Business Angels Panel III 2007
Business Angels Panel: Private Wagnisfinanzierer verlieren Optimismus - Interesse an neuen Deals sinkt
Herzen der Engel schlagen weiter für Medizintechnik
VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 11. 07, sta -
Lange wurde in Berlin darüber gestritten, wie der private Wagniskapitalmarkt in Deutschland attraktiver gestaltet werden könnte. Hintergrund war die Erkenntnis, dass die dortigen Akteure wesentlich zum Aufbau neuer Firmen und damit zum Wirtschaftswachstum beitragen. Aktuell sieht es nun so aus, dass sich nur wenig bewegen wird. Das schlägt den Gründungsförderern aufs Gemüt. Ergebnisse des jüngsten Business Angels Panels.
Roland Kirchhof ist enttäuscht. Wochenlang hat sich als Vorstand des Business Angels Netzwerks Deutschland (BAND) dafür eingesetzt, dass die Steuerlast der privaten Wagnisfinanzierer im Inland gesenkt wird. Am Ende richtete er eine vier Punkte umfassende Wunschliste gen Berlin. Demnach sollen Veräußerungsgewinne dann steuerfrei sein, wenn sie binnen einer bestimmten Frist erneut in Start-ups investiert werden. Außerdem sollen Verluste aus gescheiterten Beteiligungen generell abzugsfähig sein. Gleiches möge von vornherein für 20 % der Summe gelten, die Jungunternehmen zur Verfügung gestellt wird. Und: Die Wesentlichkeitsgrenze soll von 1 % auf 25 % angehoben werden - Veräußerungsgewinne wären also erst dann steuerpflichtig, wenn mehr als ein Viertel aller Unternehmensanteile verkauft wurden.
"Nach meinem jetzigen Kenntnisstand besteht aber nur beim ersten Vorschlag die Möglichkeit, dass er tatsächlich umgesetzt wird", so Kirchhof. Die zweite Idee werde vielleicht noch diskutiert. "Der Rest hat aber wohl keine Chance." Angeblich ließen sich die Punkte entweder nicht mit dem deutschen Steuerrecht vereinbaren oder sie stünden Vorgaben aus Brüssel entgegen.
Kirchhof ist mit seiner Enttäuschung nicht allein. Viele Wagnisfinanzierer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die 29 Teilnehmer des jüngsten Business Angels Panels bewerteten ihre Geschäftsaussichten im dritten Quartal 2007 mit durchschnittlich nur noch 4,38 Punkten (1= sehr schlecht, 7 = sehr gut). Das ist der zweitschlechteste Wert in der fast fünfjährigen Geschichte der quartalsweisen Befragung.
Auch die aktuelle Geschäftslage wird weniger rosig gesehen als zuletzt. Hier haben die Panelteilnehmer durchschnittlich nur 5,07 Punkte vergeben.
Entwicklung des Geschäftsklimas
Business Angels Geschäftsklima
Das Finanzministerium ist aber nicht allein Schuld an der Stimmungsabkühlung unter Business Angels. Thomas Henrich verweist beispielsweise auch auf die zuletzt gestiegenen Preise für Frühphaseninvestments. "Außerdem wirkt sich die US-Immobilienkrise und eine drohende Überhitzung der Märkte in China negativ auf den deutschen Kapitalmarkt aus." Henrich ist selbst aktiver Investor und Geschäftsführer der Exba GmbH, einer Online-Plattform für Business Angels und Gründer.
Die schlechte Laune der Engel hat Konsequenzen für Unternehmensgründer. Ihre Chancen auf Startkapital sinken. Das zeigt auch das Panel: Nicht mal jeder fünfte der befragten Wagnisfinanzierer ist im dritten Quartal eine neue Beteiligung eingegangen. Im Vorquartal war es noch jeder Dritte. An mangelndem Angebot kann dieser Einbruch nicht gelegen haben. Schließlich hat jeder Panelteilnehmer im Durchschnitt fast zwölf Businesspläne zugeschickt bekommen - drei mehr als im Vorquartal. Das generelle Interesse an neuen Deals scheint abzunehmen. Jedenfalls führte jeder der Befragten zuletzt nur 1,93 Beteiligungsgespräche. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2006 waren es noch 2,7.
Den Kopf in den Sand stecken sollten potenzielle Gründer trotzdem nicht. Immerhin haben die Business Angels im Durchschnitt noch gut 40 % ihrer für Angel-Investments vorgesehenen Mittel nicht ausgegeben. Gleichzeitig ist der pro Engel investierte Betrag zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Zwischen Juli und September hat jeder Panelteilnehmer im Mittel 79 500 Euro ausgegeben. Geschuldet ist dieser Aufschwung allerdings nicht zuletzt dem großen Einsatz eines einzelnen Investors. Er investierte im Betrachtungszeitraum stolze 400 000 Euro.
Beste Karten im Wettbewerb um die Gunst der Engel haben Medizintechniker. Fast zwei von drei Investoren halten die Branche aktuell für attraktiv. Auf den Plätzen der Beliebtheitsskala folgen die Anbieter von Umwelttechnologien und Life-Science-Produkten. Deutlich geringere Chancen auf himmlisches Kapital haben Hersteller von EDV-Hardware, Chemiker und Finanzdienstleister.
Wer es unter die Fittiche eines Business Angels geschafft hat, gehört zu einem stets exklusiver werdenden Kreis: Zuletzt betreute jeder Panelteilnehmer nur noch durchschnittlich 4,29 Beteiligungen. Die Zahl sank damit zum fünften Mal in Folge. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2006 lag sie noch bei 6,7. Das Volumen der einzelnen Beteiligungen ist dabei zuletzt angestiegen. In immerhin 4% aller Portfoliounternehmen halten die Business Angels inzwischen sogar die Mehrheit. In gut jedem fünften Fall sind sie mit 26% bis 50% beteiligt.
Auch auf der Exit-Seite ist der Dampf ein wenig raus. Insgesamt trennten sich die Befragungsteilnehmer nur noch von fünf Beteiligungen. Eine wurde schmerzlich verabschiedet, nämlich via Abschreibung. Zwei wurden der Obhut von strategischen Investoren überlassen, also an andere Firmen verkauft. Eine ging den Königsweg des Exits, nämlich über die Börse. Vor einem Jahr war die Bilanz deutlich erfreulicher: Damals wurden 16 Exits gemeldet, darunter auch nur eine Liquidation. STEFAN ASCHE