Materialien machen. Besonders schwer dürften es hingegen die Anbieter von EDV-Hardware haben. Zwei von drei Investoren wollen von Computertechnik nichts hören. Finanzdienstleister sind auch nicht gerade Engels Liebling. Sie stehen bei fast jedem zweiten potenziellen Paten von vornherein vergebens an.

Im schwierigen Umfeld liegen aber auch einige Vorteile für die Privatinvestoren. So meinen weit über die Hälfte der Befragten, dass sich die Beteiligungskonditionen verbessert hätten. Business Angel Michael Borges aus Osnabrück erklärt: "Das Wachstumsziel der Jungunternehmer ist nicht mehr so ambitiös wie noch vor drei Jahren. Ihre Vorstellungen sind näher an der Realität. Sie starten jetzt in einem kleineren Rahmen und brauchen weniger Geld. Gleichzeitig bekommen die Engel für ihr Engagement mehr Anteile am Unternehmen und werden endlich als Partner akzeptiert - die konstruktive Phase der Zusammenarbeit kann eher beginnen."

STEFAN ASCHE

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