VDI nachrichten Logo

Das Infoportal für Ingenieure.

Samstag, 22. November 2008

Sie befinden sich hier: vdi-nachrichten.com » Studien und Panels » Business Angels Panel

Die Ergebnisse des Business Angels Panel

Business Angels Panel III/2004: Einschätzung der Geschäftslage bleibt positiv - Mangel an Anschlussfinanzierungen trübt Ausblick

Engel nehmen Umwelttechnik ins Visier

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 11. 04

Private Wagnisfinanzierer können aus vielen interessanten Gründungsideen wählen. Doch wegen fehlender Kaufinteressenten laufen sie Gefahr, auf ihren Beteiligungen sitzen zu bleiben. Einige reduzieren das Risiko durch eine breitere Verteilung ihrer Mittel. Mehr Deals mit kleinerem Volumen lautet die Devise. Ergebnisse einer VDI nachrichten-Umfrage.

"Spannende Beteiligungsmöglichkeiten gibt es augenblicklich zur Genüge", schwärmt der Nürnberger Business Angel Uwe G. Heckel. "Und deren Bewertungen sind auf einem realistischen Niveau angekommen." Auch die anderen 21 Teilnehmer des jüngsten Business Angels Panels beurteilen die gegenwärtige Geschäftslage überwiegend positiv. Auf einer Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) vergeben sie durchschnittlich 4,7 Punkte. Damit ist das Rekordniveau des vergangenen Quartals eingestellt.

Minimal eingetrübt ist die Beurteilung der Geschäftsaussichten. Vor einem halben Jahr wurde hier noch ein Wert von 5,4 erreicht. Im zweiten Quartal fiel er auf 5,3. Aktuell reicht es nur noch zu 5,2 Punkten. "Das Problem der fehlenden Anschlussfinanzierungen wird immer drängender", so Gründungsförderer Jörg Bartsch aus Langen. Günter Frankenne, Nürnberg, schließt sich dem an: "Insbesondere im Biotech-Bereich ist die Situation schwierig. Venture Capitalists übernehmen Unternehmen erst, wenn deren Produkte bereits in der 1. oder gar 2. Phase der klinischen Entwicklung sind."

Auf der Exit-Seite herrscht dementsprechend weiterhin Flaute. Lediglich ein Panelteilnehmer konnte seine Unternehmensanteile an die Gründer zurück verkaufen (Buy-Back). Ein anderer musste seine Beteiligung abschreiben. Frankenne hat einen Verdacht: "Potenzielle Käufer lassen die Jungunternehmen absichtlich ausbluten, um sie sich im letzten Moment zu Spottpreisen einverleiben zu können." Heckel sieht den schwarzen Peter auch bei den Jungunternehmen selbst. "Viele sind noch nicht reif für einen Exit." Das Boomzeiten-Relikt "Umsatz um jeden Preis" sei noch nicht überall vom Kerngedanken des organischen Wachstums abgelöst worden. Dr. Bernhard Kneißel macht den Mangel an positiven IPO-Beispielen für die Situation verantwortlich. "Solange Private Equity-Gesellschaften ihre Beteiligungen nicht veräußern können, solange werden sie auch keine neuen Schützlinge aufnehmen", so der Lahnsteiner. "Wir brauchen aber keine Wiederbelebung des Neuen Marktes. Wir brauchen lediglich eine Hand voll reibungsloser Börsengänge. Bei den wenigen Versuchen der letzten zwölf Monate waren einige Kandidaten nicht richtig aufgestellt oder sie wurden von der emittierenden Bank nicht optimal unterstützt."

Am Gründerelan änderte sich zuletzt wenig. Jeder Business Angel erhielt im zurückliegenden Quartal durchschnittlich 11,4 Businesspläne. Zuvor waren es noch 12. Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl der pro Engel geführten Beteiligungsgespräche (von 2,1 auf 2,3). Besonders erfreulich ist das Ergebnis der einzelnen Unterredungen. Jeder zweite Panel-Teilnehmer unterschrieb in den vergangenen drei Monaten einen neuen Beteiligungsvertrag. Zuvor war es nicht einmal jeder Vierte! Zeitgleich sank das durchschnittlich investierte Kapital. Machte im zweiten Quartal noch jeder Engel rund 193 000 Euro locker, waren es zuletzt nur noch gut 163 000 Euro. Der Anteil der Erstinvestments stieg dabei deutlich von 58 % auf 73 %. "Der deutsche Markt für informelles Beteiligungskapital nähert sich offensichtlich dem amerikanischen an", erklärt der Wittener Investor Georg Marekwica. "Die Engel verteilen ihr Kapital in kleineren Portionen auf viele Investments. Einzelne Großdeals werden immer seltener." Dementsprechend steigt die Zahl der Minderheitsbeteiligungen: Schon 62 % aller bestehenden Deals umfassen weniger als 10 % des Unternehmenswertes. Gestiegen ist auch die Größe jedes einzelnen Portfolios. Jeder Panelteilnehmer hat durchschnittlich 4,64 junge Unternehmen unter seinen Fittichen. Ein halbes Jahr zuvor waren es nur 3,27. Jörg Bartsch erwartet eine weitere Zunahme von kleinteiligen Syndizierungen: "Dadurch sinkt das Risiko des Einzelnen. Außerdem wächst das verfügbare Know-how."

Besonders beliebt unter Engeln sind nach wie vor Neue Materialien und die Medizintechnik. Erstmals in die Hitparade - und gleich auf Platz drei - schafften es Umwelttechnologien. Weniger Hoffnung auf himmlisches Kapital dürfen sich Gründer aus der Medien- oder Finanzdienstleistungsbranche machen. Die meisten Anfragen stammten zuletzt aus den Bereichen Life Science (15 %) und Software (11 %). Fast jedes zweite Kapital suchende Unternehmen (44 %) befand sich in der Seed-Phase.

Wie aber finden Business Angels die Rosinen unter den Beteiligungsangeboten? Laut Panel verlässt sich nur jeder Fünfte darauf, dass sich die Start-ups bei ihm melden. 80 % der Befragten suchen aktiv. Aber nur 16 % von diesen nimmt auch die Dienste von kommerziellen Mittlern in Anspruch.

Der jüngst vom Bund aufgelegte ERP-Startfonds erfreut sich großer Beliebtheit. Über 80 % der Engel wollen sich um Mittel aus diesem Topf bemühen. Die pari-passu Finanzierung eröffne die Möglichkeit, auch größere Transaktionen durchzuführen und reduziere das individuelle Risiko.

STEFAN ASCHE



Copyright © 2008 VDI Verlag GmbH | Impressum