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Business Angels Panel II/2007

Business Angels Panel: Wagnisfinanzierer sind unzufrieden mit Steuerplänen des Finanzministers - beliebteste Branche: Umwelttechnik

Steinbrück verschreckt Engel

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10.08.07, sta - Noch helfen Business Angels, Start-ups in Deutschland aufzubauen. Dabei investieren sie viel Zeit und Geld - aktuell am liebsten in Umwelttechnologien. Doch zusehends schwindet ihre Hoffnung, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen ihrer schwierigen Aufgabe endlich angepasst werden. Ergebnisse des Business Angels Panels für das zweite Quartal 2007.

Das politische Gezerre um die künftige Förderung von Wagnisfinanzierern schlägt den Business Angels aufs Gemüt. Gehofft hatten die "himmlischen Geldgeber" auf eine echte Anerkennung ihrer volkswirtschaftlich wichtigen Aufgabe. Bekommen sollen sie nach aktuellem Stand aber fast nichts. Das derzeit diskutierte "Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG)" bringt ihnen kaum Entlastung. "Die angekündigte Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von 9060 € auf 20 000 € würde nur dann voll zum Tragen kommen, wenn der Engel 100% der Unternehmensanteile besitzt", erklärt Roland Kirchhof, Vorstand vom Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). "Das gibt es in der Praxis aber nicht. Beteiligungsgrösse Dementsprechend kommen die Engel auch immer nur in den Genuss von winzigen Bruchstücken des Freibetrags."

Mittelbar bedeute das MoRaKG laut Kirchhof sogar eine Schlechterstellung der vermeintlich geförderten Zielgruppe. "De facto sinkt die Wahrscheinlichkeit, künftig wirklich etwas zu erreichen." Anfragen an die Politik könnten künftig damit beantwortet werden, dass doch erst jüngst eine Verbesserung auf den Weg gebracht worden sei.

Angesichts dieser Perspektiven bewerteten die 24 Teilnehmer des Business Angels Panels ihre Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuletzt. Auf einer Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut) reichte es lediglich für 5 Punkte. Im Vorquartal lag der Wert noch bei 5,63 Punkten. Einen ähnlich dramatischen Absturz hat es in den mittlerweile 22 Erhebungsrunden der Umfrage erst einmal gegeben.

Entwicklung des Geschäftsklimas Business Angels Geschäftsklima

Ein echtes Novum ist, dass die Geschäftsaussichten schlechter bewertet wurden als die aktuelle Geschäftslage. Hier hatten die Panelteilnehmer immerhin wieder durchschnittlich 5,38 Punkte vergeben. Diese Entwicklung ist bedrohlich. Denn: Wenn die von Berufs wegen eigentlich optimistischen Business Angels verschnupft sind, droht dem Gründermarkt in Deutschland die Grippe. Business Angels zählen zu den wenigen, die Gründer in der Startphase auch finanziell unterstützen. Stellen sie ihr Engagement aufgrund dauerhaft ungünstiger Rahmenbedingungen ein, wird die Unternehmenslandschaft in Deutschland mangels Nachwuchs schnell kränkeln.

Noch ist dieses Szenario nur eine dunkle Wolke am Horizont. Im jüngsten Untersuchungszeitraum des Panels, dem zweiten Quartal des laufenden Jahres, war das Klima für Gründer und Business Angels noch heiter. Ergebnisse der Umfrage:

Jeder Panelteilnehmer fand von April bis Juni durchschnittlich 8,75 Businesspläne in seinem Postkasten. Das waren geringfügig mehr als im Vorquartal (8,4). Fast unverändert blieb auch die Zahl der geführten Beteiligungsgespräche: Sie stieg leicht von durchschnittlich 1,8 auf 1,92. Von Erfolg gekrönt waren - wie im Vorquartal - wenige: Nur jeder dritte Engel ging eine neue Beteiligung ein.

Businesspläne / Beteiligungsgespräche

Deutlich angestiegen ist die durchschnittlich pro Engel investierte Summe. Sie kletterte von rund 42 000 € auf gut 63 000 €. Geschuldet ist dies nicht zuletzt einem einzelnen Engel, der stolze 280 000 € investierte und damit das Gesamtbild etwas verzerrt. Grund zur Freude auf Gründerseiten besteht also nicht wirklich - zumal die investierte Summe im Vorjahresquartal noch bei 93 000 €, im Jahr davor gar bei 125000 € gelegen hatte.
Pro Engel und Quartal investiertes Kapital
Erfreulich aber ist, dass mehr als drei Viertel der Investments (76%) solchen Start-ups zugutekamen, an denen sich der jeweilige Engel bislang nicht beteiligt hatte.

Gleichzeitig stieg das für Angel-Investments verfügbare Budget. Die Panelteilnehmer hatten im zweiten Quartal des Jahres erst knapp 59% ihrer für Beteiligungen reservierten Mittel investiert. Anfang des Jahres waren noch über 66% fest verplant.

Ein Grund für diese Entwicklung dürfte die erfreuliche Exit-Bilanz sein. Von insgesamt sieben aufgelösten Beteiligungen mündete nur eine in einer Liquidation. Drei Anteilspakete wurden an einen strategischen Investor verkauft ("Trade Sales"), ein Engel fuhr die Ernte seiner Arbeit an der Börse ein.

Entsprechend geschrumpft ist - und das zum vierten Mal in Folge - die Größe des Durchschnittsportfolio. Aktuell hält jeder Business Angel rein rechnerisch 4,54 Beteiligungen unter seinen Fittichen. Vor einem Jahr noch wurde der Höchststand mit 6,3 Beteiligungen markiert.

Unverändert geblieben ist Engels Liebling: die Umwelttechnologie. Wie schon im Vorquartal halten die meisten Panelteilnehmer die Branche aktuell für attraktiv. Bewegung gab es unterdessen auf den Rängen. Die einst gefeierten und dann mangels marktfähiger Produkte abgestraften Neuen Materialien erleben eine Renaissance. Neun Monate waren sie aus den Top 5 verschwunden. Nun sind sie auf Anhieb wieder die Zweitplatzierten. Mit Platz drei begnügen muss sich die Medizintechnik. Nach zweieinhalb Jahren gehört sie erstmals nicht mehr zum Spitzenduo. Welche Branchen sind derzeit attraktiv für Business Angels ?

Gesetzt den Fall, der Gesetzgeber würde sich doch noch zu einer wirklichen Unterstützung von Business Angels in Deutschland - etwa auf steuerlicher Ebene - entschließen können: Würde das dem informellen Wagniskapitalmarkt in Deutschland einen nachhaltigen Impuls geben? 83 % der Panelteilnehmer sind davon überzeugt. Anders Uwe Köhler. Der Investor aus Braunschweig meint: "Die Motivation der Business Angels ist wohl nur in wenigen Fällen durch die Steuergesetze geprägt und beeinflusst." Grundsätzlich gelte: "Wer in diesem Land mit solch üppigen Leistungen - Sicherheit, Umwelt, Straßen etc. - lebt, sollte auch etwas dazu beitragen, dass diese erhalten bleiben."

STEFAN ASCHE

 
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