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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel III/2005

Business Angels Panel: Private Wagniskapitalgeber sind optimistischer als im Vorquartal - Umfrageteilnehmer melden ersten Börsengang

Mehr Bewegung auf dem Exit-Markt

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11.11.05

Die Stimmung unter den Business Angels in Deutschland hellt sich wieder auf. Nach Ergebnissen einer VDI nachrichten-Studie spielen dabei der anstehende Regierungswechsel und die Einführung des Entry Standards, des neuen Börsensegments für kleine und mittelständische Firmen, eine Rolle. Der durchschnittlich pro Engel investierte Betrag ist unterdessen stark gesunken. Der Trend geht hin zu kleineren Deals und Co-Investments.

Wirklich euphorisch sind die privaten Wagnisfinanzierer in Deutschland nicht: Die 24 Teilnehmer des jüngsten Business Angels Panels bewerteten ihre Geschäftslage im 3. Quartal 2005 mit durchschnittlich 4,24 Punkten. Zugrunde lag eine Skala von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut). Der Wert ist zwar deutlich höher als im Vorquartal (3,5). Er liegt aber noch unterhalb des Durchschnitts der vergangenen zwei Jahre (4,3).

Auch die Geschäftsaussichten hellten sich auf. Nach über zwei Jahren des Abschwungs blieb das Stimmungsbarometer im 3. Quartal bei 4,38 Punkten stehen. Zuvor wurden nur 4,09 Punkte erreicht. Aber: Mit Ausnahme des 2. Quartals 2005 lag der Wert in den letzten drei Jahren immer über 4,5.

Der Bocholter Business Angel Hans-Otto Becker hält diese potenzielle Trendwende für "Vorschusslorbeeren". "Es ist wie an der Börse. Auch da denken viele, dass es aufwärts geht. Sie investieren nur, um von Beginn an dabei zu sein." Getragen werde der Optimismus u.a. vom anstehenden Regierungswechsel. "Allein die Aussicht, dass sich in Deutschland was ändern wird, macht vielen Mut." Auch die Einführung des neuen Börsensegments "Entry Standard" für kleine und mittlere Unternehmen sei positiv. "Allerdings werde ich die dortige Entwicklung zunächst mal abwarten", erklärt der Business Angel des Jahres 2003.

Die Anzahl der von Jungunternehmern verschickten Businesspläne ist unterdessen rückläufig. Als Indiz für sinkenden Gründer-Elan wertet Becker das nicht. "Immer mehr Engel gehen dazu über, sich zuerst mit interessanten Teams zu unterhalten. Sie wollen erleben, ob die Mannschaft ein Feuer entfachen kann. Erst wenn das geklärt ist, sind sie bereit, sich durch Zahlenberge zu kämpfen." Diese Einschätzung wird dadurch untermauert, dass die Zahl der Beteiligungsgespräche wuchs. Jeder Business Angel stieg mit durchschnittlich 2,91 Teams in konkrete Verhandlungen ein. So hoch war die Quote seit fast drei Jahren nicht. Erfolgreich abgeschlossen wurden letztlich aber nur wenige Vertragsanbahnungen. Rein rechnerisch ging jeder Panel-Teilnehmer 0,33 neue Beteiligungen ein. Im Vorquartal waren es noch 0,5.

Investiert hat jeder Business Angel durchschnittlich 49 545 €. Das ist sehr viel weniger als im Vorquartal (125 333 €) und weit weg von den Höchstständen, die zu Beginn der Panelerhebung Anfang 2002 erreicht wurden (über 200 000 €). Becker sieht darin eine klare Entwicklung: "Als die Business-Angel-Idee in Deutschland vor einigen Jahren Fuß fasste, engagierten sich vor allem sehr reiche Investoren. Sie schlossen sogar Millionendeals ab. Von diesem Geld ist bis heute viel gebunden oder wurde verbrannt. Aktuell investieren Engel viel vorsichtiger. Sie suchen ihr Heil häufig in Syndikaten. Im Verbund mit anderen Kapitalgebern senken sie ihr individuelles Risiko - und natürlich die Investitionshöhe."

Am liebsten beteiligen sich die Panel-Teilnehmer noch immer an Medizintechnik-Unternehmen. Jeder Zweite schätzt die Branche als zumindest "attraktiv" ein. Mit kleinem Abstand folgt auf Platz 2 das Thema Neue Materialien. Stark zugelegt in der Gunst der Engel haben Umwelttechnologien. Sie stiegen in der Hitparade von Platz fünf auf Platz drei. Fast jeder dritte Engel wäre einem Engagement in diesem Segment nicht abgeneigt. Eine ähnliche Zustimmungsquote genießt die Energiebranche auf Platz 4. Angesichts der zuletzt sehr erfolgreichen Börsengänge von Gesellschaften aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien ist das nicht verwunderlich.

Einen schweren Stand haben nach wie vor die Anbieter von Hardware. 50 % der Panel-Teilnehmer halten die Branche für "nicht attraktiv". Das bedeutet - zum dritten Mal in Folge - den ungeliebten ersten Platz auf der "schwarzen Liste". Neu darauf ist der Maschinenbau. Jeder fünfte Engel möchte damit nichts zu tun haben.

Kapital für neue Deals ist bei den Engeln nach wie vor ausreichend vorhanden. Die Panel-Teilnehmer haben erst 51,5 % ihrer für Angel-Beteiligungen vorgesehenen Mittel investiert. Im Vorquartal waren noch 54,9 % der Gelder gebunden.

Wenig Veränderungen im Vergleich zum 2. Quartal des Jahres gab es zuletzt auch bei der durchschnittlichen Beteiligungsgröße: Mehr als die Hälfte aller Deals hat ein Volumen von weniger als 10 % des Unternehmenswertes. Mehrheitsbeteiligungen wurden nicht gemeldet.

Viel Bewegung gekommen ist in den Exit-Markt. Zehn Business Angels haben sich von Beteiligungen getrennt. Mehr waren es zuletzt im 4. Quartal 2002. Damals mussten allerdings 60 % abgeschrieben werden. In der jüngsten Erhebungsrunde wurden nur vier Portfolio-Unternehmen Opfer einer Liquidation (40 %). Zwei wurden an andere Unternehmen verkauft (Trade Sale). Eine Gesellschaft konnte sogar auf das Parkett entlassen werden. Das war der erste Börsengang, an dem ein Panel-Teilnehmer beteiligt war.

Im Durchschnitt hat jeder Business Angel vier Beteiligungen im Portfolio. Im 2. Quartal waren es noch 3,8.

Befragt nach den Wünschen an eine neue Bundesregierung ergibt sich eine klare Rangfolge. Alle Engel fordern die Anhebung der Wesentlichkeitsgrenze auf über 25 %. Derzeit sind Veräußerungen von Beteiligungen nur dann steuerfrei, wenn sie weniger als 1 % des Unternehmenswertes umfassen. Zwei Drittel aller Panel-Teilnehmer sprechen sich außerdem für Förderprogramme auch abseits des Hightech-Sektors aus.

Erstaunlich ist das internationale Engagement der privaten Wagniskapitalgeber. Fast jeder Dritte (29 %) hat bereits jenseits der Grenzen investiert. 71 % haben Interesse an Co-Investments im Ausland, 33 % würden eine Beteiligung sogar alleine wagen - ein interessantes Angebot vorausgesetzt. Mehr als die Hälfte (57 %) hat bereits Anfragen aus anderen Ländern erhalten. STEFAN ASCHE



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