VDI nachrichten Logo

Das Infoportal für Ingenieure.

Samstag, 22. November 2008

Sie befinden sich hier: vdi-nachrichten.com » Studien und Panels » Business Angels Panel

Die Ergebnisse des Business Angels Panel

Business Angels Panel II/2003: : Gründungsfinanzierer optimistisch - Zahl der Deals leicht gestiegen - Medizintechnik weiter gefragt

Engel haben Lust auf Neues

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 8. 03

Private Wagniskapitalgeber stehen neuen Investments laut Umfrage wieder offener gegenüber. Potenzielle Unternehmer beeindruckt das aber offenbar wenig. Sie versenden immer weniger Businesspläne.

Unter den privaten Wagniskapitalgebern in Deutschland steigt die Stimmung weiter. Zum dritten Mal in Folge beurteilen Teilnehmer des Business Angels Panels - in der aktuellen Runde waren es 26 - ihre derzeitige Geschäftslage besser als im Vorquartal. Auf einer Skala von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut) vergaben sie für die Monate April bis Juni durchschnittlich 4,1 Punkte. Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei 3,6. Im dritten Quartal 2002 waren es gar nur 2,2. Doch damit nicht genug: Auch bei den Geschäftsaussichten scheint das Tal der Tränen endgültig durchschritten. Die Engel geben aktuell glatte 5 Punkte! Zuvor waren es 4,7, davor 4,5. Fast vergessen scheinen die Monate Juli bis September aus dem Vorjahr - damals reichte es nur zu mickrigen 3,5 Punkten.

Vor Euphorie aber warnt der Nürnberger Business Angel Manfred Bögelein. "Der Optimismus rührt her aus der Hoffnung, dass es nicht weiter bergab gehen kann. Außerdem spielt die jüngste Belebung an den Börsen eine gewisse Rolle. Diese ist allerdings ebenfalls kaum mehr als ein Spiegel der Anleger- und Investorenwünsche." Ähnlich argumentiert auch Dr. Bernhard Kneißel, Lahnstein: "Der Bodensatz ist zwar erreicht. Und die Belebung auf dem Parkett eröffnet Venture Capitalists vielleicht bald wieder die Möglichkeit, Beteiligungen an der Börse zu veräußern. Sie könnten dann theoretisch von uns Engagements übernehmen. Die operativen Ergebnisse in den Jungunternehmen haben sich aber noch nicht ausreichend verbessert."

Potenzielle Gründer scheinen um die Probleme ihrer fortgeschrittenen Kollegen zu wissen. Ihr Elan beim Schreiben von Business Plänen jedenfalls sinkt seit Herbst 2002. Zuletzt landeten nur noch rund zwölf papiergewordene Geschäftsideen auf den Schreibtischen der umworbenen Finanzierer. Vor Jahresfrist waren es 23!

Dabei scheint der Zeitpunkt für eine Kontaktaufnahme günstig. Die Engel haben derzeit offensichtlich wieder mehr Muße, sich durch Marktstudien, Finanzdaten und Marketingvorhaben zu kämpfen. Jedenfalls sah sich jeder einzelne durchschnittlich vier Businesspläne näher an. Zuvor waren es nur drei. Auf die Anzahl der durchschnittlich geführten Beteiligungsgespräche hatte das bisher wenig Auswirkung. Sie liegt wieder bei zwei. Die Basis dieses Durchschnittswertes ist aber breiter geworden. Er bildet sich nicht mehr allein durch das große Engagement einiger Weniger. Diese erfreuliche Tendenz spiegelt sich auch wider in der alles entscheidenden Zahl neu eingegangener Deals. Rein rechnerisch setzte jeder Engel in 0,2 Fällen seine Unterschrift unter einen Beteiligungsvertrag. Im Vorquartal war der entsprechende Wert nur halb so hoch. Demzufolge hat sich das verfügbare Kapital allerdings leicht reduziert. Im Schnitt hat noch jeder Panelteilnehmer knapp 40 % der für Angels-Investitionen vorgesehenen Mittel nicht gebunden. Zuvor waren es noch 46 %. An der durchschnittlichen Größe der Portfolios hat sich unterdessen kaum etwas geändert. Noch immer betreut jeder Engel rund drei Jungunternehmen.

Dass die Zahl der Beteiligungen nicht deutlich angestiegen ist, wird nicht zuerst den Kapital Suchenden angelastet. Beteiligungsgespräche platzten vor allem wegen zu hoher Risiken (25 %) und unzureichendem Marktwachstum (14 %). Beide Störgrößen haben sich im Vergleich zum Vorquartal mehr als verdoppelt. Unrealistische Businesspläne oder schlechte Geschäftsmodelle spielten bei weitem nicht mehr eine so gewichtige Rolle wie zuvor. Auch wurden weniger Jungunternehmer wegen mangelnder Qualifikation abgewiesen. Alles in allem also Indizien für eine erfreuliche Professionalisierung der Gründer.

Eine überraschende Entwicklung ist bei den Beteiligungsanteilen erkennbar. Die Zahl der Fälle, in denen die Engel das Heft mehrheitlich in der Hand hielten, hat abgenommen. Und das, obwohl die Zahl der Follow-up-Investments erneut anstieg. Nur noch knapp jeder fünfte Euro ging an ganz neue Unternehmen. Der gesamte Rest (79 %) kam bereits bestehenden Beteiligungen zugute. Zumindest einen Erklärungsansatz für diesen scheinbaren Widerspruch liefert der Nürnberger Business Angel Uwe Heckel: "Da gingen offensichtlich einige Anschlussfinanzierungen arg zu Lasten der bereits involvierten Kollegen." In schwierigen Zeiten würden VCs beim Einstieg in Co-Investments auf großen Anteilen bestehen. Die Quote des Engels werde dabei zwangsläufig verwässert.

Abermals stark gesunken ist der pro Deal investierte Betrag. Mit gut 34 000 Euro ist er nur noch rund halb so hoch wie im Vorquartal und entspricht nur noch einem Siebtel der Summe, die vor Jahresfrist die Seiten wechselte. "Die Kollegen sind noch immer sehr vorsichtig", erklärt Business Angel Norbert Baier aus Wiesentheid/Würzburg. "Auf der anderen Seite sind die Bewertungen derzeit aber auch sehr niedrig."

Auf Geld hoffen dürfen wie im Vorquartal, vor allem Gründer von Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Neue Materialien und Life Science. Auf Granit beißen noch immer Anbieter von EDV-Hardware und Finanzdienstleistungen.

STEFAN ASCHE

Copyright © 2008 VDI Verlag GmbH | Impressum