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Montag, 21. Januar 2019

Nachwuchsförderung

Sonnentanz auf vier Rädern

Von Holger Pauler | 26. September 2014 | Ausgabe 39

Technikwettbewerbe sollen Kinder und Jugendliche spielerisch ans Konstruieren und Entwickeln heranführen. In Dortmund traten einige kürzlich mit selbst gebauten Solarmobilen gegeneinander an. Doch nicht immer hatte das schnellste Auto die Schnauze vorne. Um die kleinen und großen Hindernisse zu überwinden, musste das Konzept stimmen.

SolarMobil BU
Foto: VDE

In der Kreativklasse startete auch diese fahrende PET-Flasche des Teams Hoekzema aus Bremen.

Tunnel können zu unüberwindbaren Hindernissen werden. Zumindest, wenn man mit einem Solarfahrzeug unterwegs ist. Diese Erfahrung machten am vergangenen Freitag etliche Schüler, die am Bundesfinale des Wettbewerbs „SolarMobil Deutschland“ teilnahmen. Da der Wetterbericht eher unbeständig war, hatten die Verantwortlichen ein Zelt auf dem Dortmunder Friedensplatz aufgestellt. Zahlreiche Strahler sorgten dafür, dass sich die selbst konstruierten Flitzer auch ohne direkte Sonneneinstrahlung fortbewegten.

Spaß, Sonne, Sieg beim SolarMobil-Wettbewerb

Für den Tunnel müssen die Fahrzeuge „über einen zusätzlichen Energiespeicher in Form eines Kondensators verfügen“, erklärt Nicole Klän, Koordinatorin der Veranstaltung beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE). Das sei schon eine „gewisse Herausforderung“, die nicht alle Gruppen erfolgreich meistern konnten. Einige Solarmobile blieben bei dieser Passage auf der Strecke. Andere konnten auf Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zurückgreifen und passierten den unbeleuchteten Tunnel problemlos. „Mittlerweile gibt es einige Schulen und Gruppen, die sich akribisch und systematisch auf den Wettbewerb vorbereiten“, sagte Klän. So etwa Teilnehmer der Regionalwettbewerbe Emden und Kassel, die in mehreren Kategorien vordere Plätze belegten.

Bereits zum fünften Mal luden das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der VDE als Veranstalter des „SolarMobil“-Wettbewerbs Schüler aus der ganzen Bundesrepublik zum kreativen Konstruieren ein. „Das technische Niveau steigt von Jahr zu Jahr. Wir freuen uns über das große Herzblut und den Ideenreichtum der Teams“, sagt Christina Hilgers vom VDI Technologiezentrum, das den Wettbewerb im Auftrag des BMBF betreut.

Auch wenn die Energie in Dortmund schlussendlich aus der Steckdose kam, konnten alle Fahrzeuge an den Start gehen. Die Teilnehmer hatten sich zuvor in 15 Regionalwettbewerben für das Finale qualifiziert. Nun waren 67 Teams mit gut 160 Schülern aus ganz Deutschland angereist, um sich mit ihren kleinen Solarfahrzeugen dem Wettbewerb zu stellen.

Bereits bei der Namensfindung waren der Fantasie der Kinder keine Grenzen gesetzt worden: „Holzwurm“, „Surfbrett“ oder „Eisenschwein“ hießen die Fahrzeuge. Letzteres beeindruckte durch eine individuelle Karosserie, die an ein hoch aufgeschossenes Trapez erinnerte. Bei der Beschleunigung allerdings hatte das in die Höhe gebaute Fahrzeug seine Probleme.

Auch „Apollo 12“ der „Blitzkids“ Henrik, Julius und Len schied früh aus. Anderthalb Jahre haben die Elfjährigen an ihrem Fahrzeug gebaut und in der Nacht vor dem Wettbewerb kein Auge zugemacht: „Wir wussten, dass es schwer wird und waren ziemlich nervös“, sagt Julius, „aber wir sind froh, dass wir dabei sein durften.“

Das entspricht der Intention des Wettbewerbs, die Klän so beschreibt: „Kinder und Jugendliche für die Zukunftsthemen Elektromobilität und erneuerbare Energien zu begeistern und zu zeigen, was mit der Kraft der Sonne möglich ist.“ Dazu wurde der Wettbewerb in verschiedene Klassen unterteilt: die Ultraleichtklasse A für die Klassenstufen vier bis acht und B für die Neunt- bis Dreizehntklässler sowie die Kreativklasse, für die es keine Altersunterteilung gibt.

Die Fahrzeuge der Ultraleichtklasse mussten auf einer 10 m langen Strecke starten, in der Altersstufe neun bis dreizehn wurde die Strecke doppelt zurückgelegt. Zudem kam bei den Älteren der Tunnel zum Einsatz.

Dabei wurde schnell deutlich, dass nicht immer das schnellste Fahrzeug gewinnen muss. Da die Bahn auch in der B-Kategorie nur 10 m lang war, mussten die Solarmobile am Ende der Strecke die Richtung wechseln. Dazu fuhren sie gegen ein Anschlagbrett, das einen Umschalter aktivierte, der wiederum das Fahrzeug in die andere Richtung fahren ließ. Federn sorgten dafür, dass der Aufprall nicht allzu heftig wurde – was nicht immer wie geplant funktionierte. Besonders Fahrzeuge, die mit hohem Tempo fuhren, hatten Schwierigkeiten, sich zu bremsen. Einige zerlegte es förmlich am Ende der Strecke.

„Die Balance zwischen Tempo und Stabilität passte nicht immer. Auch, weil die Schwerpunkte mitunter falsch gewählt wurden“, sagt Gerhard Howe, Beirat des VDE Rhein-Ruhr und Jurymitglied im Bereich Leichtbauweise. Letztlich waren es die funktionalen, flach gebauten Fahrzeuge, die gewannen und sich gegen die optisch anspruchsvolleren Solarmobile durchsetzten.

Howe zeigte sich begeistert, dass die Veranstaltung überregional so gut angenommen wurde und alle Altersklassen von zehn Jahren bis hin zu angehenden Abiturienten vertreten waren. Auch der Anteil der Mädchen habe ihn beeindruckt. „Wir bemühen uns mit derartigen Veranstaltungen darum, junge Menschen spielerisch für die technischen Berufe zu interessieren“, so Howe. Die Resonanz der Mädels lässt jedenfalls hoffen, dass der Fraunanteil in den technischen Berufen weiter gesteigert werden kann.