Kapitalmarktpanel: Stefan Hock, Baaderbank, zum Aktienmarkt
VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 1. 08, ps – Hält der Aufschwung des deutschen Aktienmarktes auch 2008 an? Was tut sich bei Neuemissionen? Fragen an Stefan Hock, Mitglied des Kapitalmarktpanels und Vorstand der Münchener Baaderbank.
VDI nachrichten: Herr Hock, die meisten Panelteilnehmer sind optimistisch für den deutschen Aktienmarkt, erwarten einen weiteren Dax-Anstieg. Sie auch?
Hock: Ich bin verhalten optimistisch. Aber auch 2008 wird der deutsche Aktienmarkt sehr volatil bleiben. Wir haben sehr widersprüchliche und sich immer wieder abwechselnde volkswirtschaftliche Einflüsse, auf die die Anleger reagieren.
VDI nachrichten: Aber unter dem Strich entwickelt sich die Börse doch prächtig. Seit 2005 hat der Dax Jahr für Jahr um mehr als 20 % zugelegt...
Hock: Das ist richtig. Sehr viele ausländische Investoren sind hier. Der Anstieg hängt sicher auch damit zusammen, dass sehr viel Geld im Markt ist. Außerdem erzielen die Unternehmen gute Gewinne. Daran gemessen sind Aktien nicht wirklich teuer. Dennoch ist ein weiterer Dax-Anstieg nicht zwangsläufig. Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren, die eine gewisse Korrektur nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen.
VDI nachrichten: Wo liegt das größte Risiko? Beim Euro, dem Ölpreis, steigenden Zinsen, einer US-Rezession, Terror?
Hock: Terroranschläge oder kriegerische Auseinandersetzungen, etwa in Pakistan, sind ein großes Risiko, weil sie überhaupt nicht kalkulierbar sind. Dass der Ölpreis weiter steigen wird, ist hingegen bis zu einem gewissen Grad eingepreist. Nur bei einem sehr heftigen Ausschlag dürfte das den Markt noch bewegen.
VDI nachrichten: Die US-Hypothekenkrise haben Sie abgehakt?
Hock: Nein, das nicht. Die Gefahr liegt auch hier in dem, was wir noch nicht wissen. Womöglich haben einige Institute noch riskante Positionen in ihren Büchern, die sie in ihrem Jahresabschluss offenlegen müssen. Da könnte noch einiges an Zündstoff liegen. Es ist aber davon auszugehen, dass die amerikanische Politik und die US-Notenbank im Wahljahr 2008 alles nur Erdenkliche tun werden, um das Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession zu vermeiden. Es ist zu erwarten, dass es weitere Hilfen für die Banken geben wird, Zinssenkungen sowie eine reichliche Liquiditätsversorgung.
VDI nachrichten: Das heißt, wir müssen noch einige Wochen zittern bis die Jahresabschlüsse der großen Banken vorliegen?
Hock: Ja, in einigen Wochen wird sich der Nebel teilweise lichten. Der Markt wird dann diese Risiken in die Kurse einrechnen.
VDI nachrichten: Was erwarten Sie bei Börsengängen in diesem Jahr? 2007 gab es lediglich 22 Neulinge im Prime Standard und relativ wenig große Transaktionen. Was steht dieses Jahr an?
Hock: Der Markt wird mehr denn je von den Käufern bestimmt. Daran dürfte sich nichts ändern. Wirklich große IPOs wird es nur wenige geben. Bei kleinen und mittleren Unternehmen werden wir eine ganze Reihe von Börsengängen erleben. Die Transaktionen werden aber nicht leichter, sondern tendenziell eher schwieriger werden als im vergangenen Jahr...
VDI nachrichten: ...was vielleicht auch daran liegt, dass viele Börsenneulinge des vergangenen Jahres enttäuscht haben. Zum Teil sind die Kurse ja kräftig in die Knie gegangen.
Hock: Ja, das mag sein, aber man darf es nicht generalisieren. Bei den Best-Performern waren auch ein paar sehr kleine Firmen dabei.
VDI nachrichten: Welche Unternehmen haben die besten Chancen für einen Börsengang?
Hock: Da möchte ich mich dem Panel anschließen. Umwelttechnik und Neue Energien sind auch 2008 ganz sicher vielversprechende Themen. Technologiegetriebene Werte dürften die besten Chancen haben. Also eher „Need-to-have“ als „Nice-to-have“.
VDI nachrichten: Was haben Sie selbst geplant? 2007 haben Sie gut 20 Transaktionen durchgeführt, mehrheitlich Kapitalmaßnahmen.
Hock: Wir haben für 2008 eine Menge in der Pipeline. Was die Zahl der Transaktionen betrifft, haben wir natürlich den Ehrgeiz, den Vorjahreswert zu übertreffen, aber auch das Volumen der von uns betreuten Transaktionen zu steigern. Weiter rechnen wir natürlich mit einer ganzen Reihe von Kapitalerhöhungen von Unternehmen, die wir bereits an die Börse begleitet haben. PETER SCHWARZ
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