Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Montag, 22. Januar 2018

Internet der Dinge

Dritte Ebene zwischen Sensor und der Cloud

Von Harald Weiss | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Intelligenz wandert in die Nähe von Sensoren und Aktoren. Rechnerhersteller versuchen, Standards zu etablieren.

Bildartikel zu OFarrelle-Gateway_8729_.jpg
Foto: H. Weiss

Ray O’Farrell leitet bei Dell das Geschäft mit dem Internet der Dinge. Hier zeigt er ein Gateway für die Verbindung vieler Sensoren mit der Cloud.

Die sichere und zuverlässige Anbindung von Sensoren und Aktoren ans Internet und die Cloud ist eines der bislang noch unbefriedigend gelösten Probleme im Internet der Dinge (IoT). Das liegt hauptsächlich daran, dass ein einzelner Sensor ein einfaches Gerät ist, das man nicht ungeschützt direkt ans Internet anschließen kann. Die üblichen Schutzmaßnahmen wie Firewall und Virenscanner lassen sich darauf nicht installieren.

Die Lösung dafür sind Systeme, die als Interface zwischen den Sensoren und den weiteren Bearbeitungsebenen fungieren. Hierin lassen sich dann nicht nur die erforderlichen Schutzmaßnahmen installieren, sondern auch eine Reihe von Funktionen einrichten, die die gesamte IoT-Infrastruktur vereinfachen. So können bereits hier Grenzwerte in Echtzeit überwacht werden, ohne dass dafür eine ständige Kommunikation mit den übergeordneten Steuerungsebenen notwendig ist. Denn häufig sind auch die geforderten Ansprechzeiten so klein, dass eine direkte Kommunikation der Peripherie mit dem zentralen Rechenzentrum oder mit einem Cloud-Server praktisch unmöglich ist.

Solche vorgeschalteten Gateways sind nichts Neues. Schon seit Anbeginn der Industrieautomation wurden bei der Maschinensteuerung mehrere Infrastrukturebenen geschaffen. Der wesentliche Unterschied bei den heutigen Architekturen ist, dass als Kommunikationsbasis das offene Internet genutzt wird und dass das Rechenzentrum immer häufiger in die Cloud abwandert. Und das verursacht neue Risiken und Managementprobleme.

„Edge-Computing“ nennt man diese neuen, direkt an Sensor und Aktor angesiedelten Systeme. Doch auch die sind häufig nicht leistungsstark genug, um direkt mit der Cloud verbunden zu werden. Hinzu kommt, dass es zwischen den Edge-Systemen einerseits und den übergeordneten Ebenen keinen verbindlichen Standard gibt. „Die Inkompatibilität von bestehenden Anlagen mit neuen Cloud-Architekturen sowie eine unüberschaubare Angebotsvielfalt blockieren häufig eine schnelle und reibungslose IoT-Einführung“, bestätigt Chris Wilder, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Moore Insights.

Dell Technologies will hier jetzt einen neuen De-facto-Standard schaffen. Unter dem Begriff „Distributed Core“ soll eine dritte IoT-Ebene etabliert werden, die alle Abläufe zwischen den Edge-Systemen einerseits und den Hochleistungsservern im Rechenzentrum oder in der Cloud andererseits steuert. Hierzu hat das Unternehmen alle diesbezüglichen Aktivitäten in einer eigenständigen IoT-Division gebündelt und gleichzeitig ein milliardenschweres Investitionsprogramm angekündigt. „Innerhalb der nächsten drei Jahre werden wir 1 Mrd. $ in den Ausbau von IoT-Produkten und -Services pumpen“, sagte Michael Dell jüngst auf einer Analystenveranstaltung in New York. Der neue Geschäftsbereich wird von Ray O’Farrell geleitet. In seinem Bereich sind jetzt die bisher eigenständigen Dell-Unternehmen EMC, Virtuestream, Pivotal, RSA und Secureworks zusammengefasst.

O’Farrell beschreibt die Aufgabenverteilung der IoT-Ebenen folgendermaßen: „Auf der untersten Edge-Ebene werden die Daten erfasst und für eine weitere Verarbeitung aufbereitet. Auf der Core-Ebene finden dann bereits erste operationelle Analytics statt, die zu direkten Steuerungen führen können, außerdem werden hier die Datenströme aggregiert und priorisiert. Die dritte und oberste Ebene ist dann die Cloud-Ebene, in der alle rechenintensiven und nicht zeitkritischen Operationen ablaufen.“ Dell bietet hierzu bereits eine Reihe an Gateways und Steuersoftware an, doch dieses Portfolio soll jetzt massiv ausgebaut werden.

Anwender sehen diesen Vorstoß sehr positiv. „Unser Kerngeschäft basiert auf einem massiven IoT-Einsatz und wir wissen um die vielen ungelösten Probleme. Dells Core-Ansatz könnte uns hier von vielen Kopfschmerzen befreien“, sagt David Rosenberg, CEO von Aerofarms, einem Start-up mit einem Hightechsystem zum Agraranbau in Gewächshäusern. „Wir haben bislang die IoT-Verbindungssysteme selbst erstellt und gemanagt. Deshalb sind wir von der Dell-Initiative begeistert und hoffen auf eine erfolgreiche Marktakzeptanz“, sagt Peter Zorio, CTO von Emerson Automation.

Doch ganz allein auf sich gestellt, kann auch Dell keinen allgemein akzeptierten Industriestandard durchsetzen. Hierzu bedarf es einer Reihe an schwergewichtigen Partnern. SAP ist beispielsweise mit an Bord. Die Walldorfer kooperieren mit der Dell-Tochter VMware im Bereich IoT-Analysen und branchenspezifische IoT-Applikationen. Diese werden sowohl in VMwares Produkt „Pulse IoT Center“ als auch in der „SAP Cloud Platform“ sowie in „SAP Leonardo“ eingesetzt. Damit sollen den Unternehmen eine schnelle Einführung und einfache Skalierung von IoT-Anwendungen möglich gemacht werden.

Dells Wettbewerber wollen dieses Feld aber auch nicht aufgeben. So arbeitet IBM in seinen Labors in Dublin und Yorktown an komplexen IoT-Edge-Lösungen, bei denen Hochleistungschips mit der Watson-IoT-Plattform und der IBM-Cloud zusammenarbeiten sollen. Auch Microsoft hat auf seiner jüngsten Developer-Konferenz Entsprechendes angekündigt: „Azure IoT Edge“ heißt der neue Service, mit dem die Anbindung der IoT-Peripherie an die Cloud-Plattform Azure vereinfacht und beschleunigt werden soll.

Doch trotz der vielen Anstrengungen sehen einige Analysten Dell hier besser aufgestellt. „Dell hat bei IoT einfach das umfassendste Angebot, das von einfachster Hardware über Hochleistungssysteme und Analytics bis zum Management und den erforderlichen Services reicht“, sagt Patrick Moorhead, Chef von Moore Insights. Entsprechend selbstbewusst gibt man sich bei Dell. „Wir sind der einzige Anbieter, der in allen IoT-Bereichen bereits eine führende Rolle einnimmt oder diese kurzfristig erreichen kann“, meint Marketingchef Jerry Burton.

stellenangebote

mehr