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Samstag, 22. November 2008

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Die Ergebnisse des Business Angels Panel I/2006

Business Angels Panel: Gründungsförderer in Hochstimmung – beste Exitbilanz seit Jahren – ausreichend Kapitalreserven für neue Deals


Engel investieren am liebsten in Medizintechnik


VDI nachrichten, Düsseldorf, 12.05.06

Die Stimmung unter den privaten Wagniskapitalgebern in Deutschland steigt weiter. Das ist das zentrale Ergebnis des jüngsten Business Angels Panels, einer Erhebung der VDI nachrichten. Hintergründe sind aktuelle Konjunkturerwartungen, neuer Schwung an den Börsen und öffentliche Förderprogramme. Gründer schreiben unterdessen wieder mehr Businesspläne. Deren Qualität steigt.

Derart zufrieden waren die Business Angels in Deutschland lange nicht. Sie bewerteten ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2006 auf einer Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) mit durchschnittlich 5,07 Punkten. Das ist ein Rekordwert in der vierjährigen Geschichte des Business Angels Panels.

Auch die Geschäftsaussichten sind anscheinend rosig. Nur einer der insgesamt 30 Teilnehmer der jüngsten Erhebungsrunde sieht schwarz für die Zukunft. Im Durchschnitt vergaben die Panelisten 5,33 Punkte. Diese Zahl wurde bisher nur einmal knapp getoppt. Das war im ersten Quartal 2004. Damals lag der Wert bei 5,4. Als einen Grund für diesen Optimismus vermutet Business Angel Hartmut Happich die gute Verfassung der Weltwirtschaft. „Das strahlt auch auf den nationalen Markt ab.“ Außerdem ist der Wuppertaler zuversichtlich, dass die Politik in Deutschland schon bald unternehmerfreundlicher wird. „Ein Beispiel ist die ausufernde Bürokratiebelastung. Das Problem ist erkannt und wird jetzt angegangen.“ Investor Andreas Schrenk aus Bayreuth macht ebenfalls die anziehende Weltwirtschaft für die Hochstimmung verantwortlich. „Die aktuellen Konjunkturerwartungen sind schließlich wieder auf dem Niveau des Jahres 2000.“ Rolf Richter, Privatinvestor aus Braunschweig, vermutet als weiteren Stimmungsaufheller den Hightech-Gründerfonds. Die Initiative von Bund, KfW und drei Konzernen ermögliche interessante Co-Investments. „Wenn ein Business Angel 50 000 € in ein Jungunternehmen investiert, legt der Fonds unter Umständen 500 000 € obendrauf.“

Neuen Mut haben auch die Unternehmensgründer gefasst. Jedenfalls haben sie wieder mehr Businesspläne verschickt. Deren Qualität hat sich laut Richter weiter erhöht. Jeden Engel erreichten im Durchschnitt über 14 Geschäftsideen. Im Vorquartal waren es nur rund elf. Die Adressaten zeigten sich durchaus interessiert. Sie haben etwa jede dritte Einsendung intensiv beäugt. Zum Beteiligungsgespräch luden sie immerhin noch etwa jeden fünften Kandidaten ein. Einen Vertrag ergatterten aber nur wenige: Nicht einmal jeder zweite Engel (47 %) ging im ersten Quartal 2006 einen neuen Deal ein. Das entspricht etwa dem Wert von vor einem Jahr (50 %), ist aber deutlich tiefer als im Vorquartal (64 %).

Investiert hat jeder Business Angel im Durchschnitt 54 316 €. Davon kamen 59 % Erstinvestments zugute. Der Rest floss in die Kassen von Firmen, die bereits vorher unter den Fittichen der Engel waren. Die Zeiten, in denen knapp 200 000 € pro Investor und Quartal investiert wurden, scheinen endgültig vorbei zu sein. „Die zurückliegenden Totalabschreibungen sind noch nicht verdaut“, erklärt Happich. „Außerdem geht der Trend hin zur Syndizierung“, ergänzt Richter. „Die Business Angels verteilen ihr Geld auf mehrere kleine Deals, um das Risiko zu minimieren.“

Diese Einschätzung wird untermauert von der durchschnittlichen Beteiligungsgröße: 47 % aller bestehenden Deals haben ein Volumen von unter 10 % des Unternehmenswertes. Mehrheitsbeteiligungen gibt es nicht.

Das Durchschnittsportfolio ist nach den Ergebnissen der jüngsten Panel-Runde gefüllt mit 5,76 Beteiligungen. Im Vorquartal lag der Wert noch bei 4,83. Geschuldet ist dieser Anstieg dem Engagement eines einzelnen Teilnehmers. Er allein betreut 33 Start-ups.

Erfreulich entwickelte sich die Exitbilanz. Erstmals seit zwei Jahren wurde keine Beteiligung mehr liquidiert. Stattdessen wurden drei Verkäufe an strategische Investoren und ein Verkauf an die Gründer gemeldet. Dank des frischen Winds auf dem Parket konnten sogar zwei Börsengänge realisiert werden.

Geld für neue Investitionen ist weiterhin vorhanden. Im Durchschnitt hat jeder Business Angel erst 61,8 % seiner für Beteiligungen vorgesehenen Mittel investiert. Das entspricht dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre.

Die beliebteste Branche ist zum fünften Mal in Folge die Medizintechnik. Schrenk: „Das ist der Wachstumsmarkt schlechthin.“ Ähnlich sieht das auch Happich. Als Erklärung verweist er auf die demografische Entwicklung: „Die Menschen werden immer älter. Der Bedarf an medizinischer Betreuung wächst.“ Ein großes Potenzial traut der Wuppertaler außerdem der innovativen Nahrungsmittelproduktion – etwa auf Basis der Gentechnologie – zu.

Die meisten Engel rechnen weiterhin mit guten Geschäften. Mehr als zwei Drittel (67,9 %) gehen davon aus, dass die Einstiegsbewertung von Start-ups in den kommenden drei Jahren konstant bleibt. Gleichzeitig sind 78,6 % davon überzeugt, dass die Exit-Bewertung im selben Zeitraum steigt. Mit anderen Worten: Die Engel rechnen damit, weiterhin günstig einkaufen und teuer verkaufen zu können. Schrenk: „Business Angels sind eben sehr optimistisch. Sonst würden sie diesen Job nicht machen.“ Richter ist da eher skeptisch. „Das Selbstbewusstsein der Gründer steigt. Die Einstiegsverhandlungen sind schon deutlich härter geworden.“

STEFAN ASCHE



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