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Samstag, 17. Februar 2018

Digitale Bildung

Tüfteln an Roboter und Co.

Von Manfred Schulze | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

Die VDI-GaraGe in Leipzig ist mit neuer Projektfläche am Puls der Zeit.

BU VDI Garage
Foto: Manfred Schulze

Ein Roboter zeigt Jugendlichen, was er kann. Die VDI-GaraGe versteht sich als außerschulischer Lernort für Schüler aller Schultypen.

Seit mehr als 16 Jahren werden Kinder und Jugendliche in der VDI-GaraGe interaktiv an moderne Technik herangeführt. Finanziert aus Mitteln des europäischen Sozialfonds, Landesmitteln und von Unternehmen zählt die von der gemeinnützigen VDI GmbH getragene Einrichtung jedes Jahr rund 80 000 Besucher. Vor allem Schüler der Klassen 8 bis 12 sind oft gesehene Gäste, die hier fächerübergreifende Schulprojekte aus dem Bereich Technik durchführen.

Der Bereich „Interaktive digitale Wissenswelten“ ist Ende Dezember hinzugekommen. Die etwa 900 m2 große erste Etage des alten Industriebaus im Leipziger Stadtteil Plagwitz ist völlig neu eingerichtet und umfasst rund ein Dutzend offene Stationen: Ein kleiner Roboter lässt seine Greifzangen auf- und zugehen. Ein Tablet fordert auf, eine neue Programmierung zu starten. 3-D-Drucker, die von einem Portal aus gesteuert werden, lassen kleine Würfel mit komplizierten Geometrien wie von Geisterhand entstehen. Nicht weit entfernt davon lockt das Cockpit eines Porsches, in dem über einen großen Bildschirm die Vernetzung von Infotainment-Komponenten erfolgt.

Nicht ganz so spektakulär, wenngleich nicht weniger von Bedeutung, wirkt hingegen daneben ein kleines Hausmodell, mit dem ein Leipziger Versorgungsunternehmen spielerisch intelligente Energiesysteme eines Smart Home simuliert. Darüber hinaus informiert eine Ausstellung über die Entwicklung der Industrie von der Mechanisierung bis zur heutigen vernetzten Steuerung.

Die GaraGe versteht sich als außerschulischer Lernort für unterschiedliche Arbeitsgemeinschaften und Schüler aller Schultypen. Die unterstützenden Unternehmen profitieren ebenfalls davon: „Wir vermitteln den Heranwachsenden, welche Fähigkeiten für die Herstellung von Autos benötigt werden“, sagt Thomas Scheib, Ausbildungsleiter im Leipziger Porsche-Werk. Das Unternehmen betreibt seit Anbeginn eine Schülerwerkstatt in der GaraGe, die nun Stationen zur Fahrzeug-Connectivity und der Digitalisierung erhalten hat.

„Wir bieten hier von der einfachen Metallbearbeitung bis hin zu einer kompletten Motormontage vielschichtige Möglichkeiten an. Rund 40 % unserer späteren Azubis haben wir zunächst hier kennengelernt“, berichtet Scheib. Unter fachlicher Anleitung von Ausbildern der Firmen oder Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Technik können die Schüler Programmierübungen zur Steuerung von Robotern, 3-D-Druckern oder Logistiksystemen ausprobieren.

Stefan Dohm, Geschäftsführer der VDI GmbH, sieht in der neuen Ausrichtung der GaraGe einen längst fälligen Schritt: „Wir müssen die Bildung an die sich wandelnden Perspektiven der Welt anpassen“, sagt er. Smartphone und Alexa gehörten heute zu den Selbstverständlichkeiten für Jugendliche. Diese Dinge mit der beruflichen Zukunft in einer Industrie 4.0 zu verknüpfen, sei Herausforderung für die Bildung.

„Mit den neuen digitalen Wissenswelten sollen ausdrücklich nicht nur männliche Jugendliche für Technik begeistert werden. Mint-Fächer, aber auch die Wahl eines technischen Berufes oder ein Studium der Ingenieurwissenschaften dürfen keine männliche Domäne sein“, meint die Leiterin des Hauses, Angelika Träger-Nestler. Die Zukunft des Industriestandortes Deutschland sei nur zu sichern, wenn bereits bei den Jugendlichen eine Begeisterung für Technik geweckt werde. Nur damit könne Kompetenz für digital basierte Prozesse in der Industrie aufgebaut werden. pst

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