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Samstag, 23. Februar 2019

Windkraft

Europa muss um Führungsposition kämpfen

Von Stephan W. Eder | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Der europäische Branchenverband Windeurope erwartet für dieses Kalenderjahr eine Konsolidierung auf dem europäischen Windmarkt. Im ersten Halbjahr 2018 seien neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4,5 GW in Europa installiert worden – im Vergleichszeitraum des Rekordjahres 2017 waren es 6,1 GW.

Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit 13,5 GW – rund ein Fünftel weniger als noch im Vorjahr (16,8 GW).

„Der Windmarkt hat sich in Europa insgesamt stabilisiert, in einzelnen Teilmärkten, wie in Deutschland, treten aber große Schwankungen auf. Das führt – bezogen auf einzelne Standorte und Unternehmen – derzeit zu einer sehr schwierigen Situation“, erklärt Matthias Zelinger, Geschäftsführer des deutschen Herstellerverbands, des Fachverbands Power Systems im VDMA.

Im Blick hat er da den deutschen Markt. An einzelnen Standorten, wie bei Enercon in Aurich, stehen Hunderte Jobs auf dem Spiel. Und das zieht sich schon seit letztem Jahr: Senvion, Nordex, Adwen und Siemens Gamesa. Sie alle zollen Tribut – einerseits wegen der Stagnation in der deutschen Energiepolitik, andererseits wegen der harschen internationalen Wettbewerbsbedingungen.

Hinzu kommt: Der chinesische Markt, der größte weltweit, ist für die ausländische Konkurrenz weitgehend verschlossen. Die chinesischen Hersteller wiederum werden global mehr und mehr zu Konkurrenten. Zelinger gibt sich aber zuversichtlich. „Die chinesische Konkurrenz ist für unsere Branche auf dem Weltmarkt zusätzlicher Wettbewerb, aber Angst braucht sie nicht zu haben. Der Wettbewerb ist bisher schon recht hart. Die heimischen Hersteller schauen sehr genau hin – auch technologisch –, was aus China kommt und auch was in China passiert.“

Generell sieht Zelinger Chancen, dass sich in Europa weiterhin ein Kernmarkt erhält, der weiterhin weltweit prägend sein kann. „Damit Zentraleuropa auch zukünftig ein Leitmarkt für die Windkraftbranche bleibt, braucht es einen ambitionierten Markt.“

Ambitioniert heißt für Zelinger: Wettbewerb organisieren und technologisch ambitioniert sein. „Dass wir also in Deutschland in jedem Bereich mit die anspruchsvollsten Anforderungen haben können und sollen, das ist mehr als in Ordnung, wenn wir uns nicht von den Exportmärkten abkoppeln, denn am Ende heißt das, dass wir die fortschrittlichsten Entwicklung hierzulande machen. Das war ja bisher das Geheimnis vieler Energiewendetechnologien, dass wir in Deutschland diesen Laborcharakter haben.“ Dazu brauche es aber Marktvolumina, die es rechtfertigten, in Europa aktiv zu sein. Um „die Innovationen hier zu halten und den Rückfluss in die Entwicklungsabteilungen zu garantieren, brauchen wir in Europa ausreichend Marktgröße.“

Das heißt für Deutschland: Bundeswirtschafts- und -energieminster Peter Altmaier muss endlich für den Bereich Onshore die im Koalitionsvertrag versprochene Sonderausschreibung auf den Weg bringen. Und das fixe Ausbauziel von 15 GW offshore bis 2030 lockern. Denn nur so kann die Branche auch profitieren von ihren Technologiefortschritten. „Heute kann die Offshore-Windbranche ab Fundamentsockel ein Windrad auf See binnen 24 Stunden errichten. Früher wurden dafür mehrere Tage veranschlagt“, weiß Zelinger.

Schleswig-Holsteins Landesregierung will verstärkt auf Offshore-Windkraft setzen. „Wir wollen in einer Größenordnung von 1500 MW noch freie Kapazitäten für Windräder in der Nordsee erschließen, die über einen Netzanschluss verfügen könnten“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz Ende August am Rande eines Branchentreffs auf Helgoland der Deutschen Presse-Agentur. Dafür aber sei eine Sonderausschreibung im Jahr 2019 notwendig, zu der die Bundesregierung derzeit noch nicht bereit sei.