VDI nachrichten Logo

Das Infoportal für Ingenieure.

Donnerstag, 28. August 2008

Sie befinden sich hier: vdi-nachrichten.com » Studien und Panels » Business Angels Panel

Die Ergebnisse des Business Angels Panel II/2006

Business Angels Panel: Wagnisfinanzierer blicken gedämpft optimistisch in die Zukunft – am liebsten finanzieren sie Medizintechnik-Ideen

Engel kehren Nanotechnik den Rücken

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 8. 06, sta – Die privaten Gründungsförderer in Deutschland waren schon mal besser gelaunt. Das zeigt das Business Angels Panel der VDI nachrichten. Als ein Grund für den aktuellen Knick in der Stimmungskurve wird die anhaltende steuerliche Benachteiligung von Risikokapital-Investitionen angegeben. Die Financiers erwarten von der Bundesregierung verbesserte Rahmenbedingungen.

Wilfried H. H. Remmers aus Seevetal ist sauer. Stellvertretend für viele Business Angels erklärt er: „Wir investieren unser privates, bereits versteuertes Kapital in potenzielle Zukunftstechnologien. Unser Engagement ist riskant – oft genug geht der Einsatz verloren. Und was ist der Dank? Sobald wir Erfolg haben, schlägt der Fiskus noch mal zu. Der Staat kassiert fast immer, wenn wir ein mühsam aufgepeppeltes Jungunternehmen verkaufen können. Das muss endlich aufhören!“ Angehoben wird die Laune des Niedersachsen auch durch die aktuelle Gründerwelle nicht. „Viele von denen, die sich in den letzten Monaten selbstständig gemacht haben, waren vorher arbeitslos. Sie wagen den Sprung nur, weil sie öffentlich gefördert werden. Die Geschäftskonzepte sind aber oft nicht durchdacht. Business Angels können von dieser vermeintlichen Aufbruchstimmung jedenfalls nicht profitieren.“ Andreas Schrenk aus Bayreuth teilt diese Einschätzung nicht. „Die Konzepte, die mich erreichen, sind inzwischen sehr gut ausgearbeitet. Gute Ideen gibt es reichlich. Und die Bedeutung von Business Angels wächst. Venture-Capital-Gesellschaften ziehen sich schließlich immer mehr aus der Frühphasenfinanzierung zurück.“
Unter dem Strich bewerteten die 26 Teilnehmer der jüngsten Panel-Erhebung ihre Geschäftslage mit 4,88 Punkten. Die Skala reichte von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut). Für die Geschäftsaussichten vergaben sie durchschnittlich 4,92 Punkte. Beide Werte sind also im Vergleich zum Vorquartal gesunken.

Deutlich gesunken ist auch die Zahl der Businesspläne, die jeden Panelisten erreichte. Mit einem Wert von durchschnittlich 8,19 wurde ein neuer Tiefstwert in der viereinhalbjährigen Geschichte der Umfrage markiert

Remmers: „Vielleicht hat es sich herum gesprochen, dass viele Finanzierer eine sehr viel strengere Auswahl treffen als früher. Vermeintliche Gründer, die nicht voll hinter ihrem Projekt stehen, versuchen schon gar nicht mehr, einen Geldgeber zu finden.“
Für diese These spricht die Tatsache, dass die Zahl der neu eingegangenen Beteiligungen trotz sinkender Anfragezahlen fast konstant blieb: Wieder einmal ging fast jeder zweite Business Angel (48 %) im 2. Quartal einen neuen Deal ein. Darunter gelitten hat das frei verfügbare Kapital. Im Durchschnitt sind bei den Panel-Teilnehmern inzwischen 64,6 % der insgesamt für Angel-Investments vorgesehenen Mittel investiert. Vor einem Jahr waren es zehn Prozentpunkte weniger. Werner Hackenberg, Privatfinancier aus Mülheim an der Ruhr, freut sich über diesen Investitionseifer seiner Kollegen. Gleichzeitig mahnt er: „Leider steigt die Gesamtzahl der Business Angels kaum. Es fehlt der Nachwuchs.“

Das durchschnittlich pro Engel investierte Kapital stieg von rund 54 000 € im 1. Quartal auf zuletzt über 93 000 €. Dieser Sprung ist allerdings der Spendierlaune eines einzelnen Umfrageteilnehmers geschuldet. Er machte insgesamt 600 000 € locker.
62 % aller investierten Gelder flossen an Erstinvestments, der Rest kam Unternehmen zu Gute, die sich schon vorher unter der Obhut ihrer Mentoren befanden. Im Durchschnittsportfolio tummeln sich inzwischen 6,73 Start-up-Firmen. Diese hohe Zahl erklärt sich dadurch, dass ein Panelteilnehmer inzwischen 36 Firmen betreut – untypisch für „normale“ Business Angels.
Die meisten Beteiligungen (53%) haben ein Volumen von weniger als 10% des Unternehmenswertes. Gleichzeitig sind 13% aller Deals Mehrheitsbeteiligungen. Der Business Angel hält also mehr als 50% der Unternehmensanteile.

Engels Liebling ist und bleibt die Medizintechnik. 57 % aller Umfrageteilnehmer halten Geräte zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit für attraktive Investments. Auf den Plätzen folgen die Life-Science-Branche (Biologie, Chemie, Medizin) und die Anbieter von Umwelttechnologien. Überraschend: Erstmals seit Beginn der Panelerhebung sind die Neuen Materialien nicht mehr unter den Top-3. Dazu Hackenberg: „Die Umsetzung von Forschungsergebnissen in wirtschaftlich verwertbare Produkte dauert in diesem Segment meist sehr, sehr lange. Business Angels streben aber innerhalb von wenigen Jahren einen Exit an.“

Auf der Exitseite weht weiter ein frischer Wind. Die Flaute, in der es fast nur Abschreibungen zu melden gab, scheint vorbei. Im 2. Quartal wurden vier Verkäufe an andere Investoren, ein Verkauf an das Gründerteam und sogar zwei Börsengänge gemeldet. Leider waren auch wieder zwei Totalverluste zu beklagen. S. ASCHE

druckenSeite drucken versendenSeite versenden zurückzurück Seitenanfangzum Seitenanfang Favoriten\zu Favoriten hinzufügen Startseiteals Startseite einrichten RSSRSS
Copyright © 2008 VDI Verlag GmbH | Impressum