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Stellenwechsler: Arbeitsklima wichtiger als Geld
Studie: Ingenieurmangel sorgt für starke Verschiebung der
Präferenzen - Internationalität spielt keine Rolle mehr
Düsseldorf, 6. Juni 2008 - Unternehmen können angesichts der guten Konjunktur technische Fachkräfte nicht mehr allein mit Geld, sondern nur noch mit weiteren Vorteilen wie gutem Arbeitsklima, besseren Aufstiegsmöglichkeiten und Chancen auf neue Herausforderungen für einen Stellen- und Firmenwechsel gewinnen.
Vor allem Mittelständler können von den geänderten Präferenzen profitieren, weil früher wichtigere Faktoren wie Internationationalität deutlich verloren und weiche Kriterien seit 2006 stark gewonnen haben. Das ist das Ergebnis der Studie Stellenwechsler 2008, die das Markt- und Sozialforschungsinstitut IRES im Auftrag der VDI nachrichten durchgeführt hat. Zum zweiten Mal nach 2006 befragte IRES rund 330 Ingenieure in jeweils einstündigen Interviews zu ihren Einstellungen und Wünschen. Dabei waren die IRES-Forscher selbst überrascht, wie stark sich seit 2006 die Präferenzen verändert haben. "Man hat selten in zwei Jahren so starke Umschichtungen", so der Leiter der Studie, Dieter Franke.
Die Ursache: In den vergangenen zwei Jahren haben die starke wirtschaftliche Entwicklung und die gestiegene Nachfrage nach Ingenieuren dazu geführt, dass sie sich stärker ihres Marktwertes bewusst sind. So schätzen inzwischen 71 Prozent der Ingenieure die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt für sich als gut oder sogar sehr gut ein, 2006 waren es trotz der auch damals schon guten Konjunktur erst 42 Prozent. Berufsanfänger und potentielle Stellenwechsler beurteilen die Arbeitsmarktlage sogar noch besser, weshalb sie noch stärker auf nichtfinanzielle Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel achten, so die Studie der VDI nachrichten. Wie gut die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist, zeigt auch die stark gesunkene Zahl an Bewerbungen von Stellenwechslern. Verschickte 2006 ein Stellenwechsler noch durchschnittlich 29 Bewerbungen, bis er eine passende neue Stelle gefunden hatte, sind es derzeit nur noch zwölf.
Ein gutes Gehalt setzen Ingenieure inzwischen voraus, Wünsche wie Arbeitsklima, die Möglichkeit, Familie und Beruf zu verbinden, klar strukturierte Aufgaben in einem Unternehmen und Aufstiegschancen sind deshalb zu den entscheidenden Faktoren geworden, eine neue Stelle anzunehmen. Dies spiegelt sich wider in den Motiven für einen möglichen Stellenwechsel. War laut VDI nachrichten 2006 noch für 56 Prozent aller Ingenieure ein höheres Einkommen der meist genannte Grund, ist dieser Wert 2008 auf 47 Prozent gesunken. Zugenommen haben dagegen Gründe wie ?etwas Neues kennen lernen? (von 19 auf 24%) und der Wunsch nach einem besseren Arbeitsklima (von 15 auf 17%). Die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist dagegen für Ingenieure kaum noch von Bedeutung (von 15 auf 3%)
Noch stärker sind diese Verschiebungen bei den Ingenieuren ausgeprägt, die tatsächlich wechselten. Bei ihnen steht das Thema Geld nicht einmal an erster Stelle. Mit 36 Prozent nennen die meisten Wechselwilligen das bessere Arbeitsklima als wichtigsten Punkt - 2006 waren dies erst zwölf Prozent. Zweitwichtigstes Wechselmotiv war die Möglichkeit, neue Aufgabengebiete zu betreuen (von 14 auf 24%). Erst an dritter Stelle folgt der Wunsch nach besserer Bezahlung (Rückgang von 34 auf 23%). Knapp dahinter folgen Gründe wie "bessere Aufstiegsmöglichkeiten" (von 11 auf 21%), "anspruchsvollere Tätigkeit" (von 12 auf 19%) und "mehr Entscheidungskompetenz" (von 10 auf 18%).
Studienleiter Franke zieht aus den Ergebnissen den Schluss, dass es Unternehmen derzeit deutlich schwerer fällt, Ingenieure zu gewinnen. "Die Unternehmen müssen sich viel mehr anstrengen, um ihre Mitarbeiter zu binden und neue zu gewinnen", so Franke. "Da Geld als Motiv für Stellenwechsler nicht mehr dominiert, müssen die Unternehmen sehr viel stärker an ihren Strukturen arbeiten."
Das bietet insbesondere mittelständischen Unternehmen neue Chancen, auch Top-Leute zu gewinnen. So sind internationale Karrierechancen und die weltweite Präsenz eines Unternehmens an die letzte Stelle der Entscheidungsgründe gerückt, so die VDI nachrichten. Auch das Renommee des Unternehmens hat als Faktor verloren, was die Chancen mittelständischer Unternehmen verbessert. Schließlich hat auch die Bereitschaft zur Mobilität stark nachgelassen. Bei einem attraktiven Angebot den Wohnort wechseln würden nur noch 44 Prozent der Ingenieure, 2006 war es noch 54 Prozent.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie
unter www.vdi-nachrichten.com/studien
Die komplette Studie ist als Booklet zzgl. einer CD im DIN A4-Format mit 133 Seiten zum Preis von 249,- EUR inkl. MwSt. ISBN: 978-3-18-990079-8 oder nur als CD zum Preis von 199,- EUR inkl. MwSt. ISBN: 978-3-18-990080-4
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