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Donnerstag, 21. März 2019

Bildungswettbewerb

Im Berufeparcours zählen Teamgeist und das eigene Selbstvertrauen

Von Harald Lachmann | 17. Januar 2014 | Ausgabe 3

Mit dem Ende der Schulzeit rückt für viele Schülerinnen und Schüler die Stunde der Unentschlossenheit näher: Welcher Beruf passt zu mir? In Leipzig stellten kürzlich fast 200 Mädchen und Jungen aus vier Schulen ihre beruflichen Fähigkeiten auf die Probe. Die VDI-Garage hatte zu einem neuen Wettbewerb, dem Berufeparcours "my skills 2013", geladen.

Mechatronik
Foto: Lachmann

Mit Köpfchen: An einer Lkw-Trailerachse stellen Kevin Beth und Tom Baucza ihre Fähigkeiten in der Disziplin Mechatronik unter Beweis.

"Endzeit: 3:48 Minuten. Das macht 28 Punkte!" Kaum hat Standbetreuer Steffen Serfling dies verkündet, bricht Jubel aus. Die Schüler feiern Kevin Beth und Tom Baucza. Denn nur knapp haben die 14-Jährigen von der Leipziger Helmholtz-Oberschule den Höchstwert von 30 Punkten im Wettbewerb der Mechatronik verpasst.

Die VDI-Garage Leipzig

Beth und Baucza nehmen am dreitägigen Berufeparcours "my skills" in der VDI-Garage Leipzig teil. Sie sind zwei von rund 200 Schülerinnen und Schülern aus der Region, die sich in einer von 25 Disziplinen für ihre Klasse beruflichen Herausforderungen stellen. Das Team der außerschulischen Bildungseinrichtung VDI-Garage hatte sich in Anlehnung an den alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerb Worldskills ein neues Konzept zur beruflichen Orientierung von Schülern erdacht.

Die beiden Jungs sind sichtlich zufrieden mit ihrem Auftritt, der es durchaus in sich hatte. Denn mit der Stoppuhr in der Hand, ließ sie Serfling – eigentlich Lehrausbilder bei der Frank Fahrzeugbau GmbH in Markranstädt – die neun massiven Bolzen einer Lkw-Trailerachse herausschlagen und anschließend sauber wieder einsetzen. Erkennbar ging es dabei nicht nur um reine Kraft, sondern auch um Geschick und strategisches Herangehen. Und gleichwohl die Jungs geradezu fieberhaft hantierten, wussten sie doch verblüffend sicher, den Hammer so anzupacken, dass sie die günstigste Hebelwirkung erzielten.

"Gute Leistung", lobt Serfling. "Sie haben sich wirklich clever angestellt." Als langjähriger Partner der Leipziger VDI-Garage habe er halt ein Auge für Talente, versichert der 34-Jährige. Schon manchen jungen Burschen, den er hier bei einer berufsorientierenden Veranstaltung kennenlernte, habe er später zum Praktikum eingeladen. "Gute Lehrlinge sucht man immer."

Ob die beiden Jungs mal ins Kfz-Metier gehen wollen, wissen sie noch nicht. "Etwas Technisches könnte es aber schon werden, vielleicht im Handwerk", sinniert Kevin. Und Tom, der nebenher Taekwondo und Fußball trainiert, könnte sich auch eine Laufbahn bei der Polizei vorstellen. So oder so – die Wochen und Monate, die sich ihre Klasse im Rahmen der Aktion "my skills 2013" auf diesen Showdown vorbereitete, hätten ihnen viel gegeben, versichern sie.

Wie sich die nahezu 200 Mädchen und Jungen aus vier Leipziger Oberschulen während der Aktion entwickelten, beobachtete auch Initiatorin Angelika Träger-Nestler. Als mit dem Besuch der Berufe-Weltmeisterschaft "Worldskills 2013" auf dem Leipziger Messegelände der Startschuss gefallen war, "wirkten viele der damaligen Achtklässler ebenso unentschlossen über ihre berufliche Zukunft, wie ein Großteil ihrer Altersgefährten", verrät die Chefin der VDI-Garage. Doch die Arbeit in 16 Projektgruppen, die damals gebildet wurden, habe ihr Interesse spürbar belebt. Unterstützt durch Firmen der Region, hatten sie sich bald in die praktischen Aspekte der unterschiedlichen Berufe vertieft – und damit "gründlich auf dieses spannende Finale vorbreitet".

Parallel zu den Abschlusswettbewerben, die kurz vor Weihnachten drei Tage lang die VDI-Garage mit Leben erfüllt hatten, demonstrierten die Projektgruppen, wie sie sich mit "ihrem" Beruf beschäftigt hatten. Das Spektrum der vertretenen Branchen spannte sich dabei von A wie Anlagentechniker über G wie Gießer oder Grafikdesigner bis V wie Vermessungstechniker. Die letztere Sparte wurde durch das Leipziger Ingenieurbüro von Bauingenieur Peter-Michael Arnold unterstützt. "Ich bin richtig begeistert, was hier drei Tage abläuft", strahlt er. Schon seit vielen Jahren engagiere er sich als Honorardozent für den VDI – doch solch ein Ereignis habe er noch nicht erlebt.

Vor allem die Mädchen hätten sich bei Vermessungsaufgaben mittels Nivelliergerät höchst passabel angestellt, so Arnold. Gerade müssen z. B. Elisabeth Wehle und Thanawa Sumanit, beide von der Helmholtzschule, ihr Können demonstrieren. "Fast perfekt", lobt er. Die Schülerinnen hören es gern. "Gut möglich, dass ich auch mal Bauingenieur werde", lacht Elisabeth.

Wen immer man fragt unter Lehrern, Schülern, Firmenbetreuern sowie den Mitstreitern vom Garage-Team – alle sind sich sicher: Der Berufeparcours "my skills" sollte Schule machen. Nicht nur in Leipzig.   HARALD LACHMANN