"Das Gröbste liegt hinter uns", freut sich Harald Schäfer, Business Angel
aus Mannheim. "Das Ende der New Economy ist endgültig verdaut. Die Portfolios sind fast
vollständig von kapitalvernichtenden Start-ups bereinigt. Und neu eingehende Businesspläne sind
oft vielversprechend." Der Gründer des europäischen Anwaltsverbundes ProJustitia ist deshalb
überzeugt: "Es kann nur weiter bergauf gehen. Die Zukunft gehört den mutigen Investoren." Das sehen
die 29 anderen Teilnehmer des aktuellen Business Angels Panels offensichtlich ähnlich. In keinem Quartal
gaben sie sich optimistischer als zu Beginn diesen Jahres. Die Geschäftslage bewerteten sie auf einer
Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) mit 4,5 Punkten. Bei den Geschäftsaussichten reichte es
sogar für einen Wert von 5,4.
Diese positive Stimmung spiegelt sich auch wider in der seit über einem Jahr höchsten Anzahl an
geführten Beteiligungsgesprächen. Jeder private Wagnisfinanzier trat zuletzt mit durchschnittlich
2,5 Gründerteams in Verhandlungen ein. Im Vorquartal lag der entsprechende Wert noch auf einem
Rekordtief von 1,6. An der alles entscheidenden Zahl der tatsächlich abgeschlossenen
Beteiligungsverträge änderte dies leider noch nichts - sie lag mit 0,35 pro Engel in etwa auf dem
Niveau des Vorquartals. Potenzielle Gründer lassen sich davon aber nicht beirren. Erstmals seit
anderthalb Jahren entwarfen sie wieder mehr Businesspläne. Jeder Engel fand durchschnittlich 10,9
Exemplare in seinem Postkasten. Angesichts der üblichen Verzögerung zwischen Erhalt der
Geschäftsideen und Unterzeichnung eines Vertrags könnte sich die Anzahl der neuen Beteiligungen
bald erhöhen. Dafür spricht auch die weiterhin steigende Qualifizierung der Gründerteams und
die Qualität ihrer Ideen. Beide Faktoren waren seltener als je zuvor verantwortlich für den Abbruch
von Verhandlungen.
Positiv für Gründer ist auch die Entwicklung beim durchschnittlich investierten Kapital. Der im
aktuellen Panel ermittelte Wert hat sich im Vergleich zum Vorquartal mehr als verdreifacht. Geschuldet ist
dies allerdings auch dem großen Engagement eines einzelnen Investors, der stolze 2 Mio. Euro locker
machte. An Geld mangelt es den Engeln trotzdem nicht. Noch immer sind durchschnittlich erst knapp 66 % der
für Angel-Investitionen vorgesehenen Mittel investiert.
In den Genuss frischen, himmlischen Kapitals kamen zuletzt überwiegend ganz junge Firmen: 54% aller
Gelder kamen Erstinvestments zu Gute, der Rest floss an bestehende Portfoliounternehmen. Die durchschnittlich
pro Engel gehaltene Anzahl an Beteiligungen blieb mit gut 3 etwa konstant. Ein bei genauerer Analyse
erfreuliches Ergebnis - beteiligte sich doch einer der aktivsten Investoren (19 Beteiligungen) diesmal
ausnahmsweise nicht an der Umfrage.
Erstmals seit Bestehen des Panels, also seit Anfang 2002, gab es keine einzige Total-Abschreibung in den
Portfolios der Teilnehmer. Kleiner Wermutstropfen: Auch positive Exits blieben Mangelware: Lediglich zwei
Beteiligungen wurden verkauft - beide an die Gründer. Dabei streben die wenigsten Engel diese so
genannte Buy-back-Variante an. Von denen, die aktiv nach Exitmöglichkeiten für ihre
Schützlinge suchen (56%), wenden sich die meisten an Venture Capitalists und strategische
Investoren.
In der Hitparade der beliebtesten Engel-Branchen gab es wenig Bewegung. Die Top-4 tauschten lediglich die
Positionen untereinander. Spitzenreiter - und damit zugleich Aufsteiger des Quartals - ist die
Medizintechnik. Sie erreichte zuvor nur Platz 3. Der Dauerbrenner Neue Materialien fiel zurück auf die
zweite Stufe des Siegerpodestes. Life Sciences und Biotechnologie folgen auf den Rängen.
Kaum auf Engels-Kapital hoffen dürfen die Anbieter von Finanzdienstleistungen. Hardware-Experten trifft
abermals das selbe Schicksal. Neu im Gruselkabinett ist der Maschinenbau.
Trotz des sich aufheiternden Klimas haben zwei Drittel der Engel schon darüber nachgedacht, ihren
Stammsitz ins Ausland zu verlagern. Tobias Kollmann, Privatinvestor aus Kiel, macht zwei Aspekte dafür
verantwortlich: "Die Steuergesetzgebung für Kapitalgesellschaften ist im internationalen Vergleich
wenig investitionsfördernd, die weitere wirtschaftliche Entwicklung ungewisser."
STEFAN ASCHE
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