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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel


Business Angels Panel III/2003: Gründer werden professioneller - Finanzierer mussten bluten, sehen aber Anzeichen für eine Wende

Engel sind optimistischer denn je

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14.11.03

Wegen des verstärkten Engagements von Venture Capitalists erwarten auch private Wagniskapitalgeber wieder bessere Geschäfte. Ergebnisse der VDI nachrichten-Umfrage.

Die Teilnehmer des Business Angels Panels - in der aktuellen Runde waren es 27 - beurteilen ihre Geschäftsaussichten so gut wie nie zuvor. Auf einer Skala von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut) vergaben sie für das 3. Quartal 2003 durchschnittlich 5,1 Punkte. Vor einem Jahr reichte es nur für einen Wert von 3,5. Diese hoffnungsfrohe Haltung hat handfeste Hintergründe: "Venture Capitalists engagieren sich wieder mehr", so Tobias Kollmann, aktiver Engel und Inhaber des Lehrstuhls für E-Business an der Universität Kiel. "Fonds, die aufgebaut wurden, müssen allmählich investiert werden. Dadurch steigen die Chancen für Business Angels, Folgeinvestoren zu finden."

Bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage machten die Engel einen kleinen Rückzieher. Im dritten Quartal vergaben sie nur 4 Punkte, drei Monate zuvor waren es noch 4,1. "Die postiven Anzeichen an der Börse haben sich noch nicht auf den Wagniskapitalmarkt ausgewirkt", erklärt Jörg Bartsch, Business Angel aus Langen.

Auf den ersten Blick erstaunlich ist, dass jeder Panel-Teilnehmer durchschnittlich nur noch zehn Businesspläne erhielt - ein Negativrekord. Neun Monate zuvor waren es fast doppelt so viele. "Gründer halten sich inzwischen an zwei wichtige Regeln", erklärt Kollmann. "Es findet kein Kalt-Kontakt mehr statt. Einsendungen erfolgen erst nach einem persönlichen Kennenlernen und einer Vorbesprechung." Die Zeit der anonymen Massenmailings sei glücklicherweise vorbei. "Außerdem wird an jeder Idee länger gefeilt. Als Ergebnis der intensiveren Überarbeitung fallen einige Ansätze schon von vornherein wieder unter den Tisch."

Dementsprechend hat sich die Zahl der geführten Beteiligungsgespräche nicht geändert. Jeder Engel lud rund zwei Gründer zu Detailverhandlungen ein. Herausgekommen ist dabei leider nur wenig. Rein rechnerisch gingen die Panel-Teilnehmer - wie im Vorquartal - nur je 0,2 neue Beteiligungen ein. Angesichts dieses niedrigen Niveaus ist es wenig tröstlich, dass sich die Quote binnen Jahresfrist verdoppelt hat.

Schuld am Abbruch der Beteiligungsgespräche waren öfter als je zuvor unrealistische Bewertungen der Gründer. "Natürlich sind die Teams von sich und ihren Idee überzeugt", so Kollmann. "Leider verlieren sie dabei die derzeit schwierige Wirtschaftslage aus den Augen." Auf Rekordniveau stieg dementsprechend auch die Zahl der Deals, die aufgrund eines unzureichenden Marktwachstums platzten. Deutlich seltener als zuvor scheiterten die Annäherungsversuche der Gründer an ihrer mangelnden Qualifikation oder an unrealistischen Businessplänen.

Bedauerlich aus Sicht der Gründer ist, dass das für neue Investments verfügbare Kapital stetig abnimmt. Aktuell ist nur noch jeder dritte Engels-Euro nicht gebunden. Vor einem Jahr waren noch über 50 % der Mittel frei verfügbar. "Wir sind vorsichtiger geworden", so Hubert Pella aus Neuss. "Aus bestehenden Beteiligungen gibt es kaum Rückflüsse." Das Panel bestätigt diese Einschätzung: Sieben von neun Exits waren Liquidationen, die Start-ups mussten also abgeschrieben werden.

Für große Vorsicht im Engelschor spricht auch die pro Deal investierte Summe. Wie im Vorquartal lag sie bei nur knapp 35 000 Euro. Rund 80 % davon flossen in Follow-up-Investitionen. Vor einem Jahr war das Volumen noch vier mal so groß. Die durchschnittliche Größe einzelnen Portfolios hat sich von drei auf vier erhöht. Ein genauerer Blick in die Auswertung der Panelergebnisse zeigt, dass diese Entwicklung vor allem dem Engagement eines einzelnen Investors zuzurechnen ist. Die breite Masse der Engel hält noch immer rechnerisch etwa 3 Beteiligungen.

Eingang in das Portfolio der Engel finden am ehesten Gründer aus dem Bereich Neue Materialien. 42 % der Panelteilnehmer halten diese Branche für besonders attraktiv. Nicht einer räumt der Werkstoff-Forschung keine Chancen ein. Der Spitzenreiter aus den beiden Vorquartalen, die Medizintechnik, wurde auf den zweiten Platz der Beliebtheitsskala verdrängt. Sie bringt es aber immer noch auf stolze 36 % Zustimmung. Auf den Plätzen drei und vier folgen die Branchen Life Science (31 %) und Biotechnologie (30 %). Der Branchenkomplex Biopharma ist also besonders gefragt.

Auf Ablehnung stoßen seit nun mehr einem Jahr die Branchen Internet-Infrastruktur, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Neu im "Gruselkabinett" für Business Angels ist die Softwarebranche. 35 % der befragten Investoren wollen nichts von Programmierern hören. Die vielen einschlägigen Gründer - jede vierte Beteiligungsanfrage stammte aus diesem Bereich - müssen die Flinte deshalb aber nicht ins Korn werfen. Zum Glück ist die Bandbreite der einzelnen Einschätzungen in diesem Fall sehr groß. Einzelne Panelteilnehmer sind durchaus bereit, ihr Kapital auf Festplatten anzulegen.

Befragt nach der Zufriedenheit mit einzelnen Beteiligungen landet die Softwarebranche nur im unteren Mittelfeld. Mangelhaft bis ungenügend schneiden Internet-Infrastruktur- und Umwelttechnologie-Anbieter ab. Am besten bewertet wird die Performance von Gründungen aus den Bereichen Industrie-Automation sowie Anlagen- und Fahrzeugbau.

STEFAN ASCHE

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