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Mittwoch, 20. Februar 2019

Interaktion

Globale Arbeit am Kommunikationsstandard

Von Martin Ciupek | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Weltweit agierende Unternehmen treiben gemeinsam Automatisierungsstandards voran.

Vernetzung ist ein globaler Trend. Das wird auch an der aktuellen Diskussion um einheitliche Kommunikationsstandards und Time-Sensitive Networks (TSN) in der Automatisierungstechnik deutlich. Ursprünglich wurde der Standard für die störungsfreie Übertragung von Audio- und Videodaten entwickelt und von der internationalen Ingenieurvereinigung Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE) in New Jersey standardisiert. Bei der Anwendung in der Industrie bringen sich nun deutsche und europäische Hersteller ein.

Rahman Jamal, Global Technology Director von National Instruments (NI), sieht für TSN aktuell vier globale Initiativen: eine vom Industrial Internet Consortium (IIC), eine weitere von der Shapers Group (einem losen Verbund verschiedener Automatisierungsanbieter), die Testbed-Initiative des Vereins Labs Network Industrie 4.0 (LNI 4.0) sowie die des Edge Computing Consortiums. Letzteres wird vom Fraunhofer-Institut Fokus und dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei getrieben.

Das Engagement großer Unternehmen (siehe auch Seiten 20 und 21) sieht Jamal zwiespältig: „Der neue disruptive Standard TSN droht in der schier endlosen firmengetriebenen Feldbusdiskussion unterzugehen“, sagt er. Es gebe schon wieder verschiedene „Geschmacksrichtungen“. Für Anwender sei das sehr verwirrend und entspreche letztendlich nicht der ursprünglichen Idee eines einheitlichen Echtzeit-Ethernetstandards.

Jamal erkennt allerdings auch den Interessenskonflikt: „Für die klassischen Feldbusanbieter besteht jetzt natürlich die Gefahr, dass TSN all die Ethernetdialekte verdrängt.“ Bisherige Investitionen und Kundenabhängigkeiten erschwerten daher die Diskussion um eine einheitliche Lösung.

Bei der Entwicklung smarter Fabriken liegt die IT-Kompetenz für Jamal ganz klar auf der US-amerikanischen Seite. „Damit eine Internet-of-Things-Initiative erfolgreich sein kann, ist es aber auch wichtig, dass Firmen diese ,Things‘ gestalten“, hierzu seien die deutschen Unternehmen geradezu prädestiniert. „Da hat insgesamt keiner die Nase vorn, weshalb eine Zusammenarbeit gefragt ist“, stellt er fest.

Wie eine internationale Zusammenarbeit bei der Standardisierung der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation laufen kann, wird am Beispiel der OPC-Foundation deutlich, die den Standard OPC UA vorantreibt. Am 31. Oktober verkündete die Vereinigung, dass Stefan Hoppe als neuer Präsident und Geschäftsführer „ab sofort“ die operativen Tätigkeiten übernimmt und die weltweite Verbreitung des OPC Standards sowie die Weiterentwicklung der Organisation verantwortet.

Damit wechselt der Sitz des Präsidenten von den USA ins deutsche Verl. Das untermauert die Internationalität der Vereinigung. Laut Hoppe kommen 50 % der Mitglieder aus Europa und Spezifikationen entstehen in verschiedenen Regionen der Erde – meist in Europa und den USA. Impulse für die Fertigungstechnik kämen vor allem aus Europa während die US-Unternehmen im Bereich Öl und Gas die Nase vorn hätten.

„Der Fokus von OPC UA liegt auf dem sicheren Austausch von Informationen zwischen verschiedenen Herstellern“, macht Hoppe deutlich. Nun böten TSN und in Zukunft auch 5G als unterlagerte Layer diese Echtzeitfähigkeit an. „OPC UA wird diese nutzen“, sagt Hoppe. Das sei eine normale Evolution. Die OPC Foundation habe alle Schritte getan, um in neue Märkte zu wachsen. Jetzt werde der Markt entscheiden, welches System sich durchsetzt. Neben der Leistungsfähigkeit sind für ihn dabei Kosten, Handhabung, einfache Konfiguration und ein EcoSystem von zertifizierten Komponenten ausschlaggebend.