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Freitag, 23. Februar 2018

Ausblick

Deutschlands Zukunft braucht technische Bildung

Von Udo Ungeheuer | 11. Januar 2018 | Ausgabe 01

Präsident Prof. Udo Ungeheuer über die wichtigsten VDI-Themen des neuen Jahres.

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Foto: VDI/Cathrin Moritz

Der VDI startet mit einem zukunftsweisenden Bildungsprojekt in das Jahr 2018. Mit dem „VDI-Technikfonds“ bieten wir ab sofort erstmalig Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, finanzielle Mittel auf einfachem Wege für technische Lehrinhalte zu erhalten. Damit fördern wir die technische Allgemeinbildung in Deutschland maßgeblich. Diese ist die Grundvoraussetzung für den Technik- und Innovationsstandort Deutschland. Der gute Ruf unseres Industriestandorts und auch des Gütesiegels „Made in Germany“ liegt in unserer starken Ingenieurkultur und -qualität begründet. Das Know-how der Ingenieure ist sozusagen das „Kapital“, das die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie sichert.

Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, junge Menschen für Technik zu begeistern und den Nachwuchs zu fördern. Je mehr die Technik unseren Alltag durchdringt, desto wichtiger ist eine technische Bildung der breiten Bevölkerung. Denn nur mit solidem technischen Grundlagenwissen sind Bürger und Konsumenten überhaupt in der Lage, sich qualifiziert, kritisch und konstruktiv am Dialog über den Einsatz neuer Technologien zu beteiligen: von der Gentechnik bis zum Bau neuer Stromtrassen, von der Debatte um den Diesel bis zum schrittweisen Kohleausstieg. Wir brauchen in all diesen Bereichen mehr faktenbasierte Diskussionen.

Die Lebens- und Umweltqualität, unser Wohlstand sowie unsere Fähigkeit, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, hängen einerseits von technischer Kompetenz und technischen Innovationen und andererseits von der Offenheit gegenüber Technik in unserer Gesellschaft ab. Außerdem beeinflusst technische Allgemeinbildung bei Kindern und Jugendlichen die Berufswahl- und Studienentscheidungen und sorgt so für mehr Nachwuchs im sogenannten Mint-Bereich. Die dortige Fachkräftelücke zählt zu den größten Risiken für den Innovationsstandort Deutschland. Um diese Nachwuchssicherung und Offenheit gegenüber Technik in der Gesellschaft zu gewährleisten, muss technische Bildung flächendeckend fest verankert werden.

Allerdings fehlt es Schulen und außerschulischen Lernorten trotz sprudelnder Steuereinnahmen in den letzten Jahren vor allem an finanziellen Mitteln zur Umsetzung der technischen Bildung. Offensichtlich halten unsere Politikerinnen und Politiker das Thema „technische Bildung in und für Deutschland“ nicht für wichtig genug und geben die Steuern lieber für andere Zwecke aus. Bis hier der Wähler ein Umdenken erzwingt, können wir nicht warten und versuchen, schnell zu handeln. Neben den zahlreichen Nachwuchsprojekten, die der VDI selbst realisiert, setzt hier der „VDI-Technikfonds“ an und leistet ab diesem Jahr unbürokratisch Hilfe. Schulen, Lehrkräfte und Bildungsinitiativen können beim VDI für Projekte im Rahmen technischer Allgemeinbildung Anträge zur Finanzierung einreichen. Unternehmen, die sich gemeinsam für den Nachwuchs in Wissenschaft und Technik stark machen, fördern den VDI-Technikfonds. Damit haben wir ein neues, zukunftsträchtiges Konzept für die Verbesserung der technischen Bildung in Deutschland geschaffen und leisten mit hoffentlich immer mehr Partnern wegweisende Nachwuchsarbeit.

Neben den wichtigen Aktivitäten im Bereich Bildung stehen im Jahr 2018 weitere wichtige Themen auf der Agenda des VDI. Eines lautet „Automatisiertes Fahren“. Denn diese Form der Mobilität bietet die Chance, die Sicherheit und Umweltverträglichkeit des Verkehrs weiter zu erhöhen und wird darüber hinaus die Wertschöpfungsketten in der Automobilbranche in Deutschland grundlegend verändern.

Einen besonderen Schwerpunkt werden wir auch auf das Thema „Urbane Produktion und Logistik“ legen. Hintergrund ist die Erfahrung, dass es wieder wichtiger wird, Produktion in den Städten zu halten oder besser in die Städte zu integrieren – Stichwort: „Leben und Arbeiten verbinden“. Der VDI wird hierzu Rahmenbedingen beschreiben und Handlungsempfehlungen formulieren, wie es gelingen kann, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen wieder in die Städte zu reintegrieren. Denn die Stadt der Zukunft braucht urbane Produktion und Logistik. Klar ist, dass dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten gehört und berücksichtigt werden müssen.

Vor dem Hintergrund der weiter fortschreitenden Digitalisierung, aber auch, weil es ein zentrales Anliegen des VDI ist, werden wir uns in diesem Jahr auch weiter mit dem Thema Ingenieurausbildung intensiv beschäftigen. Die Digitalisierung verändert die Arbeit der Ingenieurinnen und Ingenieure, bietet Chancen und stellt neue Anforderungen an die Ingenieurausbildung, die der VDI intensiv mit Ingenieuren, Hochschulen, Unternehmen und Bildungspolitikern diskutieren wird.

Natürlich werden wir uns und werde ich mich auch 2018 in weitere aktuelle Debatten mit Relevanz für den Technikstandort einbringen. Dazu gehört, dass ich mich auch persönlich weiter an der Debatte um die Zukunft des Verbrennungsmotors beteiligen werde, um den Ingenieuren in dieser wichtigen Diskussion eine weitere Stimme zu geben.

2018 wird ein spannendes und abwechslungsreiches Jahr. Wir werden gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern und gesellschaftliche Dialoge über technologische Entwicklungen initiieren. Ich wünsche allen unseren Lesern und Mitgliedern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2018.

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