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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel

Business Angels Panel II/2004: Geschäftslage besser denn je - viele Kontakte zu Gründern im Ausland - neue Deals bleiben aber rar

Engel liebäugeln mit Nanotechnologie

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13.8.04

Laut VDI nachrichten-Umfrage bewerteten informelle Wagnisfinanzierer ihre Geschäftslage nie besser als im zweiten Quartal 2004. Auch die Geschäftsaussichten wurden überwiegend positiv beurteilt. Im Durchschnitt investierte jeder über 190000 Euro. Lieblingsbranchen waren einmal mehr Neue Materialien und Medizintechnik.

"Vielfältigere Investitionsmöglichkeiten als derzeit hatten wir nie", freut sich Georg Marekwica. Der erfahrene Risikokapitalgeber, Mitglied im Kuratorium der Business Angels Agentur Ruhr (BAAR) und dem Münsteraner Expertenkreis Innovationsfinanzierung, ist überzeugt: "Die Preise sind günstig, das Gros der Businesspläne wurde sorgfältig ausgearbeitet und viele Projekte haben ein großes Potenzial. Auch die Teams sind besser als früher." In Gesprächen mit Kollegen spürt der Wittener immer wieder Aufbruchstimmung. "Viele wollen anpacken und Deutschland wieder nach vorne bringen." Gleichzeitig warnt er vor Euphorie. "Es wird trotz allem nicht mehr so blauäugig investiert, wie noch vor einigen Jahren. So spielt die internationale Wettbewerbssituation bei der Beurteilung einer Geschäftsidee inzwischen eine wachsende Rolle. Wer nur im eigenen Land top ist, wird kaum Geld bekommen. Und globale Highflyer sind selten."

Die anderen 26 Teilnehmer des jüngsten Business Angels Panels beurteilen ihre Situation ähnlich. Die Geschäftslage bewerten sie auf einer Skala von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut) mit 4,7 Punkten. Das ist die höchste Notierung, die es seit Beginn des Panels Anfang 2002 je gab. Bei den Geschäftsaussichten reicht es für einen Wert von 5,3. Der Rekord des Vorquartals wurde so um 0,1 Punkte verfehlt.

Potenzielle Gründer lassen sich von dieser positiven Grundstimmung anstecken. Sie brachten wieder mehr Geschäftsideen zu Papier. Jeder Business Angel fand durchschnittlich zwölf Businesspläne in seinem Postkasten. Ein halbes Jahr zuvor waren es nur 8,8.

Der Fleiß der hochgelobten Jungunternehmer wurde erstaunlicherweise aber nicht belohnt. Die Anzahl der durchschnittlich geführten Beteiligungsgespräche sank im 2. Quartal von zuvor 2,5 auf 2,1. Und damit nicht genug: Auch die Zahl der neu eingegangenen Beteiligungen wurde kleiner. Unterschrieb jeder Panel-Teilnehmer in den ersten drei Monaten des Jahres noch rein rechnerisch 0,35 Beteiligungsverträge, so waren es in der jüngsten Erhebung nur 0,22.

Wie ist diese auf den ersten Blick erstaunliche Zurückhaltung der Engel zu erklären? Dr. Holger Morbitzer, langjähriger Privatinvestor aus Köln: "Vor einem persönlichen Gespräch wird inzwischen intensiver recherchiert. Ich selbst diskutiere einzelne Ideen zunächst mit anderen Gründungsfinanzierern. Eventuell bereits vorhandene Due Diligence-Unterlagen möchte ich einsehen." Der Koordinationsaufwand im Vorfeld eines Beteiligungsgesprächs wachse stetig. "Engel agieren immer selektiver. Die einst so wichtige Time-to-Market spielt zwar noch immer eine Rolle, die Prioritäten haben sich aber verschoben. Es wird nichts mehr überstürzt. Früher sind viele Investments gescheitert, weil einige Details im Vorfeld unbeachtet blieben. Das soll jetzt verhindert werden. Insgesamt sind die Ansprüche der Engel gewachsen - schneller als die Qualität der Gründerteams und ihrer Businesspläne."

Den Kopf in den Sand stecken sollten Jungunternehmer trotzdem nicht. Die Panelteilnehmer haben noch genügend Kapital in petto. Erst 65% ihrer für Angel-Aktivitäten vorgesehenen Mittel sind investiert. An dieser Quote hat sich seit einem Jahr kaum etwas verändert. Relativ konstant geblieben ist auch die Summe, die jeder Engel zuletzt im Durchschnitt an seine Schützlinge überwies: knapp 193.000 Euro.

Die Anzahl der Küken, die jeder Panel-Teilnehmer unter seinen Fittichen hat, ist stark gestiegen - von 3,5 auf 4,26. Geschuldet ist dies aber dem Engagement eines einzelnen Engels, der insgesamt 20 Unternehmen betreut und beim letzten Mal nicht an der Befragung partizipierte.

Bei der Branchen-Hitparade gab es wenig Bewegung. Das Führungsduo wechselte lediglich die Plätze: Neue Materialen verdrängten die Medizintechnik von der Spitze. Beide erreichten Zustimmungswerte von über 50% der Engel. "Gründungsvorhaben aus anderen Branchen haben deshalb aber nicht automatisch schlechtere Finanzierungschancen", unterstreicht Morbitzer. "Viele Engel sind spezialisiert auf Branchen, in denen sie selbst früher aktiv waren." Deshalb könnten auch Anbieter der wenig beliebten EDV-Hardware durchaus einen Finanzierer finden. Marekwica sieht das ähnlich: "Ich prüfe beispielsweise gerade ein Start-up, das mit Öl-Additiven Motoren länger haltbar und effizienter machen will. Mit Medizintechnik hat das bestimmt nichts zu tun."

Auf der Ertragsseite gab es für die Engel zuletzt nicht viel Erfreuliches. Von den insgesamt sechs Exits waren vier blutig: die Unternehmen mussten abgeschrieben werden. Zweimal kauften die Gründer ihre Anteile zurück.

Einen Börsengang als Ausstiegsvariante haben kaum noch Engel im Visier. In Deutschland mangelt es an positiven Beispielen. Das ist an ausländischen Börsen anders. Trotzdem halten nur 24% der Panelteilnehmer beispielsweise die Londoner AIM für interessant. "Ich bin Frühphasenfinanzierer", so Marekwica. "Da ist das Parkett weit weg. Eher wende ich mich an Venture Capitalists. Die sind aber immer noch zurückhaltend mit Investitionen. Deshalb habe ich aber immer einen Plan B parat: Im Notfall finanziere ich das Unternehmen alleine."

So reserviert die Panel-Teilneher ausländischen Börsen gegenüber sind, so begeistert sind sie von Gründern jenseits der Grenzen. Drei Viertel der Befragten haben Kontakt zu Gründern außerhalb Deutschlands. Die meisten Verbindungen gibt es innerhalb Zentraleuropas (40%) oder in die USA (32%).

STEFAN ASCHE



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