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Unternehmen rechnen mit starkem Ingenieurmangel in der Zukunft Aktuelle Studie zeigt: Auch in konjunkturschwachen Zeiten haben mehr als 40% der Betriebe Schwierigkeiten, offene Positionen für Ingenieure zu besetzen/ Berufserfahrene Ingenieure besonders gesucht/ Unternehmen beklagen zu geringe Bewerberanzahl/ Sie fordern mehr Werbung für Ingenieurwissenschaften und praxisnähere Studiengänge Düsseldorf, 23.01.2004 Ingenieurmangel auch in konjunkturschwacher Phase Der Ingenieurmangel ist kein Zukunftsproblem, allenfalls wird er sich in der Zukunft weiter verschärfen. Denn auch in konjunkturschwachen Zeiten stehen nicht ausreichend Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Bereits jetzt fehlen Professionals und die absolute Bewerberanzahl ist für den Personalbedarf der Unternehmen nicht ausreichend. Selbst in der derzeitigen konjunkturschwachen Phase haben 42% der Unternehmen Probleme, offene Positionen für Ingenieure zu besetzen. In konjunkturstarken Zeiten - wie Ende der 90er Jahre - hatten 64% der befragten Betriebe Schwierigkeiten mit der Besetzung offener Stellen für Ingenieure. Als Folge des aktuellen Rekrutierungsproblems können fast 40% der Unternehmen ihre offenen Positionen nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung besetzen. In einem Fünftel der Betriebe werden weniger geeignete Bewerber eingestellt, 16% der Unternehmen besetzten diese offenen Stellen gar nicht. Geeignete Mitarbeiter fehlen vor allen Dingen im Bereich Forschung & Entwicklung und in der Konstruktion. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der VDI nachrichten und des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim) bei der 330 Unternehmen zum Thema „Fachkräftemangel bei Ingenieuren? Aktuelle Situation und Perspektiven“ befragt wurden. Die teilnehmenden Unternehmen verteilen sich gleichmäßig über alle Betriebsgrößen und kommen vorrangig aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugbau, Elektrotechnik und technische Dienstleistung. Folgen des Ingenieurmangels Die befragten Unternehmen befürchten, dass der Ingenieurmangel zu weniger Wettbewerbsfähigkeit führt und Innovationsprozesse ins Stocken geraten. Unternehmensintern werde der Ingenieurmangel zu einem höheren Gehaltsniveau führen. Außerdem nehmen die Betriebe an, dass sie gezwungen sein werden, Aufträge an Fremdfirmen zu vergeben. Als Folge des Mangels wollen die Unternehmen einerseits selbst aktiv werden, andererseits erwarten sie von Seiten der Bildungspolitik entsprechende Maßnahmen zur Gegensteuerung wie verstärkte Werbung für das Ingenieurstudium und eine Verkürzung der Studiendauer. Berufserfahrene Ingenieure fehlen Als Ursache dafür, dass auch zur Zeit offene Stellen nicht mit geeigneten Ingenieuren besetzt werden können, geben die Unternehmen an, dass die Bewerber nicht die gesuchten Qualifikationen (86%) mitbringen und dass ihnen Berufserfahrung und einschlägiges Know-how (72%) fehlen würden. Absoluter Mangel Außerdem stellen 74% der Betriebe fest, dass ihrem Personalbedarf an Ingenieuren entsprechend zu wenig Bewerbungen eingehen. Zweidrittel sehen die Ursache darin, dass es ein zu geringes Interesse an ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen gibt. Dass der Bedarf an Ingenieuren nicht gedeckt werden kann, liegt nach Angaben der Hälfte der Unternehmen auch daran, dass es keine systematische Qualifizierung arbeitsloser Ingenieure gibt. Zudem bewerten 41% der Betriebe die Ausbildungsinhalte als nicht aktuell und praxisnah. Mitarbeiterbindung und Personalmarketing werden jetzt schon verstärkt Bereits jetzt reagieren die Betriebe auf Stellenbesetzungsschwierigkeiten bei Ingenieuren mit Maßnahmen Mitarbeiterbindung und verstärktem Personalmarketing für junge Ingenieure. Eine große Rolle spielen hierbei die bedarfsorientierte Fort- und Weiterbildung, Rekrutierung über das Internet und ein verstärktes Engagement in Schulen und Universitäten. Spezifische Programme zur Einbindung von weiblichen Arbeitnehmern werden hingegen nur von knapp 12% der Betriebe als geeignete Reaktion auf den Ingenieurmangel angesehen, die Integration von Arbeitslosen bzw. die Einbindung älterer Arbeitnehmer von weniger als 10%. Drastischer Ingenieurmangel wird für die Zukunft befürchtet Über vier Fünftel (83%) der befragten Unternehmen erwarten einen deutlichen Ingenieurmangel in Deutschland in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Hauptgründe für diese Annahme sind die zu geringe Anzahl von Studienanfängern ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge (85%), ein gleichzeitig steigender Bedarf an Ingenieuren (77%) und die demographische Entwicklung, die sich in fehlendem akademischen Nachwuchs niederschlägt (67%). Mehr als die Hälfte der Betriebe (54 %) sehen auch in nicht ausreichend praxisorientierten Ausbildungs- und Studiengängen eine Ursache für einen zukünftigen verstärkten Ingenieurmangel. Der Abwanderung von Ingenieuren ins Ausland und zu restriktiven Zuwanderungsbedingungen für Ingenieure aus nicht EU-Ländern wird hingegen kaum Gewicht bei der Erklärung des zukünftigen Ingenieurmangels beigemessen. Mehr Werbung für das Ingenieurstudium und praxisnahes Studium gefordert Mehr als 90 % der Unternehmen fordern angesichts ihrer Erwartungen, dass für das Ingenieurstudium stärker geworben werden müsse. Hier wollen auch in Zukunft die Unternehmen selbst aktiv werden - 79% vor allen Dingen an Schulen und Universitäten. Außerdem sehen Vierfünftel der Unternehmen in praxisnäheren Studiengängen einen Weg, um den Ingenieurmangel zu beheben, auch eine Verkürzung der Studiendauer befürwortet über die Hälfte (58%). Die Studie ist kostenfrei erhältlich bei pkoether@vdi-nachrichten.com. Grafiken können angefordert werden bei csiemann@t-online.de. |