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Engel in Aufbruchstimmung

Business Angels Panel: Teilnehmer mit Geschäftslage zufriedener denn je - frischer Wind auf Exitmarkt - Großes Interesse an neuen Deals

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 11. 06, sta ? Die Investitionsbereitschaft der privaten Gründungsförderer wächst. Viele sehen sich eingehende Businesspläne wieder genauer an. Hintergrund ist die Belebung auf dem Exitmarkt: Laut Business Angels Panel der VDI nachrichten hat sich jeder zweite Engel im dritten Quartal 2006 von einer Beteiligung getrennt. Besonders erfreulich: Es wurde nur ein Totalverlust gemeldet.

Thomas Henrich ist gut gelaunt. Und damit ist der private Gründungsförderer aus Frankfurt nicht allein. Viele seiner ?Kollegen? fühlen ähnlich. Das jedenfalls ist ein Ergebnis des jüngsten Business Angels Panels. Die Teilnehmer bewerteten ihre Geschäftslage im dritten Quartal 2006 mit 5,14 Punkten. Die Skala reichte dabei von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut). Noch nie wurde ein höherer Wert in der knapp vierjährigen Geschichte der Erhebung erreicht. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 4,24. Henrich erklärt: "Das liegt allein an den zuletzt guten Exitmöglichkeiten. Je besser die sind, desto besser ist auch unsere Stimmung."
Wie gut die Exitmöglichkeiten zuletzt waren, verdeutlichen folgende Zahlen: Die insgesamt 31 Befragten meldeten 16 Abgänge aus ihren Portfolios. Nur einer davon verlief unerfreulich, also in Form einer Totalabschreibung. In allen anderen Fällen wurde Kasse gemacht. Rechnerisch konnte also fast jeder zweite Engel sein Budget aufbessern. Das ist die beste Quote, die seit Beginn des Panels in 2002 erreicht wurde.

Sechs Beteiligungen wurden an andere Firmen verkauft ("Trade Sales"), jeweils drei wurden in die Obhut anderer Finanzinvestoren übergeben ("Secondary Purchases") bzw. von den Gründern zurückgekauft ("Buy Backs"). Zwei Business Angels konnten gar von einem Börsengang profitieren.
Dieser Erfolg ist laut Henrich kein Zufall. "Business Angels werden immer professioneller. Die Zeiten, in denen Start-ups in der Mittagspause betreut oder als Hobby im Ruhestand betrachtet wurden, sind vorbei."
Potenzielle Jungunternehmer wittern unterdessen Morgenluft. Sie glauben wieder an ihren Erfolg und versenden reichlich Businesspläne. Jeder der befragten Privat-Investoren erhielt im Schnitt gut 13 der ausformulierten und durchkalkulierten Geschäftsideen. Das sind rund fünf mehr als im zweiten Quartal des Jahres. Panel-Teilnehmer Uwe Köhler verzeichnet aber nicht nur eine erhöhte Quantität. "Auch die Qualität der Pläne ist weiter gestiegen." Als Mitglied der Jury, die im Vorfeld des Deutschen Business Angels Tages die dort präsentierenden Teams auswählte, konnte sich der Braunschweiger einen Überblick über die Marktlage verschaffen. "Dabei habe ich sehr viele Konzepte mit großem Potenzial gesehen."

Diese Erfahrung machten auch andere Engel: Jeder einzelne prüfte durchschnittlich 4,6 Pläne intensiv. Das sind rund 1,5 mehr als im Vorquartal. Auch die Zahl der geführten Beteiligungsgespräche stieg: Im zweiten Quartal war jeder Panel-Teilnehmer nur in 2,2 Vertragsverhandlungen eingestiegen. In der jüngsten Erhebungsrunde belief sich dieser Wert auf 2,7.
Für Gründer hat sich diese Aufbruchstimmung leider noch nicht ausgezahlt: Nur knapp jeder zweite Engel öffnete sein Portmonee und ging eine neue Beteiligung ein. Das entspricht exakt dem Niveau des Vorquartals. Dabei kam fast die Hälfte aller Finanzspritzen (44 %) solchen Unternehmen zugute, die sich schon im Portfolio des Engels eingenistet hatten.
Investiert hat jeder Engel durchschnittlich 46.730 Euro. Das ist deutlich weniger als im zweiten Quartal des Jahres (93.385 Euro). Damals wurde das Ergebnis allerdings stark beeinflusst von einem einzelnen Investor, der 600.000 Euro investierte. In der jüngsten Erhebung belief sich der höchste Einzelbetrag auf 300.000 Euro.
Beste Chancen auf himmlisches Kapital haben Gründer aus dem Bereich Life-Science. 57% aller Engel halten die Branche für attraktiv. Auf den Plätzen folgen Medizintechnik (41%) und die Biotechnologie (35%). Aus den Top 5 herausgeflogen sind die "Neuen Materialien". Dabei waren Nanotech & Co lange Zeit Engels Liebling. Stattdessen ist der Bereich Medien/Entertainment nun in die Gunst der Gründungsförderer aufgerückt. "In diesem Segment passiert gerade sehr viel", weiß Henrich. Als Geschäftsführer der EXBA Exchange for Business Angels GmbH, einer Börse für Beteiligungen, bekomme er regelmäßig einschlägige Ideen vorgelegt. "Zusätzlichen Rückenwind brachte der Börsengang der 10tacle Studios AG im Juni."
Auf den ersten Blick erstaunlich ist die Flexibilität der Business Angels: Über 80% der Befragten haben in der Vergangenheit schon in Firmen investiert, deren Geschäftsinhalt keinen Bezug zu den eigenen Berufserfahrungen hat. Köhler erklärt: "Bei der Förderung von sehr jungen Unternehmen stehen allgemeine Dinge wie etwa Unternehmensorganisation oder die Suche nach einem geeigneten Steuerberater im Vordergrund." Später könnten branchenfremde Einflüsse für beide Seiten sogar von Vorteil sein. "Der Business Angel streut sein Risiko, wenn er in mehreren Bereichen aktiv ist. Und die Gründer können sich über ihren Mentor eventuell Cross-Selling-Möglichkeiten erschließen."
Die Panel-Teilnehmer gehen davon aus, dass ihre gute Laune in den kommenden Monaten andauern wird. Sie bewerten ihre Geschäftsaussichten mit durchschnittlich 5,23 Punkten (1 = sehr schlecht, 7 = sehr gut). Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei nur 4,92. S. ASCHE

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