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Internet: Online-Tagebücher finden immer mehr Fans - Fototausch im Netz entwickelt sich zum Kult

Blogger entdecken das Bild

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 2. 05 - "Flickr" nennt sich ein neues Tool der Blogger-Szene, das immer mehr Anhänger findet. Dabei ist der neue Fototausch-dienst im Internet eigentlich noch immer eine Beta-Version.

Seit der Flut im Indischen Ozean kennt sie fast jeder: Weblogs. Augenzeugen berichteten in diesen Online-Tagebüchern über ihr Schicksal. Sie stellten Foto- und Videoaufnahmen des Tsunami ins Netz, bevor das Fernsehen sie zeigte. Vor allem die knapp 2000 Bilder des gerade 2004 gegründeten Web-Service Flickr zeigten die Verwüstungen in einem ungeahnten Ausmaß.
Mit dem im kanadischen Vancouver entwickelten Flickr können Nutzer digitale Bilder speichern, organisieren, tauschen und kommentieren. Inzwischen haben mehr als 230 000 Mitglieder aus aller Welt schon über 3,5 Mio. Bilder ins Netz gestellt, und jede Woche werden es mehr. Dabei ist Flickr kein simples Fotoalbum. Denn Nutzer wie Betrachter können jedem Bild Begriffe zuordnen Damit sind Bilder nicht nur leichter wiederzufinden, die Begriffe erlauben auch Querverweise auf andere Fotos, die mit denselben Begriffen etikettiert wurden. Außerdem kann man die beliebtesten Begriffe, in Blogsprache sind das "Tags", abonnieren. Mit dem Tag "Zürich" lassen sich so täglich neue Zürich-Bilder bestaunen.
Flickr ermöglicht auch das kollektive Bildersammeln - so können Bilder nicht nur bezeichnet, kommentiert und getauscht werden. Gemeinschaftsprojekte wie das des Amerikaners Ross Mayfield sind ebenfalls möglich: Er rief dazu auf, Bilder zu veröffentlichen, die am Wochenende von Firmenparkplätzen im kalifornischen Silicon Valley aufgenommen wurden. Denn wenn Mitarbeiter auch am Wochenende im Betrieb arbeiten, muss etwas Bahnbrechendes bevorstehen, so eine alte Wall-Street-Weisheit. Anwendungen gibt es viele: Während Mayfield mit Flickr den Firmenparkplatz zum Investorenindikator kürt, zeigt der Hamburger Online-Journalist Lorenz Lorenz-Meyer auf Flickr seinen Heimarbeitsplatz, während der Münchner Journalist Fabian Mohr Bildfundstücke seiner Spaziergänge in und um München veröffentlicht.
Inzwischen gibt es auch Anläufe, Flickr mit Ortsdaten zu verbinden. So experimentierte ein Amerikaner damit, seine Bilder in und rund um Seattle mit GPS-Daten zu versehen und digital auf einer Stadtkarte einzuzeichnen. Der Dienst Mappr.com verwendet Tags, die Ortsnamen verwenden, um auf einer USA-Landkarte alle Bilder anzuzeigen, die einem Ort zuzuordnen sind. Auch haben einige Nutzer bereits Bildschirmschoner entwickelt, die Flickr-Bilder verwenden.
Wenn man nicht alle Bilder zeigen will, kann man sie als zahlendes Mitglied in einem öffentlichen und einem privaten Bereich einsortieren. Immerhin rund 80 % der Flickr-Nutzer zeigen ihre Bilder aber allen. Flickr ist das bislang erfolgreichste Fototauschangebot im Netz zu sein. Der 2002 in Kalifornien gegründete Dienst Buzznet bietet zwar nahezu denselben Service an wie Flickr, ist jedoch mit 60 000 Mitgliedern und 800 000 Bilder etwas kleiner. Auch der amerikanische Fotodienst Pbase ist bereits seit 1999 online - kann allerdings nicht mit Tags und Kommentaren wuchern, die bei Flickr das Quersurfen so interessant machen.
 CH. SCHULZKI-HADDOUTI
 www.flickr.com
www.flickr.com/photos/tags/
tsunami
www.pbase.com
www.buzznet.com

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